Tristans Entscheidung

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Nervös kaut Laurin auf seiner Unterlippe. Mehr als ein "ähm" kommt aus ihm aber nicht heraus.

Tristan's Vater nickt ihm zu: "Ist schon gut, Junge. Ich weiß schon Bescheid, wie mein Sohn so tickt. Es tut mir leid, was er dir angetan hat!"

"Aber....", will Tristan protestieren, doch da schreitet wieder sein Vater ein: "Es reicht jetzt, Tristan! Du siehst doch, wie verlegen Laurin ist, weil du einfach deine schwulen Hände nicht bei dir lassen kannst!"

Laurin bleibt regungslos da stehen. Tristan wirft ihm noch einmal einen bösen Blick zu, dann dreht er sich um.  Sein Vater greift ihm am Arm und meint dann: "Komm mit, es gibt für dich noch viel zu tun im Haus. Es wird Zeit, dass du dich mal wieder nützlich machst." Mit gesenkten Blick geht Tristan mit.

Nun sitzt Tristan auf seinem Zimmer und grübelt. Zumindest hat sein Vater ihn nach einer gehörigen Standpauke in Ruhe gelassen. Sein Blick schweift in dem Zimmer umher. Es ist noch alles wie vorher. Selbst die Poster von Wincent Weiss und Shawn Mendes hängen noch an der Wand. Erstaunlich, dass sein Vater die nicht einfach heruntergerissen hat.

Tristan versucht seine Gedanken zu ordnen und redet sich die Situation schön: "Wenigstens schlägt er mich nicht und ich habe ein Dach über dem Kopf. Auch wenn seine Worte Scheiße weh tun. Bestimmt vermisst er Mama auch und lässt unser ungerechtes Schicksal an mir aus. Es wird schon irgendwie gehen. Mehr habe ich wohl auch nicht verdient." Trotzdem kommen ihm die Tränen.

Er ballt seine Faust und redet sich selbst gut zu: "Bleib stark, Tristan. Such dir einen Job und wenn du dann volljährig bist, kannst du hier weg, für immer. Und dann fällst du auf keinen mehr rein!" Den Mut, den er sich selbst zugesprochen hat, macht ihn stark!

Laurin schlurft durch die Nacht zurück. Sein schlechtes Gewissen, Tristan mal wieder nicht beigestanden zu haben, überkommt ihn. Aber er hatte einfach wieder Angst. Diesmal war es die Angst davor, dass Tristan's Vater ihm gegenüber ausrasten könnte, die ihn hat schweigen lassen. "Wenigstens muss er nicht auf der Straße schlafen. Die werden sich schon arrangieren", redet er sich ein.

Colin liegt in seinem Bett und findet einfach keinen Schlaf. Er macht sich immer wieder Vorwürfe, dass er seinen Crush verurteilt hat. Ohne zu hinterfragen, warum er ihm den Gedächtnisverlust verschwiegen hat. In Colin's Kopf hämmert es. Krampfhaft überlegt er, was Tristan ihm alles erzählt hat von seiner Vergangenheit. Er weiß nicht viel über seinen Vater, außer dass er ein Riesenarschloch zu sein scheint. "Würde Tristan wirklich zu dem zurückgehen?", überlegt Colin. "Naheliegend wäre es schon, wo dort doch noch Tristans gesamte Habseligkeiten sind."

Colin fasst sich an seine pochenden Schläfen. Er hatte ja den Personalausweis von seinem Crush gesehen. Er schließt seine Augen und versucht sich den Nachnamen wieder in Erinnerung zu rufen. Es war irgendetwas mit "T", da ist er sich sicher. Das ist ja auch nicht so selten, dass Vor- und Nachname mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Minutenlang überlegt er, doch der richtige Nachname scheint ihm nicht einfallen zu wollen.

Crash oder Crush?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt