„Richtig ist nicht gleich falsch."
„Tupfenjunges!", flüsterte jemand in der Dunkelheit.
Tupfenjunges öffnete erschrocken die Augen.
Gerade noch hatte sie davon geträumt einen Hasen durch eine Waldlichtung zu jagen, und irgendjemand hatte diesem wunderschönen Traum zerstört.
„Beweg dich Tupfenjunges", flüsterte die Stimme hektischer.
Da erkannt Tupfenjunges, dass diese Stimme definitiv von Teichjunges stammen musste, nur er hatte so einen kommandierenden Tonfall.
„Was ist los?", fauchte Tupfenjunges in die Richtung, aus der sein Flüstern kam.
„Komm einfach mit, mach schon", drängte ihr Bruder.
Tupfenjunges seufzte genervt auf, rappelte sich von ihrem warmen Plätzchen neben der schalfenden Bergfluss hoch, und trabte in völliger Dunkelheit hinter dem Geruch ihres Bruders her.
Er führte sie aus der Kinderstube hinaus zu dem Lager, das still und unbeweglich in der völligen Dunkelheit lag.
„Dein Ernst?"
Tupfenjunges blieb stehen, sobald sie einige Pfotenschritte von der Kinderstube entfernt waren.
„Morgen werden wir zu Schülern ernannt, und du musst mich genau in dieser Nacht aus der Kinderstube schleppen?!
Damit wir entdeckt werden und unsere Schülerzeremonie auf den nächsten Mond verlegt wird?"
„Tupfenjunges du,.."
„Nein", schnitt sie ihm das das Wort ab.
„Ich gehe wieder zurück in die Kinderstube und schlafe weiter!"
Teichjunges zuckte mit der Schwanzspitze.
„Na dann geh.
Ich werde dir auch nicht hinterher laufen, Kirschjunges und ich werden auch ohne dich Spaß haben."
Tupfenjunges blieb stehen.
Neugier packte die kleine Kätzin.
Was war da so interessantes, dass sogar Kirschjunges ihren heiligen Schlaf liegen gelassen hatte?
„Warte", warf sie ihrem weggehendem Bruder hinterher, doch er blieb nicht stehen.
Sie war hin und her gerissen.
Einerseits wollte sie wieder schlafen gehen, um für die Schülerzeremonie morgen fit zu sein, andererseits wollte sie erfahren wohin ihre beiden Geschwister gegangen waren.
Schließlich siegte die Neugier.
„Mausedunk, Teichjunges warte!"
Sie preschte leise hinter ihrem Bruder her, der schon fast aus ihrem Blickfeld verschwunden war.
Er kräuselte die Lippen, als er sie neben sich auftauchen sah.
„Bist also doch gekommen?"
„Ja ich...
Wenn Bergfluss etwas davon erfährt, dann beiß ich dir den Schwanz ab!"
Teichjunges lächelte.
„Jetzt erkenne ich meine Schwester."
Tupfenjunges verdrehte die Augen.
Die beiden Geschwister schlichen leise am leeren Frischbeutehaufen und am efeubewachsenen Heilerbau vorbei, bis sie die Kronen der ersten Bäume erreichten.
Tupfenjunges schaute sich ständig um, in der Hoffnung keine einzige Katzenseele hätte sie gesehen.
„Wenn wir erwischt werden, ist das ganz allein die Schuld von Kirschjunges und dir - wohin gehen wir überhaupt?"
Ohne stehenzubleiben antwortete Teichjunges: „ Kirschjunges hat mich mitten in der Nacht geweckt und hatte die geniale Idee, zu jagen."
Tupfenjunges blieb verdattert stehen.
„Wie - jagen?"
„Noch nie was von jagen gehört?"
„Doch aber", sie suchte die passenden Worte um ihre Empörung auszudrücken.
„Teichjunges, weißt du eigentlich wie dumm das ist? Wir können doch noch gar nichts, keine Techniken, kein Anschleichen! Außerdem gibt es dort draußen Gefahren und wir sind - wir sind nur Junge!
Warte doch bis morgen, da kannst du all das tun!?"
Teichjunges warf ihr einen genervten Blick zu.
„Also sowas wie Spaß hast du in deinem Leben noch nicht gehört, was?
Wenn's dir nicht passt, dann geh doch einfach, ich zieh dich nicht mit."
Er drehte sich um trabte leise davon.
„Verdammt!", murmelte Tupfenjunges vor Frust.
Warum realisierte niemand von ihren Geschwistern unter welche Gefahr sie sich gerade setzten?
Wieso konnten die beiden nicht einfach in ihren weichen Nestern liegen und schlafen?!
Tief in ihrem Herzen fand sie den Gedanken nachts jagen zu gehen - dazu noch ins unbekannte und als Junge ziemlich klasse, doch sie ließ diesem Gedanken keinen Freiraum.
Doch nun in die Kinderstube zurückzukehren und zu wissen, dass ihre beiden Geschwister gerade irgendwo wilde Abenteuer erleben mochte sie auch nicht, also folgte sie der Duftspur ihres Bruders, die immer tiefer in den Wald hinein führte.
Nach ein paar weiteren Pfotenschritten merkte sie, dass die beiden ziemlich weit in den unbekannten Wald vorgedrungen waren, und es motivierte sie umso mehr, Kirschjunges und Teichjunges zu folgen.
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Eisglut
FanfictionDiese Geschichte ist eine Kooperation mit @DearestSeeking, wir haben die selben Charaktere benutzt aber jeder hat eine etwas andere Geschichte geschrieben also schaut unbedingt bei ihr vorbei;) In meiner Geschichte geht es hauptsächlich um Tupfenhau...
