Verachtend blickte die an der Fassade des Hochhauses an, indem Chris wohnte. Es war wohl einmal weiß gewesen, aber inzwischen glich die Farbe mehr einem vergilbten grau. Er lief das versiffte Treppenhaus hoch und las an jedem Klingelschild die Namen, denn er hatte vergessen, in welchem Stockwerk Chris wohnte. Er war ab und zu zum Zocken bei ihm gewesen, aber das lang schon ein oder zwei Jahre zurück.
Chris' Schwester öffnete ihm die Tür. Sie waren lange Zeit recht gut befreundet gewesen, er hatte sie oft besucht, aber auch das gehörte inzwischen mehr oder weniger zur Vergangenheit.
Sie fragte ihn, was er hier mache und strich sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, die sich aus ihrem Dutt gelöst hatte.
„Ich soll Finjas Sachen holen"
Sie blickte ihn kurz verwirrt an: „Ist es aus mit den beiden?"
Er zuckte mit den Schultern.
„Ich denke nicht", und ihm wurde schlagartig bewusst, dass er keine Ahnung hatte, was mit den beiden jetzt war, ob sie noch zusammen waren oder nicht.
„Du hast Glück, Chris schläft", sie ließ ihn in den Flur, an dessen Wänden sich verstaubte Umzugskartons stapelten. Sie beschrieb ihm, wo Finjas Sachen waren und versprach, selbst welche aus dem Bad zu holen.
Leise drückte er die Türklinge zu Chris Zimmer runter. Stickige Luft schlug ihm entgegen. Die Vorhänge waren zugezogen und das Licht drang nur schwach in das unordentliche Zimmer. Chris lag zusammengerollt auf seinem Sofa und schnarchte.
Sein Blick fiel auf den Schreibtisch, der genauso unordentlich war wie der Rest des Zimmers. Vielleicht fiel ihm das gerahmte Bild von Finja genau deswegen auf, weil es nicht in dieses Zimmer passte, dessen Bewohner alles egal war und der keinen Wert auf Einrichtung legte. Er kannte das Bild, es war eine Schulfotografie. Sie lächelte schüchtern in die Kamera, ihre Dreadlocks waren deutlich kürzer als jetzt. Es fühlte sich an, als ob er das Bild schon hundert Mal gesehen hatte, aber jetzt erst die wirkliche Schönheit erkannte und er hatte Mühe sich davon loszureißen.
Viel hatte Finja nicht bei Chris. Ein paar Shirts und Hosen, eine Jacke und Unterwäsche. Diese behielt er am längsten in seiner Hand, bevor er auch die in seinem Rucksack verschwinden ließ. Ein schwarzer BH, mit Nieten besetzt. Er stellte sich Finja darin vor, aber dieses gewollt-sexy-sein passte gar nicht zu ihr.
Chris' Schwester wartete bereits auf ihn. Sie drückte ihm noch ein paar weitere Sachen in die Hand und er warf sie in seinen Rucksack ohne wirklich darauf zu achten, was es war. Wimperntusche. Duschgel.
„Vergiss ihren Helm nicht", er lag achtlos neben der Tür.
„Danke", er griff danach.
„Kein Problem", sie lächelte, „Mach's gut"
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Finja
Teen FictionEr gibt einen Fick auf Gefühle, weil es sich ohne besser lebt. Doch was, wenn er sich doch verliebt? Was, wenn sie seine erste große Liebe ist? Und was wenn er erkennen muss, dass es manchmal mehr um die Geschichte geht, als um das Ende?
