"Baby, look what you've done to me
Baby, you got me tied down
Baby I'll never leave if you keep holding me this way "
„Chiara! Aufwachen! Oder wir tragen dich im Zelt eingerollt weg!", rüttelt es an meinen Schultern. Verschlafen blinzle ich in die afrikanische Morgensonne und blicke direkt in das breit grinsende Gesicht von Gule. „Wer bist du!?", rufe ich erschrocken und sein Grinsen verwandelt sich in einen geschockten Blick und es bildet sich ein Fragezeichen auf seiner Stirn. „Was...?", stottert er, aber ich unterbreche ihn mit einem lauten Lachen. Er schaut noch verwirrter und ich beschließe ihn zu erlösen. „Kleiner Scherz am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!", grinse ich ihn breit an. „Ich hasse dich!", schnaubt er, aber ich sehe wie sein Gesicht wieder aufhellt. „Und jetzt hoch mit dir!", befiehlt er und reicht mir seine Hand. „Aufstehen kann ich noch gerade so selbst, danke", bedanke ich mich und stehe extra schnell auf, wodurch mir etwas schwindelig wird. Gule schüttelt nur mit dem Kopf.
Ich mache mich frisch, so gut das hier eben geht und ziehe das Gewand an, das mir Rhonda rausgesucht hat. Wo bekommen die eigentlich ihre Kleidung her? Ich habe beschlossen hier, wie bei einem Fantasieroman, aufzuhören Logikfragen zu stellen, aber wer weiß was sich mir noch so offenbaren wird...
Ich schlurfe zum Eingang und als ich den Vorhang zur Seite schiebe und nach draußen blicke wären mir fast meine Augen ausgefallen. Das einzige was noch steht sind der Brunnen, den man tatsächlich schwer mitnehmen kann, und mein Zelt. Die Pferde sind vollgepackt mit Seitentaschen und die Rinder sind an Schnuren in einer Karawane aneinander gebunden. „Ja du hattest eine Extrawurst und konntest ausschlafen, weil du die Frau vom Häuptling bist!" Ich zucke zusammen als Gule plötzlich neben mir steht. „Ich bin nicht deine Frau", entgegne ich kalt. „Das kann man ja ändern", antwortet er und kniet sich vor mich. Ich ziehe ihn grob an der Lederhalskette wieder hoch. „Hör auf mit dem Blödsinn!" „Aua", jault er auf und fasst sich an den Hals. Ich schaue ihn streng an. „War eh ein Scherz...", murmelt er, aber ich kann seinen Blick nicht ganz deuten. Dann wird seine Miene wieder ernst und mit tiefer Stimme befiehlt er mir: „Hol mal dein Zeug aus dem Zelt und bring es da rüber zu Rhonda und Angelo, du kannst es in seinem Gepäck verstauen" „Plötzlich wieder so ernst?", grinse ich, aber er schaut mich nur genervt an und geht davon. „Blödmann", murmle ich und verschwinde im Zelt. Da ich nicht viel Zeug habe bin ich schnell wieder draußen und kann alles in meinen Armen zu Rhonda tragen, die Angelo gerade wie einem Packesel, zwei Seitentaschen überwirft.
Ich verstaue mein Zeug in den Seitentaschen und als ich fertig bin drückt sie mir die Zügel in die Hand. „Ähm?" Ich weiß doch gar nicht was ich machen soll. Ein junger Mann kommt auf mich zu. Er lächelt mich an. Ich blicke mich um. Von meinem Zelt ist schon nichts mehr zu sehen. Die meisten sitzen schon auf ihrem Pferd und die Rinder schnauben aufgeregt. Wo zur Hölle ist Gule!? Ich schaue den jungen Mann irritiert an. Plötzlich packt er mich an der Hüfte und hebt mich hoch. Ich erschrecke mich, wodurch er sich auch erschreckt und mich fallen lässt wie einen Mehlsack. Gule kommt angerannt und schubst den Mann weg während er ihn in seiner Sprache anscheinend beschimpft. Dieser läuft bedröppelt davon. „Was wollte er?", frage ich irritiert. „Er wollte dir aufs Pferd helfen, aber an deinen Hüften hat er nichts verloren", zischt er und ich zucke tatsächlich zusammen. Dann packt er mich an Bein und Po und schwingt mich auf Angelo. „Ach und du dafür an meinem Po?", frage ich belustigt. „Ja und zwar nur ich", antwortet er mit etwas Bedrohlichem in seiner Stimme. „Alles klar, Häuptling", entgegne ich sarkastisch. Er verdreht die Augen. „Jetzt zeig mal deine Reitkünste!", fordert er mich auf. Um den Druck anscheinend noch zu erhöhen fügt er hinzu: „Alle warten nur auf dich. Mein Pferd steht da vorne" Ich folge mit meinem Blick seinem Zeigefinger und merke plötzlich, dass mich gefühlt alle seiner Gefolgsleute anstarren und ihre Pferde nervös mit den Hufen scharben. Verzweifelt gebe ich an Angelo einen Klabs auf den Po. Er trabt langsam los, wird dann aber plötzlich immer schneller. „Chiara, die Zügel! Du musst..." Den Rest höre ich nicht mehr als Angelo plötzlich vor der Rinderkarawane zum Stehen kommt und ich im hohen Bogen auf einen Rinderrücken fliege. Ich kralle mich vor Schreck an den Hörnern fest und die ganze Karawane gerät in Unruhe. Ich hebe langsam meinen Kopf und jetzt starren mich wirklich alle an. Gule kommt angerannt. „Was hast du dir denn dabei gedacht!?", ruft er wütend und hebt mich vom Rücken des armen Tieres. „Was kann ich denn dafür?", fange ich an zu schluchzen. „Du reitest neben mir", antwortet er nur kühl und zieht mich an meinem Arm in Richtung seines Pferdes. Angelo folgt uns während uns alle anstarren als wären wir gerade mit einem Ufo gelandet.
Kaum wirft Gule einen bösen Blick in die Runde kehren sie beschämt ihre Gesichter von uns. „Hab ich dir was getan?", frage ich als ich neben ihm auf Angelo langsam lostrabe. „Nein", antwortet er immer noch so kühl, dass mir fast kalt wird in der afrikanischen Mittagshitze. „Kannst du dann wieder normal sein oder bist du jetzt wieder zu Gule geworden?", frage ich und halte kurz die Luft an. Beim Wort Gule bleibt er schlagartig stehen, was die gesamte Karawane zum Stehen bringt, weil wir voran reiten.
„Das reicht!", ruft er und alle inklusive mir zucken zusammen. „Such dir jemand anderen neben dem du reiten kannst!", keift er mich an. Angelo bleibt wie angewurzelt stehen und alle reiten an mir vorbei als gäbe es mich gar nicht.„Hi", flüstert jemand und ich erschrecke als er sich das Halfter von Angelo schnabbt und mich mitnimmt. Es ist ein junger Mann ungefähr in Gules Alter, der auf einem rötlich braunen Pferd reitet. Er hat schulterlange zottelige dunkelblonde Haare und funkelnd grüne Augen. Er ist etwas kleiner als Gule, zumindest so gut ich das auf dem Pferd beurteilen kann. Er ist relativ schmal gebaut, hat aber trotzdem ein paar Muskeln. Um den Hals trägt er Lederschmuck und um seinen Oberkörper spannen sich gekreuzt zwei Lederstrippen, die ein Schwert auf seinem Rücken halten. Seine Gesichtszüge sind weich und freundlich. Sein Kopf ist dafür ziemlich schmal und der Mund ist außergewöhnlich groß.
„Hallo ich bin Arthur", stellt er sich vor und mir fällt die Kinnlade runter. Er grinst. „Ja ich spreche Deutsch, bin aber neben Azrael der einzige hier, also halte es dir gut mit mir, falls es mit ihm mal nicht so gut läuft!", nimmt er mir meine verwirrte Frage vorweg. Ich kann immer noch nicht richtig sprechen und stottere: „Wie kommt es, dass du Deutsch kannst?" „Azrael hat mich hier hin mitgenommen aus Bay...", er verstummt plötzlich und hält sich erschrocken den Mund zu. „Was!? Woher!? Aus Bayern!?", frage ich aufgeregt nach. Ich wusste es doch, dass er deutsche Wurzeln hat. Niemand spricht einfach so so fehlerfrei Deutsch. „Wenn er erfährt, dass ich dir das erzähle, bin ich morgen kopflos", seine Stimme klingt zitterig. „Keine Sorge ich verrate dich nicht und die anderen können kein Deutsch. Außerdem reiten wir maximal weit entfernt von ihm", versuche ich ihn zu beruhigen. „Schwörst du?", flüstert er. „Ich schwöre!" „Gut", er atmet einmal tief durch, „er ist nach hier ausgewandert und hat dieses Völkchen brutalst gezwungen sich ihm zu unterwerfen. Dann hat er mich aus Deutschland einfliegen lassen, weil er jemanden brauchte, der hier den Laden schmeißt, während er auf der Farm ist. Ich meine die Bezahlung, die er geboten hat, war unschlagbar. Dann hat er mir immer erzählt er würde auf der Farm seine Frau kennenlernen und ich dachte immer er spinnt. Aber als du dort aufgetaucht bist, war er außer sich. Chiara, er ist besessen von dir! Seine ganze Welt hat sich nur um dich gedreht und er hat seit deinem Tag 1 dort deine Entführung geplant. Und es hat ihn verrückt gemacht, dass er so grausam zu dir sein musste, aber es hat ihn rasend gemacht, dass du nicht an ihm interessiert warst" Dann lehnt er sich zu mir rüber und flüstert: „Chiara, irgendwas stimmt nicht mit ihm. Er macht mir ehrlich gesagt Angst. Irgendwas an ihm ist unnatürlich. Du hast noch nie gesehen wie er jagen geht, oder?" Ich schüttle den Kopf. Ich bringe gerade kein Wort heraus. „Gut", antwortet er nur. „Und woher wusste er, dass ich dahin komme?", meine Stimme zittert, was Arthur bemerkt und mir daraufhin einen mitleidigen Blick zuwirft. „Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich sag ja irgendwas an ihm ist unmenschlich", er macht eine lange Pause und fügt dann hinzu: „Chiara, er würde alles für dich tun. Er würde sich für dich vor jede Kugel schmeißen. Aber ich glaub nicht, dass er dich je gehen lassen wird" Ich schlucke. Als hätte ich den letzten Satz nicht gehört frage ich ihn: „Und wie heißt er jetzt wirklich? Azrael oder Gule?" Arthur lacht los und hält sich danach direkt den Mund zu. Ich gucke ihn verständnislos an. „Glaub mir er hat viele Identitäten", antwortet er knapp. „Und woher hat er das ganze Geld?", frage ich gespannt nach und meine Stimme hat sich mittlerweile etwas beruhigt. Sein Gesicht wird plötzlich ganz ernst. „Das kann ich wirklich nicht sagen", er guckt mich ängstlich an.„HEY!" Wir zucken beide zusammen und die ganze Karawane bleibt wie erstarrt stehen. „Ich bin tot", flüstert Arthur neben mir und ich höre seine hektischen Atemzüge. Ich hätte ihn gerne beruhigt, aber Gule reitet durch seine Leute direkt auf uns zu, mit einem finsteren Blick der einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Als er direkt vor uns steht hat sich Arthurs Atem zum Glück etwas beruhigt.
„Hat er dir irgendwas erzählt?", fragt er mich mit todesernster Stimme. Ich spiele die Unschuldige und antworte: „Wie soll er mir denn bitte was erzählen? Die sprechen doch hier alle deine komische Sprache!" Er wirft Arthur einen eiskalten Blick zu und wendet sich dann wieder mir zu: „Du reitest jetzt wieder neben mir" Er greift sich Angelos Halfter und reißt ihn mit sich. Ich traue mich nicht mich nochmal zu Arthur umzudrehen und hoffe, dass er sich beruhigt. Anscheinend scheint Gule mir zu glauben und will nicht verraten, dass Arthur Deutsch kann.
Bis wir uns am Abend endlich an einer fruchtbaren Stelle niederlassen reite ich wortlos neben Gule her. Ich frage mich echt, was er plötzlich hat...

DU LIEST GERADE
Never Stop Fighting Like A Lioness
RomanceTrotz oder gerade wegen meiner Depressionen entscheide ich mich ein Jahr aus meinem Berufsleben auszusteigen und auf einer Farm mit National Park in Südafrika zu arbeiten. Ohne jegliche soziale Kontakte aus meinem gewohnten Umfeld und ohne Smartphon...