Unmittelbar nach dem Vorfall mit Amélie wurden mehrere Schüler befragt und es herrschte eine bedrückende Stimmung. Doch nachdem sich in den vorigen Tagen so viel ereignete, war langsam wieder ein gewisser Alltag eingekehrt.
Der Japaner sieht sich müde um. Auf seinem Platz hat er die Sachen für die nächste Stunde ausgebreitet, zwar auf den Unterricht vorbereitet, aber nicht ganz dabei. Sein Körper hat ihm nicht viel Schlaf gegönnt. Leise gähnt er. Kurz bevor die Stunde anfängt, spürt er eine Hand auf seiner Schulter und sieht auf.
„Hey, Han.", lächelt ihm Jesse zu, „Nicht gut geschlafen?"
Hanzo nickt leicht. „Genau. Und ich weiß nicht mal, woran das liegt." Nun blickt schläfrig er zu seinem Freund auf. „Schon was neues gehört? Also..von den Ermittlungen?"
„Hm, sie hatten mich befragt, aber ich konnte ihnen nichts anderes sagen, als dass wir uns nie wirklich verstanden haben und Gèrad ein guter Mensch war. Ansonsten...ich hatte die anderen gefragt. Livi meinte etwas von einer geheimen Organisation im Internet, aber ich weiß nicht, ob ich ihr das glauben soll. Talon, oder so.", erläutert ihm Jesse, zieht dann aber den anderen zu sich hoch.
„Hört sich...beunruhigend an.", murmelt Hanzo und sieht in Jesses Augen, kurz bevor er ihn küsst.Auf den Unterricht kann sich Hanzo nun ein für allemal nicht konzentrieren. Es war ihm zwar sehr peinlich, doch in Mathe döste er kurz weg.
„Ahem. Hanzo?", hatte ihn Mr. Morrison angesprochen, woraufhin er rot angelaufen ist. Eine Entschuldigung ging ihm schnell über die Lippen, bevor er sich wieder aufsetzte.
Der Lehrer nahm es ihm aber scheinbar nicht übel, denn er schien zu wissen, dass es gerade schwierig für viele Schüler war, sich auf die Schule zu konzentrieren.
Der Tag zog sich so weiter, in den anderen Fächern hatte er sich auch nicht besser verhalten können, als in Mathe davor.Sein Bruder fängt ihn ab, als er von der letzten Stunde zum Spind geht, um seine Bücher loszuwerden. „Anjia! Schon gehört?", empfängt Genji ihn, er sieht ganz aufgedreht aus. „Worüber?", fragt Hanzo skeptisch über die gute Laune seines Bruders.
„Na über Amélie. Sie soll von einer Organisation gezwungen worden sein, ihren Freund zu töten!"
„Genji...das ist ein ernstes Thema. Bist du deswegen so aufgedreht?"
„Hm...naja, eigentlich nicht deswegen, trotzdem find ich, dass wir vorsichtiger sein sollten. Hana hat auch schon Recherche betrieben- diese Organisation scheint es wirklich zu geben. Sie meinte, sie käme nicht weiter, weil sie keine Hackerin ist- aber trotzdem hat sie entdeckt, dass es über Twitter immer wieder Erwähnungen von „Talon" gibt."
„Ich habe von Jesse gehört...dass Olivia in solchen Sachen ganz gut sein soll. Wenn ihr was rausfinden wollt, fragt ihr vielleicht sie. Aber Genji...vergiss nicht, dass gerade erst ein Mensch getötet wurde. Das könnte gefährlicher sein, als du denkst."„Ich weiß doch...aaaaaber anderes Thema. Zen kommt heute vorbei!"
Hanzos Mundwinkel bewegen sich nach oben. Er hat also recht gehabt, seine Stimmung ist was anderem zu verschulden.
„Daher also deine gute Laune. Freut mich. Ich werd dann zu Jesse- " „Ich hab schon mit Miyu gesprochen, Jesse kann gern auch vorbei kommen. Zen stört das nicht."
Etwas verdutzt blinzelt der Schwarzhaarige. „Sicher? Wollt ihr nicht ein bisschen Zeit für euch?", fragt er, aber Genji winkt ab. Dagegen kann Hanzo nichts mehr sagen, schließlich will er Zenyatta auch mal kennenlernen.Zu Hause ruft er Jesse an, um ihn für heute Abend einzuladen.
„Schon wieder bei dir? Sicher? Nicht, dass ich deiner Tante zu viel werde.", meint der Cowboy am Telefon, was Hanzo lächeln lässt.
„Achwo, mach dir keine Sorgen. Miyu ist froh, wenn mal jemand da ist. Und außerdem hbe ich wenig Lust darauf, das dritte Rad am Wagen zu sein."
Das scheint Jesse zu überzeugen, er lacht kurz auf und sagt, er würde gleich da sein.
Nach dem Anruf legt Hanzo sein Handy beiseite und steht auf, um seine langen Haare zu pflechten. Ein Blick in den Spiegel bestätigt ihm, dass er so aussieht, wie er sich den Tag über gefühlt hatte. Müde.Die Türklingel reißt ihn schließlich aus seinen Gedanken, schnell verlässt er das Bad, um die Treppe hinunter zu stürmen und die Tür zu öffnen.
„Oh, hallo. Du musst Hanzo sein.", begrüßt ihn ein überrascht klingend, aber netter Junge in Genjis Alter.
„Ah- ehm..ja. Der bin ich. Und du bist Zen?", räuspert Hanzo sich, mindestens genauso verdutzt. Er hat Jesse an der Tür erwartet, nicht den Freund seines Bruders.
Zenyatta nickt lächelnd. „Genau der."
„Komm doch rein.", bittet ihn der peinlich berührte Schwarzhaarige und tritt einen Schritt von der Tür weg, um ihn hinein zu lassen.„Hanzo? Ist Zen da?", ruft sein Bruder runter, als er die Tür schließt.
„Ja, ist er!", antwortet statt Hanzo Zenyatta. Dem folgt ein freudiger Ausruf von Genji, ehe er runter gepoltert kam.
„Endlich! Jetzt fehlt nur noch Jesse, oder?", fragt der Grünhaarige, als sich schon die Klingel meldet.
„Das wird er wohl sein.", schmunzelt Hanzo und öffnet die Tür, vorsichtiger als bei Zenyatta. Vor ihr steht der Cowboy, mit einem Lächeln, welches einen Eisberg hätte schmelzen lassen können.
„Deine Unterstützung ist angekommen.", strahlt Jesse und öffnet seine Arme.
„Du bist mehr als nur eine Unterstützung.", Hanzo umarmt ihn glücklich.
„Genau. Deine Unterstützung.", murmelt der andere und küsst ihn sanft auf die Stirn.„Hmm. Gut.", meint Hanzo und sieht zu ihm auf, „Da das nun geklärt ist, können wir ja rein. Ich möchte dich nicht noch länger hier draußen stehen lassen. Und die anderen beiden.." „Haben alles gehört, ihr Turteltauben. Kommt rein.", lacht Genji.
Als sie alle drin sind, stellt sich Zen Jesse vor und Jesse sich Zen. Ein bisschen reden die vier noch, wobei Hanzo bemerkt, dass Genji sogar noch fröhlicher als sonst scheint.
Zen erzählt, dass er ebenfalls erst seit Kurzem hier lebt und aus Nepal kommt.
Kurz darauf ruft Miyu zum Abendessen. Hanzo blickt zu Jesse, lächelt leicht und nimmt dann seine Hand, um ihn mit in die Küche zu ziehen.
Zen und Genji folgen ihnen.Nach dem Essen schlägt Genji vor, dass sie zusammen zocken könnten, womit alle einverstanden sind. In Genjis Zimmer findet Hanzo neben Jesse platz und schnappt sich einen Controller. Er weiß, dass Genji einen klaren Vorteil haben würde, aber er hat nicht vor, zu verlieren.
Immer, wenn Jesse ihn überholt, wirft Hanzo ihm einen bösen Blick zu oder flucht leise.
Zen bleibt eher ruhig und lacht immer wieder über die Kommentare Genjis.
Letztendlich gewinnt Jesse, Zen wird Zweiter, Genji Dritter und Hanzo Letzter. Frustriert lässt er den Controller fallen. „Doofes Spiel."
„Du warst schon immer ein schlechter Verlierer, Han.", lacht Genji.
Hanzo steht auf und bedeutet Jesse, mitzukommen.„Ah, Han. Du bist doch jetzt nicht böse auf mich, oder?", fragt Jesse dann doch etwas besorgt.
„Ich bin böse auf alle.", grummelt Hanzo, „Jetzt komm her. Ich will kuscheln."
Er lässt sich in sein Bett fallen und Jesse krabbelt mit hinein.
„Ich wüsste ja was, das deine Laune verbessern würde.", grinst er anschließend schelmisch, bevor er beginnt, Hanzo zu kitzeln.
„N-nein, stopp..", bringt dieser unter dem Lachen hervor. Dann setzt er zur Rache an und kitzelt Jesse zurück.
„Ha-Ha-Han, bitte", Jesse windet sich, um der Folter irgendwie zu entkommen.
„Ich hör auf, wenn du mit mir kuschelst."
„Nagut. Komm her.", gibt er sich geschlagen und nimmt Hanzo in seine Arme.
Die Spannung der letzten Tage weicht Hanzo aus dem Gesicht.
„Danke."
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I'm your Huckleberry
FanfictionNach einem langen, anstrengenden Flug kommen die Shimada Brüder in den Staaten an. Nach einigen tragischen Ereignissen wollen sie einen Neustart, welchen sie bekommen sollen. Auf einer Highschool. Doch natürlich hat das Leben auch weitere Überraschu...