Kapitel 15. Was wäre wenn ?

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Leise lachte ich voller Genugtuung auf, während mir alle schon gebannt an den Lippen hingen und vor allem Sebastian voller Emotionen auf mich starrte. Angst, Trauer, Hoffnungen und Flehen, all das und noch einige Emotionen mehr waren in seinem Gesicht zu lesen. Vielleicht lag es auch daran das wir uns schon so lange kannten, das ich dies überhaupt alles erst lesen konnte.

"Verdammt, ja! Und was für eine Nacht. Sie war nicht nur voller Leidenschaft und Zärtlichkeit sondern auch voller so vieler Emotionen. Emotionen die wahrscheinlich hätten nicht da sein sollen aber ich bereue nichts davon. Nicht, das es passiert ist. Nicht, das ich etwas dabei empfunden habe. Nicht, das es die beste Nacht meines Lebens war und auch nicht, weil ich der mit Abstand besten und wundervollsten Person meines Lebens näher gekommen bin. Ob ihr es glauben wollt oder nicht und so fies wie es jetzt klingen mag, aber das was ich bis jetzt alles als Liebe empfunden habe, ist nichts gegen das Gefühl das ich jetzt fühle. Es ist als würde ich zum ersten mal wirklich lieben und um Himmels Willen, ich vergöttere diese Person so sehr. Ihr wisst, ich habe meine Ex wirklich geliebt. Das dachte ich jedenfalls, doch das jetzt lässt sich nicht einmal ansatzweise mit den Gefühlen in mir vergleichen. Es ist als hätte ich im Lotto gewonnen, den Hauptpreis meines Lebens gezogen, meinen "Lebensschicksalsschatz" gefunden. Ihr wisst, das ich nicht der gefühlsvollste Mensch auf Erden bin, aber in der Nähe dieser Person werde ich gefühlt zum Romantiker, Dichter und Denker schlecht hin. Ich hoffe einfach nur das ich diese Person nicht verlieren werde. Es ist.. kompliziert.
Kennt ihr dieses Gefühl das euch das wichtigste und wertvollste in eurem Leben entgleitet, wie ein Seil an dem ein großes Gewicht hängt? Das Gewicht bestehend aus allem was euch lieb und teuer ist? Wenn es alles ist was ihr zum Leben braucht? Ihr versucht so stark wie möglich dieses verfluchte Seil festzuhalten, egal wie schlapp ihr euch später fühlt. Ihr wollt es nicht loslassen, ihr wollt es nicht verlieren und dennoch scheint ihr den Kampf nicht gewinnen zu können. Diese Trauer vor dem ungewissen, die Angst die einen zerfrisst und dennoch dieses unwillkürliche Herzschlagen wenn ihr auch nur eine Sekunde daran denkt wie schön es war? Verflucht, er ist doch alles was ich will..."
Den Schluss, meiner viel zu langen und dennoch kaum aussagenden Rede, wimmerte ich in mich hinein, ließ meinen Kopf in meine Hände fallen und weinte leise.

Ich zuckte zusammen als ich einen Arm um mich spürte. Ich versuchte zu erkennen, wer mich da zu trösten versuchte. Zwar sah ich alles verschwommen, dennoch erkannte ich die braunen Haare und diesen.. Vollbart? Die Hoffnungen in mir das Sebastian sich nach meiner Ansprache geöffnet hatte, zerschlugen sich schneller als ein Wimpernschlag. Christians feste Umarmung ließen mich trotzdem etwas besser fühlen als ich langsam wieder aufsah.

"Wait...WHAT?! Hat Jay gerade 'ER' gesagt?", war das einzige das ich wahrnahm und mich schlagartig die Luft anhalten ließ. Fuck.. genau das wollte ich doch vermeiden.. jetzt werden mich alle locker abstoßend finden..
Ich schüttelte langsam den Kopf, wirre Gedankengänge verfolgten mich, ließen die Umwelt um mich herum langsam verschwinden. Ich hörte nichts und sah nichts, als ich mich so schnell wie möglich aus dem Wasser bewegte, etwas neues und trockenes Anzog, mir das Auto nahm und einfach nur fuhr. Wohin wusste ich noch nicht, doch fühlte ich mich einfach gerade nicht mehr wohl dort. Ich selbst musste doch erst einmal damit klar kommen, das ich nun einen Mann liebte. Ich wollt es ihnen einfach nichts sagen, jedenfalls noch nicht. Das alles war einfach zu viel für mich, ich wollte einfach nur kurz für mich alleine sein. Einfach nur in Ruhe selbst meine Gedanken sortieren und mit mir klar kommen. Jetzt kam auch noch zu dieser Angst, Sebastian zu verlieren, etwas anderes hinzu. Was ist wenn mich die Jungs so nicht akzeptieren werden? Was ist wenn sie herausfinden, das es ausgerechnet Sep ist, den ich da beschrieben habe? Eine Liebe innerhalb der Crew, egal ob erfolglos oder nicht, ist ein No-Go.

Fragen über Fragen, ließen meinen Kopf schmerzen. Alles schien nur noch schief zu laufen, hatte ich mir doch gerade mit dem Ausflug eine Auszeit herbeigesehnt.. das es so verlaufen würde, hätte ja niemand ahnen können.
Baumkronen ragten weit über das Sichtfeld der Frontscheibe hinaus, tauchten den hellichten Tag in einen dunklen Schleier.
Es dauerte nicht lang, bis ich instinktiv anhielt. Ich wollte ja nur kurz etwas Luft schnappen und kein Tagesausflug daraus machen. Wohl oder übel muss ich irgendwann wieder zu den anderen stoßen.
Ich stellte das Auto in eine Parkbucht, stieg hinaus und betratt den dicht bewachsenen Weg. Äste knackten unter meinen Körpergewicht, Büsche streiften meine freiliegende Haut und der Geruch von Fichten und frischer lauwarmer Luft wehte mir um die Nase. Würde ich nicht gerade an meinen eigenen Gedanken ersticken, würde ich es hier echt schön finden. Mein Weg führte an einen kleinen Bach, wo ich Platz nahm, die Umgebung zu genießen versuchte und überlegte. Die ganzen "was wäre wenn", machten mich langsam verrückt und wohl oder übel musste ich alle Szenarien durchspielen um vorbereitet zu sein, auf das was noch auf mich warten würde.
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Entschuldigt die kurze Schaffenspause, mal wieder. Ich war in letzter Zeit echt antriebslos und konnte mich nicht dazu aufraffen dieses Kapitel zu Ende zu schreiben. Ich hoffe ich hab diese Phase jetzt hinter mir und kann euch regelmäßig mit Updates versorgen. Liebe geht raus ♡

Die Route des grünen Herzens. 💚 (Pietsmiet FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt