kapitel zwei: pläne

13 2 0
                                    

Lautes Murmeln erfüllte den Saal. Diese Mal machten sich die Lehrer erst gar nicht die Mühe, für Ruhe bei den Oberschülern zu sorgen. Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, den Rest der ebenfalls laut tuschelnden Schüler in ihre Klassenräume zu bringen.

Als Schüler der Oberklasse hatten Chloe und ihre Kameraden nur eine Stunde pro Fach in der Woche, der Rest war der Planung ihres Projekts vorbehalten. Und da heute zusätzlich noch der erste Schultag war, waren die nächsten Stunden bis zur Mittagspause der Besprechungsphase vorbehalten.

Schnell sammelten sich die Schüler, insgesamt etwa ein Dutzend, in einem leeren Klassenzimmer, wobei Chloe den Platz zwischen einer immer noch geschockten Elli und einer ungewöhnlich stillen Nele einnahm. Cynthia, die letztes Jahr Schülersprecherin gewesen war, ergriff die Rolle der Moderatorin und bat um Ruhe.

„Leute, ich weiß dass unser Thema wirklich bescheuert ist. Ich mein, erstens, bei was sollen wir die Blinden denn bitte beobachten? Beim Arbeiten?", fing sie an und stieß auf vereinzeltes Gelächter.

Chloe, Elli und Nele blieben still.

„Aber, das ist schließlich unser Abschlussprojekt, wir müssen irgendwas draus machen! Überlegen wir doch erstmal, was unsere Möglichkeiten sind. Welche Technik können wir nutzen?", fragte sie energisch in die Runde.

„Kameras. Die sind doch überall in deren Wohnungen, wenn man so nennen kann.", schlug Yannis, ein schwarzhaariger Junge, den mal wohl rein oberflächlich als  "bad boy" bezeichnen könnte, vor und lehnte sich zurück, wobei seine silbernen Halsketten leicht klimperten.

„Gute Idee!", rief Cynthia begeistert und projizierte „KAMERAS" auf die Tafel, „noch mehr Vorschläge?"

Amalia meldete sich zu Wort: „Wir könnten zum Beispiel auch auf Gefühlstechnik zurückgreifen?"

Sie erntete vereinzelt zustimmendes Gemurmel, aber auch einige verwirrte Blicke, da nicht alle Schüler das Fach „erweiterte Überwachungstechnologie" belegten, sodass Nele erklärend hinzufügte: „Das ist eine Technologie, in der auf Überwachungskameras die dort zu sehenden Personen so gekennzeichnet sind, wie sie sich fühlen. Also zum Beispiel rot für wütend, blau für traurig und so weiter. Ich kann gerne mal den offiziellen Farbkatalog für uns beantragen, es gibt nämlich auch Mischformen. Die Lichter  haben das entworfen, um Straftäter besser nachvollziehen zu können."

Die sogenannten Lichter setzten die Regierung zusammen,  die größte Macht im Land. Sie organisierten die Arbeits und Wohnsektoren und führten die Zeremonien des Stufenwechsels und der Erleuchtung durch.

Cynthia schrieb zufrieden „GEFÜHLSTECHNIK" auf die Tafel.

„Ich hätte noch eine Idee", fing Selena an und bekam etwas Farbe in ihrem sonst blassen Gesicht, als sich alle Schüler nach ihr umdrehten. Sie strich sich die dunklen, fast schwarzen Haare aus dem Gesicht und fuhr fort, „Okay, sagt es nicht weiter, aber ich habe neulich zwei Arktoren über eine neue Entwicklung reden hören. Anscheinend soll es möglich sein, über Elektroden die Gedanken des Gehirns aufzufangen und in Text umzuwandeln. Das heißt, wir könnten die Blinden so am besten beobachten."

Cynthia kniff kurz die Augen zusammen, als sie darüber nachgrübelte. „Du hast Recht, Selena. Wenn in diesen Köpfen überhaupt irgendetwas Logisches vorgeht, hätten wir so die besten Anhaltspunkte für unsere Beobachtung.

Chloe räusperte sich und fragte: „Wieso tun wir das überhaupt? Ich meine, Kameras, Gedanken und Gefühle schön und gut, aber was bringt uns das? Wir sollen ja ein Endprodukt vorlegen, was tun wir mit all unseren Beobachtungen?"

Yannis sah sie anerkennend an und ergänzte: „Du hast Recht. Irgendwelche Ideen, was wir mit nutzlosen Alltagsgedanken anfangen sollen?"

Die Klasse blieb stumm und überlegte, doch keinem wollte so Recht etwas einfallen. Sie fragten sich alle insgeheim, wieso Mr. Barnaby ihnen dieses, aus ihrer Sicht recht langweilige, Thema wohl zugeteilt hatte. Was war seine Mission? Was wollte er damit erreichen?

the watcherWo Geschichten leben. Entdecke jetzt