In dem kleinen Apartment herrschte Stille.
In völliger Dunkelheit saß er in seinem Sessel, einen Becher kalten Kaffee in der einen Hand, die Zigarette in der anderen.
Leer schaute er aus dem Fenster.
Wie lange er schon so saß und der Stille lauschte, konnte er nicht sagen. Doch wollte er es auch nicht.
Beinahe schon zwanghaft versuchte er, zu genießen.
Die Stille zu genießen, die ihn ganz einnahm, beinahe in den Ohren dröhnte.
Die Zigarette, welche die letzte in der Schachtel gewesen war.
Den kalten Kaffee, den er sich am Morgen gemacht hatte und sich damit in den Sessel gesetzt hatte, den er seitdem nicht mehr verlassen hatte.
Die Dunkelheit, die er versuchte als Schutz und Geborgenheit wahrzunehmen, doch stattdessen als beklemmend empfand.
Sein Herz pochte ungewöhnlich schnell. Ob es am Kaffee oder der unterdrückten Verzweiflung lag, vermochte er nicht zu sagen.
Langsam hob er die Hand und nahm einen Schluck aus seinem Becher. Ließ den Kaffee in seinem Mund umherwandern, nur um immer wieder die Bitterkeit auf seiner Zunge zu schmecken. Schließlich schluckte er.
Das ganze hatte stattgefunden, ohne dass er seinen Blick vom Fenster abgewandt hatte.
Wieder verging eine kleine Ewigkeit.
Schließlich nahm er einen Zug von seiner Zigarette. Den letzten, wie er feststellen musste.
Mit langsamen, ja beinahe zaghaften Bewegungen drückte er den Zigarettenstummel in dem kleinen Aschenbecher aus, der vor Asche beinahe überquoll.
Etwas verloren sah er wieder aus dem Fenster.
Plötzlich wurde ihm die Stille zu laut, die Dunkelheit zu drückend, der Kaffee zu kalt, das Fenster zu klein.
Ruckartig sprang er auf. Mit großen Schritten flüchtete er aus dem Apartment, wobei seine Beine unangenehm zu kribbeln begannen.
Als die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel, blieb er stehen und atmete tief durch.
Die unerträgliche Stille war dem Motorengeräusch vorbeifahrender Autos gewichen. Eine frische Brise strich um seine Wangen.
Doch auf einmal kam er sich klein vor, wie er so im schwachen Schein einer Straßenlaterne stand, die hoch über ihm in den Himmel ragte.
Er schloss die Augen und atmete erneut tief durch, dann lief er los. Verfolgte das Spiel seines Schattens, wenn er an einer Straßenlaterne vorbeiging.
An seinem Ziel angelangt, blieb er stehen.
Vor ihm stand ein kleiner Zeitungskiosk, der nebenbei auch Zigaretten und Getränke verkaufte.
Zaghaft wie ein kleiner Schuljunge trat er näher und verlangte nach seiner liebsten Zigarettenmarke.
Dabei wirkte sein Gesicht seltsam verzerrt.
Als der Verkäufer sich umdrehte, um die Zigarettenschachtel aus dem Regal zu nehmen, versuchte er seine Mundwinkel zu verziehen. Doch es kam ihm so vor, als wäre seine Haut zu Stein erstarrt sein.
Nachdem er bezahlt hatte, machte er kehrt und ging denselben Weg zurück, den er gekommen war. Lauschte seinen eigenen Schritten, die ihm seltsam laut in den Ohren widerhallten.
Schließlich war er wieder vor seiner Haustür angekommen.
Er griff in seine Hosentasche, um den Schlüssel hervorzuziehen. Doch die Tasche war leer.
Da fiel ihm ein, dass der Schlüssel oben in seinem Apartment auf dem Küchentisch lag.
Langsam ließ er sich am Türrahmen hinabgleiten, bis er schließlich auf den kalten Eingangsstufen saß.
Plötzlich schlich sich ein Lachen seine Kehle hoch.
Seine Versuche es aufzuhalten scheiterten alle, so saß er schließlich mitten in der Nacht auf den kalten Eingangsstufen vor seiner Haustür und lachte.
Er lachte so laut und schallend, dass er sich den Bauch hielt.
Die Tränen, die sich dabei ihre Wege über seine Wangen bahnten, bemerkte er nicht.
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Short StoryAlles hat seine eigene Geschichte. Manchmal sieht man sie auf den ersten Blick, doch meist bleibt sie verborgen.
