Kapitel 1. Hurt

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"Niall!"

Oh Nein! Da war sie wieder!

Die altbekannte Stimme seines geliebten Vaters.

Geliebt scheint für einige Menschen zwar vollkommen in Ordnung zu sein - nicht das Niall seinen Vater nicht liebte, er war drei Jahre alt, aber wenn man Niall sah, wie sich der kleine Körper von einem Moment zum anderen so anspannte, dass man dachte, der Junge hätte schmerzvolle Krämpfe, würde sich der ein oder andere schon die ein oder anderen Gedanken machen.

Allein die Haltung seines Körpers zeigte, wie viel Angst Niall hatte und der panische Blick, dieser eine panische Blick, welcher immer wieder in Niall's blauen Augen auftrat, wenn Er den Raum betrat und sich bei anderen Mitmenschen, die auch in einer der vielen, aber nicht öffentlichen Situationen beteiligt sind- was aber nicht oft, sogar bei genauer Erinnerung Niall's Seite noch nie der Fall war - in das Gedächtnis ein Brennen würde.

"Niall, du kleiner Bengel! Wo steckst du ?" Die Stimme von Bobby wurde lauter und Niall konnte das Gestampfte seines Vaters vor seiner Zimmertür hören. Der blonde Junge stand von dem Boden auf, auf dem er noch einige Minuten vorher mit seinem kleinen Lkw gespielt hatte, bis sein Albtraum ihm aus seinem Spaß heraus holte.

Er lief hinüber zur Wand, an der sein Bett stand und ein Fenster den Raum mit den letzten Strahlen des Tages erleuchtete. Nicht sehr passend zur Niall's Situation, beziehungsweise nicht passend für das, was gleich auf ihm zukommen würde.

Mit dem Rücken zur Wand starrte Niall auf die weiße Tür, vor der schon deutlich die Anwesenheit von Bobby zu hören war. Die Tür sprang auf und ein hasserfüllter Bobby stand in dieser.

"Was fällt dir ein nicht zukommen, wenn ich dich rufe?"

Für Niall hätte es keinen Sinn gemacht dem Befehl nach zu gehen und zu seinem Vater zu kommen. Er erkannte durch die Wochen und Monate hinweg, dass es am Ende immer aufs Gleiche ausfallen würde.

Doch als der dreijährige Junge seinen Vater sah, welcher wütend auf seinen Sohn zu lief, zweifelte er doch an seiner Kenntnis und er spielte mit dem Gedanken, dass er hätte doch besser zum ihm hingegangen wäre.

Doch jetzt war es zu spät!

"Hab ich dir nicht letztes Mal schon gesagt, dass du gefälligst kommen sollst, wenn ich es will? "

Keine Antwort, stattdessen fielen die ersten Tränen von Niall seiner Wange herunter.

"Habe ich?" Schrie der Mann jetzt noch lauter und beugte sich wieder zu Niall nach unten, nachdem seine Hand nach dem dünnen Arm von Niall griff.

"ja", flüsterte Niall mit brüchiger Stimme. Viel zu groß war die Angst vor seinem Vater.

"Rede vernünftig mit mir! Hast du das verstanden?" Bobby packte Niall an die Schultern und schüttelte seinen Sohn einmal fest durch. Seiner Meinung nach sollte sein Handeln nur zur Unterstützung von Niall dienen, schließlich war sein Sohn nichts anderes, als untauglich, abscheulich und für nichts zu gebrauchen.

"Dir muss man noch Manieren beibringen Freundchen!" Und schon landete die erste Faust in Niall's Magen, worauf der Kleine schon zusammenbrach und er anfing vor Schmerzen und Angst zu schluchzen.

Doch für Bobby gab es keinen Grund seine Hände von Niall zulassen. Im Gegenteil, lieber schlug er direkt in das Gesicht von Niall, worauf dieser nur noch mehr aufschrie und schwarze Punkte vor seinen Augen hervor tanzten.

Immer weiter schlug Bobby auf Niall und nach und nach verstummte das Geschreie des 3- jährigen und alles um ihn herum wurde Schwarz.

(********)

Als Niall nach einiger Zeit wieder aufwachte, tat ihm sein ganzer Körper weh. Kein einziges Körperteil war nicht betroffen vom der ausartenden Beziehungsmachsnahme von Niall's Vater.
Der kleine Junge setzte sich zuckten auf, sein ganzer Körper brannte, doch Niall's Körper hatten sich schon am diese unangenehme Art des Leidens gewöhnt. Physisch, aber auch psychisch musste Niall ziemlich was ertragen.
Trotzdem fragte Niall sich immer wieder- so weit das mit drei Jahren möglich war- warum sein Vater ihm sowas antat.

Bobby war nicht immer so, schließlich konnte Niall sich noch leicht an Moment mit seiner Mutter, die ihn immer so beschützend und liebevoll ansah, und seinen Vater erinnern, wo sie alle eine kleine, glückliche Familie waren.

Doch tragischerweise erkrankte Maura an Leukämie und die Familie musste einen schweren und harten Kampf auch sich nehmen, welcher nach einem langen Prozess leider kein gutes Ende nahm. Maura starb kurz vor Niall's zweitem Geburtstag an ihrer Krankheit.

Niall's sehr gut geprägtes Gedächtnis ließ ihn in Moment der Trauer oder Einsamkeit immer wieder Momente aus seinem vorherigen Leben sehen, genau wie sie es wieder taten, genau in diesem Moment.

Der kleine blonde Junge saß auf dem Krankenbett seiner Mutter, die kurzen Beine taumelten in der Luft und sein Körper lehnte sachte an dem seiner Mutter. Sanft wiegte sie ihren Sohn hin und her, seine Hand wurde umschlossen von ihrer und der müde Blick lag auf ihren Jungen vor ihr.

Niall verstand nicht wirklich, was um ihn herum geschah, aber er mochte es nicht seine Mutter so krank und blass zu sehen. Er sah an ihren Augen, wie viele Schmerzen sie hatte und wünschte sich nicht sehnlicheres, als dass es seiner Mutter wieder besser gehen würde.

"Hab keine Angst mein Baby, ich werde immer bei dir sein! Auch wenn du mich nicht siehst, hörst du Liebling?" Niall nickte unsicher.

Maura's Daumen strich über die Wange ihres baby's, welche nun von Tränen überströmt wurde. Die kranke Frau hatte jeden Kampf auf sich genommen und war bis zum Ende stark geblieben, doch jetzt ihren Sonnenschein so traurig zu sehen zerbrach ihr das Herz.

"Ich habe dich so lieb mein Schatz, vergiss das nicht!"

Ihre rauen Lippen legte sie an die Stirn ihres Jungen und küsste ihn dort und auch die feuchte Wange wurde mit einer liebevollen Handlung begrüßt. Danach zog sie Niall in ihre Arme und umarmte ihren Engel so fest sie nur konnte.

"Iwh auxh Mami liebe!"

Das Heimweh nach seiner Mutter war groß und gerade in dieser Situation hätte Niall seinen Vater gebraucht. Sei es eine starke Umarmung oder eine andere beschützende Geste von Bobby's Seite gewesen. Stattdessen musste Niall Schläge ertragen, die seinem Vater so über den Kummer seiner verstorbenen Liebe halfen. Sein Sohn war ihm dabei egal.

Doch Niall wusste, dass er von seinem Zuhause weg musste. Denn während andere Kinder mit ihrem Vater Fußball spielten, Sandburgen im Sandkasten bauten oder ihre erstes Vergnügen mit dem Fahrrad wagten, versuchte Niall in der Anwesenheit seines Erzeugers zu überleben.

Dabei wollte er doch einfach nur so sein wie anderen in seinem Alter, ein Kind!

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Das erste Kapitel ist draußen und ich hoffe wirklich, dass es euch gefallen hat und es vielleicht eure Neugier auf diese Geschichte ein bisschen geweckt hat.

Lasst mich eure Meinung hören, ich würde mich wirklich freuen!

Schönes Wochenende!

Julee xx

Chance <> (Niall centric)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt