Bonus Kapitel

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Okay.
Ich weiß, das letzte Kapitel war... sagen wir’s freundlich: absolut mies.
Und ganz ehrlich, ich hab selbst gemerkt, dass das Ende nicht nur offen, sondern auch einfach verwirrend war – besonders, was Shun betrifft.
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Der neunte Monat fühlte sich wie ein ganzer Winter an – schwer, lang, erschöpfend.
YN lag auf dem Sofa, ein Kissen im Rücken, eine Decke über den Beinen. Ihre Hände ruhten auf dem runden Bauch, der sich manchmal spannte, manchmal einfach nur warm war.

Mikey kam leise ins Zimmer, mit zwei dampfenden Teetassen in der Hand. „Kam wieder nicht zur Ruhe?“

Sie schüttelte den Kopf. „Er tritt ständig, als würde er sich beschweren, dass es zu eng ist.“

Mikey lächelte sanft, stellte den Tee ab und legte sich neben sie. Seine Hand wanderte wie automatisch zu ihrem Bauch. Und als der kleine Tritt kam, ganz leicht unter seiner Handfläche, sah er auf – fast ehrfürchtig.

„Shun“, murmelte er. „Schon bald bist du hier.“

Die Geburt kam in den frühen Morgenstunden, während draußen der erste Schnee fiel.

YN schrie, fluchte, zitterte – Mikey wich ihr keine Sekunde von der Seite. Ihre Fingernägel gruben sich in seine Hand, und trotzdem sagte er nichts, hielt nur durch, ganz ruhig.

Es war ein langer Kampf, und als endlich das erste Schreien erklang, brach sie in Tränen aus – vor Schmerz, Erleichterung, und dem einen Gefühl, das sich nicht in Worte fassen ließ: bedingungslose Liebe.

Mikey hielt ihren Sohn zuerst. Ganz vorsichtig, als wäre er aus Glas. Seine Stimme war leise, brüchig, als er flüsterte: „Hallo, Shun.“

YN sah es: Mikey, der so oft kalt wirkte, so kontrolliert – jetzt zerbrach er in Schönheit. Sein ganzer Ausdruck war weich, gebrochen vor Glück.

Shun war da. Und nichts auf der Welt war je so vollkommen gewesen.

Die ersten Monate waren ein Wirbel aus Müdigkeit, Windeln, stillen Momenten in der Nacht.

YN lernte, wie man ein Baby beruhigt, ohne selbst den Verstand zu verlieren. Mikey gewöhnte sich daran, mit nur drei Stunden Schlaf zur Arbeit zu gehen – und trotzdem nie zu klagen.

Manchmal stand er einfach nur am Kinderbett, minutenlang, und sah seinen Sohn an, als müsste er sich immer wieder versichern, dass er wirklich da war.

„Er ist ruhig“, flüsterte Mikey eines Nachts. „Wie du. Aber seine Augen...“

„Deine“, lächelte YN. „Und er zieht dieselbe Stirn, wenn er träumt.“

Mit drei Jahren war Shun ein Kind, das selten laut wurde – aber immer beobachtete. Seine kleinen Finger tasteten über Spielzeugautos wie über Geheimnisse, die es zu lösen galt.

Er stellte viele Fragen. Über den Himmel, über Motoren, über Erinnerungen.

„Papa“, fragte er einmal. „Warst du früher traurig?“

Mikey schwieg lange. Dann nickte er. „Ja. Aber du hast mich neu gemacht.“

Shun sagte nichts dazu. Aber er setzte sich näher zu ihm, lehnte seinen kleinen Körper gegen ihn. Und Mikey verstand: das war seine Antwort.

Mit neun war Shun ein Wirbel aus Energie. Er rannte durch die Straßen, wollte alles wissen, alles ausprobieren.

Er hatte ein altes Fahrrad, das Mikey für ihn restauriert hatte – und fuhr es wie ein König auf seinem Thron.

Er liebte alte Geschichten von Toman, fragte nach Takemichi, nach Draken, nach denen, die vor ihm kamen.

„Und du?“, fragte er YN eines Tages. „Warst du da auch dabei?“

„Nicht ganz“, antwortete sie. „Aber ich war dort, als es zählte.“

Shun nickte, ernst. Als würde er verstehen, dass manche Dinge mehr bedeuten als Action – wie Treue, Liebe, Mut.

Mit sechzehn war Shun stiller geworden. Reifer.

Sein Blick war nachdenklicher, seine Bewegungen zielgerichtet. Er hatte die Hände seines Vaters, fand YN – stark, ruhig, mit einer Kraft, die sich nie aufdrängte.

Er sprach selten über seine Gefühle, aber wenn er es tat, waren seine Worte klar wie Wasser.

Eines Abends saßen sie alle am Esstisch. Mikey sah ihn an und sagte: „Du wirst deinen Weg gehen. Und wir – wir sind immer hier.“

Shun nickte nur. Doch YN sah, wie seine Unterlippe bebte. Und dann stand er auf, kam um den Tisch herum und legte seine Stirn kurz an Mikeys Schulter.

Mit neunzehn hatte Shun ein Lächeln, das leicht war. Nicht naiv – sondern sicher.

Er hatte eine Freundin – Ayaka. Ruhig, klug, mit einem Blick, der genauso durch Menschen sah wie YNs.

Als er es ihnen erzählte, sagte er einfach nur: „Sie versteht, wie ich denke. Wie ich euch liebe.“

Mikey hatte genickt. Mehr nicht. Aber YN sah, wie seine Augen glänzten.

Ein halbes Jahr später packte Shun seine Sachen.

Er stand im Flur, eine Tasche über der Schulter. Ayaka wartete draußen.

„Ich zieh nicht weg von euch“, sagte er. „Ich geh nur ein Stück weiter.“

YN umarmte ihn lange. Sie sagte kein Wort. Nur ihr Herz sprach: Danke, dass du mein Sohn bist.

Mikey klopfte ihm auf die Schulter – und dann zog er ihn doch noch kurz an sich.

„Pass auf dich auf“, murmelte er. „Und vergiss nicht, wo du herkommst.“

Shun lachte. „Nie im Leben.“

Dann war er weg.

Ein paar Wochen später

Mikey saß auf der Couch, ein leeres Glas in der Hand. YN kam dazu, setzte sich leise zu ihm.

„Es ist still“, sagte er.

Sie lehnte sich an ihn. „Ja. Aber es ist gut. Es ist die Art von Stille, die man sich verdient.“

Er sah sie an. „Danke, dass du ihn zu dem gemacht hast, der er ist.“

„Das warst du auch“, flüsterte sie.

Dann schwiegen sie. Und draußen fuhr ein Fahrrad vorbei – schnell, frei.

Und für einen Moment war es, als wäre Shun wieder ganz klein, auf seinem alten Rad.

Aber er war weitergefahren. Und das war richtig so.
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Es war, als hätte sich etwas in der Brust gelöst.

Wie ein tiefer Atemzug nach zu vielen Tagen, an denen man das Atmen fast vergessen hatte.
Das letzte Kapitel – endlich geschrieben, endlich rund, endlich wahr.

Keine offenen Fragen mehr. Kein bitterer Nachgeschmack. Kein "Hätte ich doch..."

Nur das Gefühl: Jetzt ist es richtig.
So, wie es sich immer angefühlt hat – irgendwo ganz tief innen – aber nie in Worte gefasst werden konnte.

Shuns Geburt, seine Kindheit, sein erster eigener Schritt raus in die Welt – jedes Detail hatte endlich seinen Platz gefunden.
Und YN und Mikey?
Sie durften das sein, was sie immer verdient hatten zu sein:
Nicht nur Überlebende. Nicht nur gebrochene Seelen. Sondern Eltern. Menschen. Ein Zuhause.

Es war mehr als ein Kapitel.
Es war ein Abschluss – und ein Anfang.
Nicht laut. Nicht spektakulär. Aber ehrlich. Vollständig.

Und in dieser Stille lag Frieden. Yay

Mikey x reader Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt