Kapitel 10

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Zwei Tage später wurde Schattenpfote von einer Patrouille zur Grenze begleitet. Sie hatte beschlossen die Großzügigkeit des Wolfsclans nicht weiter auszunutzen, schließlich weiß man nie, wie lang die noch hält. Deswegen bedankte sich Schattenpfote nochmal für die Gastfreundschaft und wechselte rüber in ihr Territorium. Doch sie hatte nicht vor ins Lager zurück zu kehren. Sie wusste immernoch nicht, ob Illusionsstern da noch ist und solange sie da noch den Clan führt, kann Schattenpfote sowieso nicht zurück. Deswegen folgte sie der Grenze bis zum See. Von dort ging sie in den ihr unbekannten Bereich des Waldes.

Hier könnte ich doch bleiben... Wenn Illusionsstern fort ist, werde ich das hier mitbekommen, dachte sie und suchte einen Schlafplatz für die Nacht. Sie wanderte ein wenig auf dem unbekannten Gebiet herum, bis sie einen recht großen Holzbau fand.

Was ist denn das?, fragte sie sich und schlich vorsichtig näher. Sie roch den Geruch von Zweibeinern, aber sehr schal und vermischt mit den des Efeus, welches sich teilweise um den Bau schlängelt. Das Holz ist außerdem an manchen Stellen brüchig und hat Löcher, weswegen Schattenpfote auch in den Bau gucken konnte. Auch hier hat der Efeu weite Teile eingenommen, doch man könnte hier ein kleines gemütliches Nest einrichten.

Schlafplatz gefunden... Hab ich nicht eben auch Moos gesehen? Sie ging den Weg zurück und fand die Stelle mit dem Moos. Sie rupfte welches aus und nahm es mit zum Holzbau. Dort schuf sie sich, mit Hilfe des Efeus ein kleines Nest.

Sollte reichen... Hunger... Sie spürte wie ihr Magen sich zusammenzog und nahm die Gerüche auf. Zuerst stach ihr nur der intensive Geruch des Efeus in die Nase, weswegen sie den Bau verließ und es nochmal versuchte. Jetzt nahm sie einen schwachen Geruch von Eichhörnchen wahr.

Eichhörnchen... Kieselsteins Lieblingsessen... Der Gedanke versetzte ihr einen schmerzhaften Stich in der Brust und sie seufzte traurig. Schließlich nahm sie aber die Verfolgung auf und fand das Eichhörnchen schnell. Es saß vor einer Hasel und nagte an einer Nuss.

Oh... Haselpfote... Sie vermisste ihn sehr, unterdrückte es aber für den Moment und schlich sich an das Eichhörnchen an. Dann preschte sie los und stürzte sich blitzschnell auf das Hörnchen, so wie Nachtschatten es ihr beigebracht hatte.

Mit der schlaffen Beute im Maul kehrte sie schließlich zu der Hütte zurück und fraß sie dort nachdenklich.


Mehrere Tage vergehen, doch bis jetzt gibt es keine Anzeichen darauf, das Schattenpfote vermisst wurde... Oder gesucht wurde.

Habt ihr mich vergessen? Oder terrorisiert Illusionsstern euch immernoch?, fragte sie sich. Sie ging immer öfter am Tag zur Grenze und guckte, ob sie wen sah, den sie kannte und mochte. Aber bisher kam niemand vorbei. Es schien auch so, als wäre die Grenze länger nicht markiert worden.

Was ist da nur passiert?, fragte sich Schattenpfote, als die Grenze noch immer nicht markiert wurde. Schattenpfote wollte nachsehen, allerdings hatte sie zu viel Respekt vor Illusionsstern. Zwar war Schattenpfote normalerweise kein Feigling und erst recht kein Weichei. Sie hätte es ihr wahrscheinlich sofort heimgezahlt, hinge ihr Leben im Clan nicht sowieso schon am seidenen Faden. Deswegen hatte sie die Flucht vorgezogen.

Und so schlecht war es ja auch nicht, dachte sie sich.


Schattenpfote lag jetzt träge im Nest. Eben hatte sie noch eine Maus gegessen, auch wenn sie sie nicht leiden konnte. Aber im Fluss, der in der Nähe floss, gab es keine Fische, die sie hätte fangen können. Sie beobachtete gerade den Untergang der Sonne durch die Löcher an der Decke, als sie Schritte wahrnahm. Leise und vorsichtige Schritte. Misstrauisch erhob sich Schattenpfote und schlich in eine dunkle Ecke, um nicht sofort gesehen zu werden. Doch sie entspannte sich sofort, als sie eine bekannte Stimme hörte.

Schattenpfotes SchicksalWo Geschichten leben. Entdecke jetzt