Kapitel 4
Das kalte Keramik kühlte meine viel zu warmen Hände auf eine angenehme Art und Weise, als ich sie auf dem Rand des Waschbeckens ablegte. Langsam hob ich meinen Kopf, um mal wieder meinem komplett verängstigten Gesichtsausdruck zu begegnen.
Meine Pupillen waren geweitet, meine Haut blass und in einem krassen Kontrast zu meinen rosigen, leicht geöffneten Lippen. Meine Haare standen mir wortwörtlich zu Berge, weil ich sie bis eben nur zu einem halbherzigen Zopf gebunden und das Herumwühlen in meinen Kissen das Restliche getan hatte.
Ich gehe zur Party. Falls du doch noch herkommst, dann schreib mir.
Seit dem ich die Nachricht um halb zehn von Phoebe erhalten hatte, konnte ich einfach keinen Schlaf finden. Es war unmöglich - denn ich konnte immer wieder nur an das denken, was mir Lorenz gestern gesagt hatte.
"Sehr interessant, dass du anscheinend so abgeneigt von Josh bist - aber du weißt schon, dass sich dein Gehabe herumspricht? Bald kannst du denen allen nicht mehr aus dem Weg gehen, es werden immer mehr werden, die sich auf dich einschießen."
Mittlerweile war es schon um elf Uhr und meine Gedanken spielte Karussell, während mein restlicher Verstand die ganze Zeit schon versuchte irgendwie den Überblick zu behalten.
Allerdings schossen sich diese ganze Überlegungen eh mehr oder weniger immer auf das Gleiche aus. Auf eine große Frage, die ich mir bis jetzt noch nicht beantworten konnte.
Sollte ich wirklich hingehen?
Warum musste Phoebes Erkältung auch unbedingt jetzt abklingen, so dass sie dort hingehen konnte? Wieso musste sie mir das auch sagen?
Ich wollte das doch gar nicht wissen.
Bisher konnte ich mich gut von meiner Unterhaltung mit Lorenz ablenken. Ich hatte vormittags meiner Mutter beim Saubermachen geholfen, hatte mit ihr zusammen Mittag gekocht, am Nachmittag hatte ich mit meinem Vater den Garten etwas auf Vordermann gebracht, Abendbrot gegesssen und danach hatte ich mich glücklicherweise in meinen Skizzen verloren.
Leider musste dann genau mein Handy einmal aufklingeln, als ich mein Zeug zur Seite geschoben hatte und mein Kopf gerade das Kissen berührte.
So neugierig wie ich nunmal war, musste ich natürlich unbedingt nachschauen, wer mir um diese Zeit noch schrieb - und genau das hätte ich nunmal nicht tun sollen.
Ich stieß mich vom Waschbecken ab, um mich dann seufzend auf den Toilettendeckel fallen zu lassen und mein verknittertes Gesicht verzweifelt in meinen Händen zu vergraben.
Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, wenn ich wirklich hingehen würde. Es könnte einfach so viel passieren und niemand könnte mir dann in meinen Angst- und Panikzuständen helfen, weil einfach niemand davon wusste.
Nichtmal ich wusste, wie ich mich aus manchen Situationen heraushalten sollte, dass es erst gar nicht zu solchen Zuständne meinerseits kam.
Wenn Phoebe mitbekam, dass ich dort war, dann würde sie mit mir tanzen wollen. Im dichten Gedränge. Oder mit mir in der Küche Trinkspiele spielen. Oder im Wohnzimmer auf irgendeiner Couch herumgammeln, um das Geschehen zu kommentieren.
Jedes Mal wären wir umgeben von Jungs, die sich da eben nunmal auch unweigerlich aufhielten.
Jedes Mal wäre ich bis in die letzte Körperzelle angespannt und könnte gar nicht ich selbst sein - und das würde Phoebe sofort auffallen.
Dafür kannte sie mich viel zu gut.
Meine Handflächen wurden erneut viel zu schwitzig und ich krempelte mir die Ärmel ein Stück höher, da sich die Hitze wieder in mir auszubreiten schien.
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Closer
Novela JuvenilLorenz Charles - bisher hat Sofia ihren arroganten und ziemlich undurchschaubaren Mitschüler kaum wahrgenommen. Doch plötzlich steht er mit beiden Beinen ungewollt in ihrem Leben und alles nur, weil er ihr streng behütetes Geheimnis herausfindet. Di...
