Kapital 16. Geständnis

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Ich schreckte hoch als ich plötzlich das Unterholz hinter mir rascheln hörte. Dennoch blickte ich weiterhin stur auf den kleinen Bach vor mir. Zwar schrie die Neugierde in mir nachzusehen, doch wollte ich denjenigen jetzt nicht in die Augen blicken, nicht den herablassenden Blick auf mir spüren.

"Jay..", erklang eine wohlig warme und mitleidende Stimme während sich eine Hand auf meiner Schulter wiederfand.
"Das ist alles meine Schuld das es passiert ist, ich hätte besser aufpassen sollen und dich nicht wie mein eigen markieren dürfen. Es tut mir leid. Und genauso tut es mir leid das ich dir nicht zugehört habe. Ich war ein Idiot. Statt meinen Mund aufzumachen und mit dir zu reden, hab ich mich lieber hinter Selbstzweifel und Angst versteckt. Ich dachte, du würdest all das bereuen und hättest nur kurz nach Aufmerksamkeit und Liebe gesucht um deine Exfreundin zu vergessen. Ich hätte ja niemals damit gerechnet das du auf Männer stehst, wie unwahrscheinlich war das den auch? Es war jedenfalls dumm es anzunehmen. Ich hatte einfach Angst das wieder zu verlieren, was ich mir schon so lange erhofft hatte und dabei habe ich es selbst vermasselt...", lächelte Sebastian traurig Richtung des fließenden Baches,"... Weißt du, meine Freundin? Sie ist gar nicht wirklich meine feste Freundin nur.. meine beste Freundin. Ich wusste schon länger das ich etwas für dich empfinde. Da ich aber unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzten wollte, gab ich vor eine Freundin zu haben um noch weniger Verdacht zu schöpfen wenn etwas war. Sie wusste von Anfang an von meinen Gefühlen dir gegenüber, die hätten gar nicht da sein dürfen. Sie bot mir dieses Versteckspiel an, da ich unter anderem auch erst einmal selbst damit klar kommen musste, das ich auf Männer stehe und vor allem auf dich. Ihr wart alle so glücklich in einer Beziehung nur ich habe es nie mit Frauen auf die Reihe bekommen, ich hatte Angst das jemand hinter mein Geheimnis kommt ohne das ich das selbst erst einmal akzeptieren konnte. Bitte, verzeih einem Vollidioten wie mir."
Sein Blick richtete sich langsam auf, als ich vollends in seine wunderschönen Augen sehen konnte. Sie strahlten Aufrichtigkeit aus als ich mich komplett in ihnen verlor. Es war so vertraut, so heimisch und all meine Gedanken verpuffen mit einem Mal. Es war, als wäre er mein Ruhepol und solange er bei mir ist könnte mich nichts unterkriegen.
Ich lächelte ihn sanft an, legte meine Hand auf seinem Bein und sagte ihm das ich ihm selbstverständlich verzeihe. Wie könnte ich auch anders?

"Wir sollten wieder zurück, die anderen Sorgen sich um dich.", munterte Sebastian auf, als er mir eine Hand zum Aufstehen reichte.
Sie sorgten sich? Hassen sie mich den nicht?
Zögerlich nahm ich seine Hand, was meinen Magen sofort umdrehen ließ. Klar berührte ich ihn schon öfters und schon ganz anders, doch dieses mal schien es anders zu sein. Seine Gefühle zu kennen und zu wissen das er meine kennt, löste noch mehr ungeahnte Emotionen aus.
Mit einem leichten Ruck half er mir auf, was verursachte das wir nur noch wenige Zentimeter getrennt voreinander standen. Ich sah die Freude in seinem sanften Gesicht, seine Zuversicht und seine Zuneigung. Er faszinierte mich immer mehr und Stück für Stück entdeckte ich mehr in ihm. Ich hätte noch Stunden so stehen bleiben können, ihn einfach nur anzusehen. Doch Sep wäre nicht er selbst wenn er nicht mit einem riesigen Nieser und einer damit verbunden Kopfnuss gegen mich, diesen Moment versaut hätte. Leise fluchend hielt ich meinen Kopf und wollte schon wieder mein altes und salziges Ich heraushängen lassen als ich inne hielt. Ich konnte nicht, ich konnte ihn gegenüber nicht gemein werden. Das verspricht ja spaßig zu werden wenn ich ihn nicht einmal ärgern kann. Ich musste selbst etwas schmunzeln als ich meine Gedanken nochmal in meinen Kopf Revue passieren ließ, was Sebastian nur treudoof drein blicken ließ. Gott, wie ich diesen Blick mochte.

"Komm, lass uns mal lieber weitergehen bevor die anderen mich wirklich noch töten wollen. Warum bist eigentlich ausgerechnet du zu mir gekommen?", traute ich mich kaum die Frage zu stellen, als wir langsam wieder den Weg zurück zu unseren Autos liefen.
"Weil ich nach deiner Rede wusste, das es meine Chance ist endlich mit dir glücklich zu werden und ich es nicht nochmal versauen wollte. Die anderen wollten unbedingt mit, deren Blick hättest du sehen müssen als ich alleine gefahren bin und gesagt hab das ich das wahrscheinlich am besten Regeln könnte. Wenn die wüssten...", kicherte er leicht auf als er mich warmherzig ansah.
"Wir sollten es dennoch erst einmal für uns behalten und sehen wie es sich zwischen uns weiterentwickelt bevor wir irgendetwas bekannt geben. Also wenn du das überhaupt möchtest, ich mein.. das kam nicht wirklich zur Sprache.. was wir wollen meine ich.."
Ich hatte Recht, bis jetzt haben wir noch nicht gesagt ob wir und was wir wirklich wollen. Eine Beziehung im Team? Eine zwischen Mann und Mann? Was wird die Öffentlichkeit dazu sagen oder gar die Familie? Möchten wir etwas festes oder nur etwas andere Erfahrungen sammeln? Unmut kam wieder in mir auf als Sebastian nicht antwortete und einfach stehen blieb.

Langsam bewegte er sich, stellte sich nah vor mich, griff nach meiner Hand während seine andere mein Gesicht in seine sanften Hände nahm.
"Wir werden sehen was auf uns zu kommen wird, doch solang wir wir sind werde ich jede einzelne Sekunde mit dir genießen und dir die Welt zu Füßen legen. Du weißt gar nicht wie sehr ich auf diesen Moment gewartet habe und so unwahrscheinlich wie es war, könnte ich glücklicher nicht sein das es wirklich so gekommen ist. Selbst wenn du es dir anderes überlegen solltest, ich werde immer an deiner Seite bleiben und dankbar für jede Sekunde mit dir sein."

Stille trat ein und es war wohlmöglich das schönste was jemals zu mir gesagt worden ist. Vielleicht auch nur deswegen, weil es aus SEINEM Mund kam. Ich konnte nicht anders, als die Entfernung zwischen uns zu überbrücken und meine Lippen auf seinen zu platzieren wie damals in der schönsten Nacht meines Lebens.

Die Route des grünen Herzens. 💚 (Pietsmiet FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt