Verbrennung der Ketzer - Kapitel 33

33 7 41
                                        

García ließ das große Tor endgültig freiräumen und die dreihundert überlebenden Gefangenen hinausführen. Pater Diego ging gemeinsam mit dem Dolmetscher Tashkin durch ihre Reihen und suchte nach den kleinen Holzkreuzen, die er ihnen nach der Taufe geschenkt hatte, aber er konnte kein einziges Kreuz entdecken. Genau das hatte er befürchtet und als Tashkin die Männer befragte, gaben sie ihm zur Antwort, dass sie im Kampf ihren alten Göttern vertraut hätten.

Jetzt wollten sie gern den neuen Gott der Spanier anbeten, weil sie gesehen hatten, dass er stärker war. Sie waren erschöpft und erwarteten nach ihrem tapferen Kampf ehrenhafte Verhandlungen. Sie baten Tashkin und Pater Diego für sie zu sprechen und waren froh, als die beiden sich zu García begaben. Der wollte sich eigentlich nicht mit dem Pater abgeben. Er wollte nicht mit den Tiguas verhandeln und ihnen auch nicht vergeben. Er wollte ein Exempel statuieren und allen anderen Indianern zeigen, was sie erwartete, wenn sie sich gegen die spanischen Herren auflehnten.

Deshalb war er freudig überrascht, als er Pater Diegos Urteil hörte.

„Es sind Ketzer! Ich habe sie getauft, sie haben sich aber von Gott abgewandt und deshalb sollen sie brennen! Alle!"

García beugte sich leicht vom Pferd herunter und lächelte den Pater finster an. Dann richtete er sich auf, straffte sich und richtete den Blick auf seine Männer.

„Treibt sie dort rüber zum Wald!"

Am Waldrand sahen die Vaqueros aus der Ferne, wie die Gefangenen aus der Stadt kamen und genau auf sie zu geführt wurden. Waren es am Anfang nur kleine Punkte in der Landschaft, wurden sie nach einiger Zeit schnell größer und ließen sich unterscheiden. In langer Reihe marschierten sie über die abgeernteten Maisfelder, bewacht von den Spaniern und den johlenden aztekischen Hilfstruppen. Chico hatte sich zu den Vaqueros gesellt und betrachtete neugierig die Ankunft der Gefangenen.

Kurz bevor sie den Wald erreichten, ließ García halten. Ratlos schauten sich die Indianer um und hatten keine Ahnung, was sie hier, mitten auf dem Feld sollten. Sie warteten immer noch auf die Friedensverhandlungen und wunderten sich, weil niemand mit ihnen sprechen wollte. Sie schauten zu, wie die Azteken lachend in den Wald gingen und beladen mit Brennholz und ganzen Baumstämmen zurückkehrten.

Erst als sie auf dem Feld in einem großen Kreis viele Löcher in die Erde gruben und die Baumstämme darin aufstellten, dämmerte einigen, was hier geschehen sollte. Als sie sahen, wie Brennholz um die Pfähle geschichtet wurde, war es für jeden ersichtlich. Es würde keine Friedensverhandlungen geben. Die Spanier wollten sie alle bei lebendigem Leibe verbrennen!

Ein junger Krieger rief den Männern zu, dass sie lieber ohne Waffen bis zum Tode kämpfen sollten, als sich hier einfach abschlachten zu lassen. Mit einem gewaltigen Kriegsgeheul griffen die dreihundert Tiguas plötzlich ihre Bewacher an. Einigen gelang es tatsächlich eine Waffe zu erbeuten und wer keine Waffe hatte, nahm sich einen Knüppel von dem Brennholz und schlug auf die Feinde ein. Auf der Seite zum Waldrand durchbrachen einige Tiguas den Ring ihrer Bewacher und rannten um ihr Leben.

Alberto war ihnen mit der Reiterei auf den Fersen und mit Lanze und Degen mähten sie die Flüchtlinge nieder. Unterstützt wurden sie von einigen Vaqueros mit ihren Lassos, die aus dem Wald gesprengt kamen und den Tiguas den Weg abschnitten. Sie hatten nicht vergessen, dass es diese Krieger waren, die ihre Freunde getötet und die Pferde entführt hatten. Dank ihrer Hilfe gelang es nicht mehr als einer Handvoll in den Wald zu entkommen. Der Rest wurde niedergeschlagen oder erneut eingefangen und in den Kreis zurückgebracht.

Etwa zweihundert Tiguas waren nach dieser brutalen Schlacht noch am Leben. Fast alle waren jetzt sehr schwer verwundet und konnten an einen weiteren Kampf noch nicht einmal denken. Felipe und Chico hatten sich an der Jagd nicht beteiligt. Sie saßen auf ihren Pferden und konnten nicht glauben, was sie dort sahen. Die Azteken johlten und schrien, als sie den Tiguas die Hände auf den Rücken fesselten. Für sie war es ein Fest, denn endlich standen sie wieder einmal auf der Seite der Sieger.

Wie der Große Geist den Indianern das Pferd schenkteWo Geschichten leben. Entdecke jetzt