Kapitel 9

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Doch dazu kam es gar nicht. Illusionsstern plante keinen Gegenangriff und das obwohl der Wolfsclan die Sonnenfelsen für sich beansprucht hatte und zwei ihrer Clanmitglieder getötet hatte. Der Clan protestierte dagegen und sogar Lilienblüte stellte sich gegen Illusionsstern. Aber sie beharrte auf ihrer Entscheidung. Sie wollte warten und erst später angreifen.

„Schließlich sind die Sonnenfelsen in der Blattleere nicht zu gebrauchen" sagte sie.

„Aber hier geht es nicht nur um die Sonnenfelsen! Sie haben Kieselstein und Heckenkralle umgebracht!" protestierte der Clan, aber Illusionsstern ließ sich nicht überreden.

Schattenpfote wusste, dass Illusionsstern nichts dagegen unternehmen würde, weswegen sie sich noch stärker in ihre Trauer steigerte.

Zwei Tage nach nach dem Tod der Ältesten raffte sich Schattenpfote das erste Mal wieder auf. Inzwischen hatte sich der Clan gespalten. Nur ein kleiner Teil blieb bei Illusionsstern, der Rest schloss sich Lilienblüte an und sahen sie auch als Anführerin an.

Dennoch stieg Illusionsstern an diesem Morgen auf den Hochfelsen und wartete auf die Aufmerksamkeit ihres Clans. Schattenpfote sah einen wilden, fast wahnsinnigen Schimmer in den Augen ihrer Anführerin und sie ahnte nichts gutes. Trotzdem setzte sie sich zu ihren Clankameraden vor den Felsen. Sie bemerkte, dass Weidenzweig, Flammenschweif und Kirschpfote als einzige direkt vor den Felsen saßen und ihre Clanmitglieder mit einem ähnlichen Schimmer ansehen, wie Illusionsstern. Nur Kirschpfote wirkte ein wenig nervös.

„Schön, dass ihr doch alle so zahlreich erschienen seid. Ich muss euch heute leider mitteilen, dass wir einen Verräter unter uns haben... Oder besser eine Verräterin..." Ein leises Raunen geht durch die Menge.

„Sie kam als Junges hier in den Clan und sogar als Junges hatte sie schon Schaden angerichtet. Später hatte sie einen Streuner angelockt, der sich ja glücklicherweise als lieber Kerl heraus stellte und jetzt sind wegen ihr zwei Clankameraden drauf gegangen... Der Wolfsclan wollte seinen Schüler zurück, den Schattenpfote nicht hergeben wollte. Aus Rache töteten sie unsere Ältesten und raubten uns den Sonnenfelsen..."

„Das ist nicht wahr!" Schattenpfote stiegen Tränen in die Augen, als sie die Lügen von Illusionsstern hörte.

„Natürlich ist es wahr! Was geschah denn als du her kamst? Als Junges ist man süß und unschuldig. Nein! Lehmnase's Mutter ist wegen dir gestorben! Und ich wäre auch drauf gegangen, hätte ich dich gesäugt!" knurrte Weidenzweig sie an.

„Was hat das damit zu tun? Sie ist an schwarzem Husten gestorben..." warf ein Krieger ein und Schattenpfote glaubte, es war Rabenpelz.

„Nebelregen hat ihre letzte Kraft für sie aufgewandt" knurrte Flammenschweif. Schattenpfote schüttelte nur den Kopf und fand das ganze langsam lächerlich.

„Vielleicht ist sie wegen mir gestorben... Aber dann ist es genauso deine Schuld! Hättest du mich gesäugt hätte sie vielleicht die Kraft gehabt" knurrte Schattenpfote Weidenzweig an.

„Ich hätte deine freche Schnauze nie an meinen Bauch gelassen!" fauchte Weidenzweig.

„Und ich hätte deine faule Milch nie getrunken!" erwidert Schattenpfote zornig.

„Es reicht! Schluss mit deinen frechen Bemerkungen!" fauchte Illusionsstern und sprang vom Felsen. Sie ging auf Schattenpfote zu.

„Du wirst jetzt meinen Clan verlassen." Sie blieb ganz nah vor Schattenpfote stehen. Ihre Nasen hätten sich berühren können, wenn sie gewollt hätten.

„Ich werde diesen Clan nicht verlassen. Er ist mein Zuhause" erwiderte Schattenpfote, die ihren eiskalten Blick standhielt. Doch Illusionsstern erwartete keinen Widerspruch.

Schattenpfotes SchicksalWo Geschichten leben. Entdecke jetzt