Gedankenverloren folgte ich Tristan durch die weiten Gänge des Schlosses. Er führte mich in den obersten Abschnitt, dorthin wo die Decken noch höher waren und der Boden, auf dem wir gingen noch glänzender.
Vergoldete Säulen prangten noch viel prachtvoller auf, als in den anderen Ebenen zuvor. Vorsichtig wagte ich einen Seitenblick auf meinen Begleiter und betrachtete seine, nun deutlich geschwollene Wange. Ein großer unschöner regenbogenfarbenere Fleck zog sich nun von seinem Kiefer über die untere Gesichtshälfte bis knapp unter sein rechtes Auge, dort wo Lucian ihn getroffen hatte und dennoch ließ es ihn nicht minder attraktiv erscheinen.Erschlagen von den Gewissensbissen seufzte ich leise auf und ließ die Schultern hängen.
Wäre ich nicht gewesen, wäre das alles auf dem Balkon nicht passiert. Wieder einmal wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich hier nicht hingehörte.„Ich kann dich denken hören."
Verwundert richtete ich meinen Blick auf Tristan, welcher ein Schmunzeln andeutete, jedoch nicht ohne sein Gesicht kurz unter Schmerzen zu verziehen.„Wie bitte?"
Verlegen fuhr er sich durch das braune Haar.
„Ich kann praktisch hören wie du dir Vorwürfe machst-", dabei deutete er auf sein verletztes Gesicht.
„aber Mel, es ist nicht deine Schuld ok? Mach dir bitte keine Sorgen."Nachdem ich Lucians Geschichte gehört hatte verstand ich weshalb er und auch Leya mich hier nicht haben wollten. Ich hatte immer Gedacht dass das Volk des Mondes die Feinde waren, getrieben von Hass und purer Mordlust, doch nun, nachdem ich gehört hatte was die solarianischen Soldaten mit den Unschuldigen Menschen getan hatten, wusste ich wer wirklich den Ungeheuern aus den Geschichten glich.
„Das ist es nicht-", fing ich an mich zu erklären.
„Ich schäme mich für mein Blut und ich fühle mich plötzlich so einsam, so als würde ich nirgendwo mehr hingehören."
„Du bist nicht allein, jedenfalls nicht solange ich frei herumlaufe."Ein Lächeln schlich sich auf meine Züge. Seine Worte berührten mich auf eine merkwürdige Art und Weise. Niemals hätte ich geglaubt, dass ein einzelner Mensch mir so schnell ans Herz wachsen konnte.
„Danke", flüsterte ich leise und richtete meine Aufmerksamkeit erstmals wieder auf das was vor mir lag.
~
„Da wären wir", kam es leise von Tristan während er vor einer riesigen Flügeltür Halt machte.
Ich schluckte und wäre am liebsten wieder umgekehrt, doch hatte ich wohl keine andere Wahl. Tief atmete ich ein und aus und strafte mutig meine Schultern. Er sollte nicht sehen wie klein ich mir ihm gegenüber vorkam, doch sobald ich auch nur an den König dachte, drehte sich mir der Magen um und alle Überlebensinstinkte erwachten tief in meinem Inneren. Alles in mir schrie danach diesem Mann aus dem Weg zu gehen.„Hab keine Angst, er ist heute Nacht relativ wohlgesonnen."
Aufmunternd strich er mir über die Schulter und wartete bis ich ihm ein Zeichen gab. Ich war froh über die Zeit die er mir schenkte.
„Relativ?", lachte ich Freudenlos auf und strich nervös über den dunklen Rock meines Kleides.
Tristan erwiderte nichts sondern lachte lediglich, während er aus den Augenwinkeln zu mir herab blickte.Ich seufzte und verbannte den letzten Gedanken daran zu fliehen weit aus meinem Kopf. Ein letztes mal atmete ich tief ein und aus und gab Tristan dann mit einem Nicken zu verstehen, dass ich soweit war.
Bemüht darauf äußerlich ruhig zu wirken betrat ich den großen Saal und trotz der Angst in meinem Venen konnte ich es nicht verhindern von einer Welle aus Eindrücken überschwemmt zu werden.
Ich hatte so etwas noch nie zuvor gesehen. Zwar gab es in Solaria ebenfalls Magie, doch nichts war vergleichbar mit dem hier. Es musste sich um einen Zauber handeln, anders konnte ich es mir nicht erklären, denn der Saal lag mitten im Berg ohne ein Fenster durch das Mondlicht hätte scheinen können und dennoch wurde der Saal in einem silbrigen Schein getaucht. Doch das was mich zum staunen brachte war der sanfte glitzernde Schleier, welcher uns wie Nebel umgab.
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Im Bann des Mondes
FantasySie befindet sich in den Armen ihres Feindes, und doch schafft sie es nicht, sich aus seinen Fängen zu befreien... und selbst wenn.. Er hatte nicht vor Sie gehen zu lassen. ~ Das Leben ist voller Entscheidungen und jede Einzelne sollte man mit Bedac...