Körpertausch 1.Teil

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Während des Tages drangen einige Sterbliche in Magnus' Haus ein, knackten seinen Code für die Tür zur Schlafkammer, setzten ihn im Schlaf mit einem Betäubungsmittel für Vampire außer Gefecht und verfrachteten ihn in eine leer stehende Fabrik. Dort wurde sein Gehirn mit dem eines Sterblichen verkabelt und seine Gedanken, Gefühle und Erinnerungen in den Menschenkörper transferiert. Dementsprechend wurde dasselbe des Sterblichen auf seinen Vampirkörper übertragen. Ein Körpertausch sozusagen. Magnus bekam von all dem nichts mit, da er fest schlief. Im anderen Körper lag er nun im menschlichen Koma.

Der Geist des reichen Sterblichen, der sich dieses Abenteuer teuer erkauft hatte, wurde nun in Magnus' Körper in eine lichtgeschützte Box gelegt und zu seinem eigenen Wohnsitz gefahren. Dort brachten zwei Männer, unter der Anleitung eines Protectoris-Mitglieds, die Kiste in den Keller und legten den Vampir auf eine Bahre. Abends würde der Verräter dann zurückkehren und auf das Erwachen des Unsterblichen warten. Er würde ihm ein wenig Anleitung geben müssen. Die Protectoris, war ein Orden, der schon seit einem Jahrtausend die Vampire beobachtete und alles über sie aufzeichnete.

Als der Sterbliche in Magnus Körper langsam zu sich kam, stürmten sofort viele Geräusche auf ihn ein. Er erschrak deswegen. Es hörte sich an, wie wenn er an der Straße stehen würde. Er betrachtete die Decke über ihm. Das Licht war ausgeschaltet, doch trotzdem konnte er jeden feinen Riss im Putz der Decke sehen. Vorsichtig versuchte er eine Hand zu heben und führte sie vor sein Gesicht. Tatsächlich! Er war in diesem fremden Körper. Seine Augen erblickten eine blasse, haarlose Hand mit langen Fingern. Dann richtete er sich langsam auf, sah die blassen Beine vor sich und bewegte die Zehen. Anscheinend funktionierte alles. Er winkelte ein Bein an und dann das andere. Ein leises Pochen war in seinen Ohren. Er nahm einen tiefen Atemzug und witterte etwas Angenehmes. Keine Ahnung, was es war, aber sein Vampirinstinkt schien den Geruch zu mögen. Ein wenig mulmig betrachtete er den Fliesenboden, denn nun wollte er aufstehen. Zuerst setzte er sich an den Rand der Liege und ließ die Beine baumeln. Vorsichtig setzte er die Fußsohlen auf den Boden, stützte sich an der Liege ab und richtete sich auf. Nun stand er. Er war sehr neugierig auf sein Aussehen bzw. wie er sich sah. Als er in Richtung Tür gehen wollte, knallte er dagegen. Verwirrt blickte er zur Liege zurück. Das waren doch einige Meter, wie ... War er so schnell? Ihm wurde langsam klar, auf was er sich eingelassen hatte. Bevor er sich nach draußen wagte, musste er also zuerst seinen Körper testen.

Plötzlich wurde das Pochen lauter und der angenehme Geruch stärker. Schritte hallten in der Ferne und er wusste, dass jemand kam. Im nächsten Augenblick, erkannte er, dass es sein Helfer von den Protectoris war. Aber woran? Hatte er nun den 6. Sinn, als Vampir? Dessen Geruch und seine Geräusche erschlugen ihn fast, als er hereinkam. „Wie geht es Ihnen?", fragte er. „Äh gut. Es hat geklappt. Nur muss ich noch hierbleiben und mich damit vertraut machen. Gerade bin ich gegen die Tür gestoßen, als ich rausgehen wollte." Der Beobachter nickte: "Dieser Körper ist sehr stark und schnell. Sie müssen sich vorsichtig bewegen. Wohin soll ich Sie führen?"

„Hm, vielleicht in den Fitnessraum. Dort sind auch genug Spiegel. Ich möchte wissen, wie ich mich sehe." Zum Glück war Magnus Körper nicht hungrig. Ansonsten würde der Vampir jetzt über den Beobachter herfallen. Trotzdem überwältigten ihn der Puls und der Geruch und er musste sich fassen, um die Hand des Beobachters zu nehmen und sich zum Trainingsraum geleiten zu lassen. Dessen Hand fühlte sich so heiß an und sie vibrierte zwischen seinen Fingern. Er hörte eine flüsternde Stimme, die über seinen Zustand redete. Langsam begriff er, dass es die Gedanken seines Komplizen waren. Vampire konnten also Gedanken lesen ohne ihr Zutun. Die Schritte des Beobachters kamen ihm so langsam vor, aber das war das menschliche Tempo und er prägte es sich ein. Draußen und unter Menschen musste er so gehen.

Endlich waren sie in dem Raum angekommen. Als das Licht anging, musste er die Augen zusammenkneifen. Es war, als würde er in gleißendes Sonnenlicht blicken, doch kurze Zeit später ging es wieder. Seine Pupillen hatten sich sogleich angepasst. Sofort fiel sein Blick auf die Spiegelwand. Da standen der Beobachter und daneben der blasse, nur mit einer Short bekleidete, hellblonde Mann. Ganz langsam schritt er auf den Spiegel zu. Wahnsinn! Er konnte es nicht fassen. Das Gesicht des Vampirs blickte ihm entgegen. Die blauen Augen und dieser umwerfende Körper war jetzt seiner. Er strich über den athletischen Oberkörper und grinste sein Spiegelbild an. Da fielen ihm die Zähne auf. Er öffnete den Mund, bis er die spitzen Reißzähne sehen konnte. Wirklich geil! Das würde super werden, sie in einen leckeren Hals zu schlagen. Bei diesen Gedanken beulte sich seine Hose deutlich aus und er musste lachen. Klar, dass Vampire sadistisch veranlagt waren. Nachdem er sich ausgiebig betrachtet hatte, ging er zu den Hanteln. Nun wollte er sehen, wie stark er war. Am besten fing er mal mit 50 kg an. Seine Hand umgriff den Stab und er riss ihn, wie gewohnt mit einem Ruck hoch. Dabei schleuderte er die Hantel nach oben, sie krachte an die Decke und fiel donnernd wieder herunter. Fassungslos betrachtete er die lädierte Deckenverkleidung. Oh mein Gott! Der Raum war 4 m hoch. Also nahm er 100 kg und stemmte diesmal nicht so schwungvoll. Die Hantel blieb in seiner Hand, aber es kostete ihn gar keine Mühe. Es war fast, als würde er als Mensch einfach eine Stange in der Hand halten. Erst bei 300 kg spürte er mehr Widerstand und auch 500 kg stemmte er hoch. Damit war das Krafttraining vorerst beendet. Er liebte diesen Körper schon jetzt und freute sich sehr auf seine Abenteuer.

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