Die Nacht atmete Wärme und Schicksal. Ohne eine Regung stand sie vor ihm, sah in das unergründliche Dunkel seiner Augen - ganz so als würde sie seine Seele sehen...
In dem Moment als er seine Hand nach ihr - nach ihrer Schönheit aus strecken wollte, löste sich ihre Starre. Rasch nahm sie ihr Kleid an sich und zog es über. Zaghaft lächelte sie ihm zu, ehe sie ohne ein Wort zurück zum Zelt kehrte. Er blieb allein - allein in einem Meer von Gedanken und verloren geglaubten Gefühlen....
Erst als der Morgen ganz sachte erwacht war, zog auch er sich in das Zelt zurück - fiel in einen Schlaf durchwebt von gar seltsamen Träumen...
Die Mittagssonne stand bereits hoch am Himmel, als die kleine Gesellschaft, es sich draußen vor dem Zelt, an einem kleinen Tisch mit Kaffee und ein paar Snacks gemütlich machte.
Luna und Tom saßen neben einander. Doch keiner wagte es den anderen an zu schauen. Fast schon peinlich berührt sah Tom zu Boden, vor Augen immer wieder die Bilder der vergangenen Mitternacht....
Auf Lunas Gesicht, lag eine zarte Röte, während sie mit einem verträumten Lächeln, in ihrem Kaffee rührte. Melanie die ihr gegen über saß, beobachtete die seltsame Szenerie still.
Etwas war anders zwischen den beiden geworden. Und in ihr keimte der ungute Verdacht auf, das die beiden sich in der Nacht wieder einmal heimlich getroffen hatten, und sich tatsächlich näher gekommen waren...
"Dieser Flegel", ging es ihr kurz wütend durch den Kopf. Mit einem warmen Lächeln und den versöhnlichen Worten "Wir waren doch alle mal jung", holte Dippet sie aus ihren Gedanken.
Er war bis eben noch, in seinem Tagespropheten vertieft gewesen. Nun jedoch lächelte er ihr aufmunternd zu.
Er hatte ja Recht. Luna wie auch Tom waren noch jung. Warum sich also dazwischen stellen. Das Leben konnte so schnell vorbei sein.
Nach einer Weile, machte Luna es sich im weichen Gras unter den Bäumen gemütlich. In Gedanken versunken, war sie dabei einen kleinen Blumenkranz zu flechten. Während Tom ein wenig rastlos umher wanderte. Melanie hatte es sich wie Luna im Gras gemütlich gemacht, und genoss die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Dippet blätterte indes in seinem Tagespropheten herum.
"Tom! Tom kommen sie doch bitte einmal her. Das dürfte sie sehr interessieren!", rief der Direktor dem Erben Slytherins zu.
Dieser jedoch, war so sehr in Gedanken vertieft, das er das Rufen gar nicht hörte.
"Bei Merlins Bart! Riddle!", rief er nun etwas ungehalten, Tom jedoch regierte endlich, und kam sofort zu ihm geeilt.
Gefangen im Land der Fantasie - in Träumen so wunderschön und süß, lächelte Luna in sich hinein. Als plötzlich das laute Rufen des Direktors sie aus ihren Tagtraum riss....
Nur zäh sickerte der Name in ihr Bewusstsein.....
"Riddle", hauchte sie unendlich leise in den Spätsommerwind hinein.
Bilder rasten mit einem Mal vor ihrem inneren Auge vorbei....
Bilder von der Ansprache zu Beginn ihres fünften Schuljahres, als Professor Dumbledore noch lebte.
Es war jener Moment gewesen, in dem der Direktor den Namen Voldemort, in Zusammenhang mit seinem früheren Namen als Schüler - Tom Riddle, zum allersten Mal in der Öffentlichkeit, vor allen Schülern laut ausgesprochen hatte.
Die Zeit war zerbrochen und stehen geblieben. Eine Eiseskälte durchflutete ihren Körper. Ihr Herz fing an zu rasen. Doch dieses Mal nicht vor freudiger Aufregung, sondern vor Panik ,die langsam in ihr empor stieg. Achtlos ließ sie ihren Blumenkranz im Gras liegen, und lief ein gutes Stück tiefer in den Wald hinein.
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Verloren in der Zeit - Luna Lovegood
Fanfiction2.Mai 1998: Es ist mitten in einer kalten Frühlingsnacht, der Krieg ist verloren, das Unfassbare ist geschehen: Voldemort hat gesiegt. Luna und eine kleine Handvoll Überlebender sind auf der Flucht. Doch eine verhängnisvolle Entscheidung wird Lunas...