Kapitel 5

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Ella und Milan waren inzwischen wieder voll drin in der ersten Schulwoche nach der Klassenfahrt. Es war Mittwoch und an diesem Nachmittag nach der Schule war etwas anders... In einer Nebenstraße hielt Milan plötzlich an und sah sich um. Er war allein und zu allem Ärger zu Fuß unterwegs. Ihn beschlich das Gefühl, verfolgt zu werden. So wie letzte Woche in Dänemark..."Hallo?", fragte er misstrauisch in die Gegend. Dann sah er einen Schatten an einer Mauer vorbeihuschen. Milan wich zurück und stolperte plötzlich in jemanden hinein.Ein Mann,komplett in Schwarz gekleidet blickte auf ihn herab. Keine Frage - ein Spion"Was willst du!?" Milan bemerkte einen zweiten Schatten, der sich ihm näherte. Plötzlich spürte er einen Schlag gegen die Rippen und er kippte nach hinten. Der eine rief dem Anderen etwas zu, was Milan allerdings nicht verstehen konnte.Milan stand hastig wieder auf und versetzte dem Spion hinter ihm ein Faustschlag ins Gesicht, bevor er losrannte. Die beiden nahmen die Verfolgung auf. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Das Rennen fiel Milan nach 20 Minuten schwerer da ihm der eine Mann wahrscheinlich eine Rippe gebrochen hatte.


Im Rennen fummelte er sein Handy heraus. Ella! Er musste Ella Bescheid geben. Vielleicht wurde sie auch verfolgt. Aber sie ging nicht ran. Was hatte das zu bedeuten? Irgendwann hatte Milan es geschafft seine Verfolger abzuhängen. Und da rief Ella an. "Ella, da waren...", japste er atemlos, "Spione. Du musst aufpassen. Die sind uns gefolgt...aus Dänemark." "Bist du okay?", wollte Ella besorgt wissen."Jaja, alles gut mach dir keine Sorgen.", log Milan. Ella musste sich um ihn ja nicht unnötig, na gut, so ganz unnötig war es jetzt nicht aber trotzdem, Sorgen machen. "Wenn du das sagst...", meinte Ella, schien ihm das Ganze aber nicht zu glauben. Sie ging trotzdem nicht weiter drauf ein und verabschiedete sich dann von Milan, um Henry und Lynn zu kontaktieren.Milan legte auf und schnaufte. Keiner war hinter ihm. Gut. Er hatte Ella darum gebeten, mit ihm zur Polizei zu gehen und das eben passierte zu melden, damit das nicht so leicht wieder passieren konnte. Ella hatte ihm sofort zugestimmt. Das würden die beiden morgen erledigen. Milan kam erst jetzt zuhause an und stieg die Treppe zu seinem Zimmer herauf. Sein Vater war noch nicht da, dafür diese eingebildete Leyla. Sie schenkte ihrem Halbbruder nicht mal Aufmerksamkeit, als er ihr wie gewohnt Hallo sagte. Sie hatte gerade eine Zeit, wo sie sich weigerte mit Jungs zu reden. Aber das war nichts Neues mehr. Dafür wollte Jasper ihn umarmen, machte leider den Rippenbruch nur noch schlimmer. Irgendwie schaffte Milan es später, seinem Vater zu erzählen, dass er hingefallen sei. Unter keinen Umständen durfte er ein Wort über Wandler verlieren. Im Laufe des Tages fragte er Ella, ob es schon eine Antwort von Henry oder Lynn gab. Erst nachdem Milan ihr dreimal versichert hatte, dass es ihm gut ging, bzw. er lebte, antwortete sie auf seine Frage. Sie hatte nur Lynn erreicht und diese gebeten, Henry zu kontaktieren.


Nachdem Gespräch am Strand hatte Henry Ella und Milan nur noch zufällig getroffen und am Freitag waren die beiden schon wieder abgereist. Henry hatte sich am Donnerstag Nachmittag noch mit seinem Bruder getoffen, der ihm erzählt hatte, das er und seine Mutter inzwischen in Stockholm lebten. Allerdings war auch Flynn am Freitag schon wieder abgereist, da seine Mutter nur ein paar Tage aus geschäftlichen Gründen hier war. Die letzten Tage hatte Henry also vollkommen alleine am Strand verbracht. Manchmal mit seiner Gitarre, manchmal mit seinem Zeichenblock. Sonst war er immer allein gewesen und es hatte ihn auch nie gestört. Sie waren andauernd umgezogen und meistens hatten sie sowieso irgendwo im Nichts gelebt. Doch die Freundschaft zwischen Milan und Ella hatte ihn irgendwie fasziniert. Die beiden schienen sich blind zu vertrauen und das beeindruckte ihn. Plötzlich fuchtelte jemand mit der Hand vor seinen Augen herum. Kurz zuckte er zusammen, doch dann erkannte er, dass Lynn vor ihm stand.Henry hatte sich tatsächlich getraut, sie zu fragen, ob sie auch eine Wandlerin war und seit dem verstanden sie sich ganz gut. Sie waren zwar jetzt nicht die besten Freunde aber sie verstanden sich halt ganz gut. "Was ist denn?", fragte er. "Wir müssen nach Kiel sofort! Und ich muss noch meine Tasche packen!" Henry schaute das aufgeregt wirkende Mädchen das vor ihm stand nur verwirrt an. "Äh, was?", fragte er und machte einen herzlich wenig intelligenten Gesichtsausdruck. "Milan wurde von einem Spion angegriffen! Was wenn mir auch was passiert? Jedenfalls hat Ella gefragt, ob wir nach Kiel kommen könnten. So schnell wie möglich.", erklärte Lynn jetzt. "Jävlar!", fluchte Henry. Das durfte doch nicht war sein. "Okay, klär du mit deiner Familie das wir den nächsten Zug nach Flensburg nehmen und geh deine Tasche packen. Wir treffen uns in zwei Stunden am Bahnhof.", befahl Henry dann. Lynn nickte nur perplex und lief dann nach Hause. Anscheinend hatte sie gemerkt, dass es ernst war. Auf dem Weg nach Hause fluchte Henry vor sich hin. Sein Vater war wieder nicht zuhause, weswegen er einfach einen Zettel auf den Küchentisch legte. Dann plünderte er den Rest seines Taschengeldes und hoffte einfach, das das für die Zugfahrt reichen würde. Nachdem er hektisch ein paar Klamotten in seinen Rucksack geworfen hatte schnappte er sich seinen Gitarrenkoffer und verließ das Haus. Auf dem Weg zum Bahnhof checkte er mit seinem Handy die Zuverbindungen. Der nächste Zug nach Flensburg ging in einer halben Stunde. Sie mussten sich also beeilen. Lynn ließ mal wieder auf sich warten. Na toll. Gestresst schaute Henry auf seine Uhr. Na toll, noch eine Viertelstunde. Nachdem Lynn fünf Minuten vor Abfart immernoch nicht aufgetaucht war, begann er sich langsam Sorgen zu machen. Er wollte sie gerade anrufen, da sah er, wie sie lässig und ihren Koffer hinter sich her ziehend den Bahnsteig entlang schlenderte. "Helvete! Da bist du ja endlich!", sagte er und drückte Lynn ein Ticket in die Hand, welches er eben noch schnell gelöst hatte. "Pah, du hast mir überhaupt gar nichts zu sagen!", zickte Lynn, was Henry die Augen rollen ließ . Zum Glück weigerte Lynn sich nicht einzusteigen, obwohl sie anscheinend ziemlich beleidigt war. "Du hast übrigens Glück, dass meine Eltern mich gehen lassen haben. Ich musste ihnen versprechen das ich nichts Dummes tue und wir haben Glück, das sie Emelie nicht mitgeschickt haben!", sagte sie schließlich. Henry grinste nur. Das war typisch. Inzwischen waren Milan und Ella auf dem Weg zur Wache. Milan musste sowieso etwas erledigen und es passte eigentlich ganz gut. (Er machte dort ein Praktikum was erklärte, dass er dort einfach rein durfte, wie jeder andere Polizist.) Etwas klein fühlte sich Ella wahrscheinlich, denn sie befanden sich in dem Empfandsflur der Wache. Der Beamte lächelte Milan freundlich an. "Hey Justus, was geht?" "Der halbtote Gott. Hey Ragnarök. Alles bestens. Und wer bist du?", fragte der Polizist und musterte Ella. Milan rollte wegen dieser dummen Bemerkung von dem Halbtoten nur mit den Augen."Sie ist meine Begleitung...wir hatten einen Vorfall letzte Woche, den wir gerne melden wollen.""Was Ernstes?""Ne weißt du? Ich hab mir deshalb nur ne Rippe gebrochen, sonst ist alles Paletti. Ernsthaft!""Okay, okay. Könnte noch etwas dauern...Reiner hat ne Menge zu tun. Wollt ihr hier warten?", meinte Justus in Hinblick auf den Computer. Milan wechselte einen Blick mit Ella, bevor er antwortete."Wir warten.""Alles klar.""Gehen wir was Essen? Ich habe einen Mordshunger." Ella konnte dem nur zustimmen.Eine große Halle war als Kantine für die Polizeibeamten gedacht. Es war einiges los, da gerade alle Mittagspause machten. Einige grüßten Milan freudig. Trotzdem setzte er sich bewusst nicht neben seine Freunde. Ella verwirrte das etwas, weil sie ihn alle anscheinend recht gerne mochten, aber gut. Die beiden fingen an, über ihre Situation zu reden und sich einen klaren Blick zu verschaffen. Milan vernahm vom Nebentisch die Worte "Ragnarök" und "traurige Geschichte" Ella hörte es ebenfalls und hielt im Satz inne. Milans Miene verfinsterte sich, er stand plötzlich auf und ging zu denen, die das gesagt hatten. Ella blieb verdattert sitzen. Sie hörte nicht, was gesagt wurde."Hey. Könnt ihr davon bitte mal aufhören, das ist doch jetzt nicht mehr...", fing Milan an es seinen Kollegen zu erklären."Was meinst du? Die Sache zwischen dir und deinem Bruder meinst du? Leute, mal ehrlich. Das ist einfach nur bitter. Darf man nicht drüber reden oder was?", schleuderte ihm Ben entgegen."Weil der Keks auch mal gegessen ist und sie das jetzt ja auch nicht unbedingt erfahren muss." Milan machte eine Geste Richtung Ella."Aber du musst dich doch nicht dafür schämen, dass dein Bruder dich-" "Kilia, halt die Klappe!", zischte Milan."Hey Ella, weißt du, was Milan die ganze Zeit verheimlicht?" Ein Kollege lehnte sich in Ellas Richtung und wollte Milan provozieren."Nathan!"Ella bekam nun langsam alles mit. Was verheimlichte ihr Milan?Nathan gab auf. "Warum sollte deine gute Freundin Ella es nicht wissen ?""Nathan, wir haben gerad echt andere Probleme. Außerdem ist es für Ella komplett scheiße, wenn sie das alles mitbekommt und ich für eine Erklärung noch nicht bereit bin!", sagte Milan gereizt."Dein Bruder hat versucht dich zu erschießen. Punkt. Hey Milan! Nein-das lässt du bleiben! Versuch nicht mich zu einem Kampf herauszufordern!", brüllte Finn, als er den vernichtenden Blick Milans bemerkte."Du Hund, du bist so tot!", schrie der wütend.Ella hatte es gehört. Doch glauben konnte sie es nicht. Was waren das hier überhaupt für komische Typen, diese Polizisten?! Was meinte der eine, auf den Milan gerade losging nochmal? Sein Bruder-dieser Mark-hätte ihn fast erschossen?! Das erklärte auch dessen Umzug nach Montana. Aber warum hatte sein Bruder ihn erschießen wollen?! Wie es aussah, schmerzte Milan das noch sehr. Es war okay für Ella, wenn er noch nicht dafür bereit war. Aber nur die halbe Geschichte wollte sie auch nicht hören. Wenn, dann die Ganze. Und sie war sich sicher, Milan würde es ihr bald erzählen. Jetzt, wo sie eh schon etwas wusste.


Feinde unter unsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt