Kapitel 2

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„Was habt ihr euch nur dabei gedacht?"

Was zum?

„Ihr habt nun gänzlich den Verstand verloren!"

Ich kann nichts sehen...

Dunkelheit umgab mich, wog mich tief und fest in ihren Armen und schirmte mich dabei von der Außenwelt ab. Mein Kopf war leer und meine Sinne betäubt. Ein unerträgliches Rauschen in meinen Ohren ließ die Geräusche um mich herum wie unter Wasser erscheinen.

Was ist passiert?

Angestrengt versuchte ich mich zurück an die Oberfläche zu kämpfen, was nur mühevoll gelang. Mein Kopf dröhnte und ein unsagbarer Schmerz zog sich an meinem Oberkörper entlang. Ein freudenloses Lachen ertönte nicht weit von mir entfernt und endlich drängen zwei Stimmen durch den dichten Nebel in meinem Kopf.

„Na was wohl? Einer ihrer eigenen Leute wollte sie umbringen. Also ich weiß ja nicht was du getan hättest aber ich hab diesem Abschaum mit Vergnügen die Kehle durchtrennt."
„Du weißt hoffentlich wem du da das Leben gerettet hast Tristan?", flüsterte die Frau aufgebracht.
Ich realisierte, dass sie über mich redeten. Doch ich verstand nicht worüber sie sich genau stritten.
„Natürlich weiß ich das, aber ich würde gerne wissen warum ein solarianischer Krieger seine eigene Prinzessin tot sehen wollte."

Immer mehr gelang es mir mich es langsam aus meinem Dämmerzustand zu befreien. Bis sich schließlich die Bilder vor meinen geistigen Auge breit machten. Bilder von einer verschneiten Lichtung, von mir, wie ich im Schnee hockte und von Raiven, welcher über mir war und mir die Luft zum atmen raubte.

Das alles hatte sich wirklich zugetragen.
Raiven hatte mich umbringen wollen.
Vermessner reiß dich zusammen Mel!

Stöhnend versuchte ich die Augen zu öffnen, doch schaffte ich es nicht die Kontrolle über mein Körper wieder zu erlangen. Es war als würden geistige Arme mich zurück in die schwarze Tiefe ziehen wollen, Sie klammerten sich an mich und kratzen an meinem Bewusstsein.

„He! Könntet ihr für einen kleinen Moment die Klappe halten? Sie wacht auf."

Sofort verstummten die Stimmen und in der nächsten Sekunde legte sich eine kalte Hand auf meine Stirn.
„Könnt Ihr mich hören?", fragte die Stimme von zuvor. Ich hatte sie schon einmal gehört, doch ich konnte sie nicht zuordnen. Ein leidiges Stöhnen drang an meine Ohren und ich war nicht fähig zu sagen, ob es meiner eigenen Kehle entsprang.
Ich wehrte mich gegen den Druck, der mich abermals zu verschlingen drohte.
„Mach die Augen auf", befahl ich mir stumm, ignorierte dabei das schmerzhafte Pochen meiner Schläfen und kämpfte weiter gegen die Schwere meiner Lider an, bis es mir tatsächlich gelang langsam die Augen zu öffnen.

Das Erste, was ich erblickte war ein Augenpaar mit zwei verschiedenen Augenfarben. Nie zuvor hatte ich vergleichbare Seelenspiegel gesehen. Seine rechte Pupille hatte die Farbe von Holz, die linke vom saftigen Gras, so wie ich es aus Solaria kannte. Sein rotes Haar war feucht und er roch frisch geduscht, nach Zitrone und dem holzigen Geruch des Waldes.
Langsam ließ ich meinen müden Blick durch den Raum gleiten, registriere das große Bett auf dem ich lag, den offenen Balkon, der in die Nacht hinausführte, eine kleine Kommode, einen Schrank und einen Tisch mit zwei Stühlen. Automatisch erblickte ich die Frau, welche etwas weiterer entfernt auf einen der beiden Stühle saß und ihre langen Beine übereinander geschlagen hatte.
Sie hatte ebenfalls rotes Haar, welches ihr glatt bis zur Mitte des Rücken reichte. Einige Strähnen waren ihr aus dem Gesicht geflochten. Zwar hatten ihre Augen keine verschiedenen Farben, doch die Ähnlichkeit zu dem anderen Rothaarigen war unübersehbar. Ihr Körper steckte in einem dunkelgrünen Kleid, welches ihrer zarten Figur schmeichelte. Ohne Frage, sie war unsagbar schön, doch ihre Augen raubten einen Teil ihrer Anmut.

Im Bann des MondesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt