Unausgeschlafen und schlecht gelaunt betrat er kurz nach acht Uhr das Klassenzimmer. Wie jeden Montag.
Auf seinem Platz lag seine Jacke, die er Finja am Abend geliehen hatte. Er ließ seinen Blick unauffällig zu ihr wandern, sie war in ein Gespräch mit ihrer Banknachbarin vertieft und bemerkte erst nicht, wie sich der Lehrer vor ihrem Tisch aufbaute.
Und er hatte erst nicht bemerkt, dass Finja einen kleinen Zettel mit einer Stecknadel an der Innenseite der Jacke angebracht hatte. Vorsichtig faltete er ihn unter seinem Pult auf.
"Danke für die Jacke und danke für alles. Hab dich lieb. Bis heute Abend"
Bis heute Abend. Es klang wie ein Versprechen. Wie jeden Montagabend, das Lagerfeuer am See.
Als er zum See kam, waren die anderen schon in aufgeheiterter Stimmung. Er hatte nicht vor viel zu trinken, höchstens ein Bier, vielleicht auch zwei. Außerdem war am nächsten Tag Schule, richtig feiern würden sie erst am Wochenende.
Irgendjemand grillte Würstchen am Lagerfeuer.
"Willst du auch eines?", fragte Alex ihn.
"Gerne", antwortete er und hielt wenig später einen Hotdog in der Hand.
Finja tanzte mit ein paar Freundinnen. Er beobachtete sie lächelnd dabei, wie sie ihren Körper im Takt der Musik bewegte.
Wie schön sie war.
Irgendwann ließ sie sich erschöpft neben ihn fallen und ein roter Plastikbecher wurde ihr gereicht, der stark nach Rum roch.
"Alles klar bei dir?", fragte er und nahm einen großen Schluck aus seiner Bierflasche.
"Ja", sie lachte.
Wahrscheinlich war der Alkohol der Grund ihrer guten Laune, aber er genoss es sie so ausgelassen zu sehen.
Er brachte Finja gegen zwölf mit seinem Motorrad nach Hause, sie war zu betrunken zum Laufen gewesen und außerdem wollte er sie nicht alleine durch den Wald gehen lassen.
Er blieb vor ihrem Haus stehen und sie nahm den Helm ab, die meisten ihrer Dreadlocks hatten sich aus ihrem Dutt gelöst. Sie blickte ihm tief in die Augen und er strich ihr flüchtig eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht.
"Oh Gott bist du hübsch", stellte sie fest und er fragte sich wer das schon war in dem grellen Licht der Straßenlaterne. Die Worte halten in ihm nach.
"Und du bist ganz schön betrunken", entgegnete er.
Sie blickte ihn ernst an: "Du bist trotzdem hübsch."
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Finja
Ficção AdolescenteEr gibt einen Fick auf Gefühle, weil es sich ohne besser lebt. Doch was, wenn er sich doch verliebt? Was, wenn sie seine erste große Liebe ist? Und was wenn er erkennen muss, dass es manchmal mehr um die Geschichte geht, als um das Ende?
