9. Der Schlüssel zum Buch

166 18 3
                                        

"Und das ist jetzt aber auch nicht weiter wichtig", versuchte ich das alles abzukürzen. Jedes mal kommen mir die Tränen, sobald ich an meine Mutter denke, und das ist verdammt nervig. Und wieso benutz ich überhaupt das Wort 'verdammt' so oft?!

"Und?",reißte mich Daniel aus meinen Gedanken.

"Auf diesem Buch ist ein Stein. Sobald man ihn berührt, einsteht...eine Art Farbspiel. Und es ähnelt dem Element, das man besitzt.",erklärte ich und ließ meine Hand kurz über den Stein laufen. Als ich wieder zu den anderen erblickte, standen alle mit offenem Mund da. Ganz schön lustiger Anblick, wenn ihr mich fragt.

"Und?",fragte Daniel nochmal. Also jetzt ganz im ernst.

"Gott, Daniel. Das ist der Schlüssel! Man kann dieses verdammte Buch durch diesen Stein öffnen.",sagte ich in der Hoffnung, damit er es verstand.

"Und wie soll man das jetzt genau öffnen?!"

"Indem wir es alle berühen", erklärte Every, ohne eine Miene zu verziehen.

"War doch nur Spaß, wieso so ernst?". Jetzt grinste er, als hätte er es von Anfang an verstanden.
Dieser Idiot.

"Also. Versuchen Wirs?", fragte ich.
Nach einer, für mich, zittrigen Zeit, nickten alle und aus irgendeinem Grund fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich hoffe so sehr, dass es klappt. Das ist meine einzige Idee.

Ich war die erste, die meine Hand drauflegte. Kleine silberne Stürme und Winde entstanden im Glasstein. Einige größer, die anderen kleiner.
Als Lukas der nächste war, der die Hand drauflegte, lief mir ein Schauer über den Rücken. Nicht nur, weil grüne, blumenförmige Farbspiele sich zwischen meine Stürme drängten und das Bild noch viel interessanter aussehen ließ, sondern weil er mein Herz immer schneller schlagen ließ. Er berührte meine Hand, und sie war so wohlig warm, dass es mir irgendwie schaffte, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern.
Everys ebenfalls warme Hand tauchte neben meiner auf und es entstanden rote, orangene und gelbe Feuerzungen, die den Stein umrandeten. So intensiv und grell waren diese Farben. Beinahe schon vergleichbar mit der Helle der Sonne.
"Und bitte nicht wegnehmen, ja?",bittete ich flüsternd die anderen, während Daniel langsam seine Hand auf den Stein zubewegte. Einmal zuckte er, dann legte er sie doch drauf. Plötzlich wurde es vom Buch aus windig und das Licht ging aus. Hell- und dunkelblaue wellige Linien bewegten sich überall, wo noch platz war. Der Wind beruighte sich ein wenig für einen Moment.

Jeder wollte wieder aufatmen und die Hand wegnehmen, doch plötzlich wurde es wieder windig. Ich blickte zu den anderen auf und die fraglichen Blicke der anderen bohrten sich in mich hinein.

"Wow. Wowowowowow. Was ist das?! Was schlängelt sich auf meine Hand?! Lucy??"Erschrocken bebte Everys Stimme. Ich wollte anfangen, ihr das irgendwie zu erklären, aber ich konnte es selber nicht verstehen.
Die verschiedenen Farben der einzelnen Elemente schlängelten sich auf den Arm jedes einzelnen. Bei mir waren es meine silbernen kleinen Stürme, die sich langsam auf meinen Arm verbreiteten. Was zum Teufel ist das?! Eine Kennzeichnung? Ein Scherz? Eine magische Ader, oder so ein Quatsch!? Der Schlüssel? ...Der Schlüssel?!

"Das ist der Prozess des Schlüssels...oder so. Es kann doch nicht sein, dass das nur passiert, weil wir es alle zusammen berühren. Es muss sich danach öffnen!",erklärte ich halblaut.

Jetzt hörte der Wind auf, und ich verstehe immernoch nicht, wie es plötzlich in einem Raum sturmig werden kann. Dunkel ist es trotzdem.

"Ist es jetzt offen?",fragte mich Lukas, während er seine Hand musterte.

"Jetzt ehrlich. Das sieht schon ein bischen schwul aus, dass mit der Art Blumen auf meinem Arm.",ergänzte er sich.

"Ach komm. Die Blümchen sind nur am Oberarm, weiter unten, sieht man nur grün, also hack dich nicht so.", sagte Every , während sie genauso ihren Arm betrachtete. Eigentlich tat das jeder hier. Daniel war aber der erste, der sich abwand:

"Also, öffnet sich jetzt das Buch, oder nicht?"

Ich griff das Buch am Anfang und...es öffnete sich. Einfach so. Ich habe so lange auf diesem Moment gewartet. Ich habe warscheinlich schon alles versucht, sogar aufsägen habe ich versucht, und jetzt, ganz einfach.

"Es is offen", flüsterte ich vor mich hin. Schokiert und glücklich zugleich gab ich ein leises Lachen von mir.
Jetzt kann ich alles lesen, was da steht. Das Geheimnis lüften, bei dem ich jetzt erfahren werde, worum es überhaupt geht.

Ich blätterte weiter, und erst dann erkannte ich, dass es sich hierbei um ein Tagebuch handelt. Und das ist ein so richtiges Tagebuch. Heutzutage kann man alle Tagebücher, die man kaufen kann, einfach so öffnen. Ein bischen rumfuchteln mit einer Klammer, und schon ist es offen. Hierbei dauerte es eine Ewigkeit.

"Und?",fragte mich Lukas, wobei ich dachte, dass es wieder Daniel war.

"Es ist ein Tagebuch und hier steht...",Ich wollte mein Satz weiterführen aber...

"Ist hier alles okay? Der Stromausfall wird wohl andauern. Aber wir schalten jetzt gleich die Klinikreserven an. Ouh. Und die Besucherzeit ist vorbei. Ihr müsst leider gehen",erklärte uns diesmal eine nicht sehr freundliche Stimme. Die stämmige, grimmige Frau machte mit ihren Händen eine Geste, die ausdrückt, dass jetzt alle gehen sollten.

Ich versteckte schnell das Buch unter mein Kissen, während die anderen ihren Arm entweder hinter den Rücken versteckten, oder sie verschränkten ihre Arme vor ihre Brust.

Mit einem gefaketen Lächeln im Gesicht verließen sie das Zimmer, was ich ziemlich schade fand. Gerade wo alles begonnen hat.

Elementary- The diary of the fifth *komplettüberarbeitung*Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt