Liam
Ich sah mich in der Halle um. Aber ich konnte Elena nirgendwo entdecken.
Melanie reichte mir mein Getränk aber ich hob abwehrend meine Hand.
"Ich bin gleich wieder da", erklärte ich schnell und lief auf den Hintereingang der Halle zu.
Ich folgte einem kleinen Steinweg und sah an dessen Ende einen weißen Pavillon. In dessen Mitte konnte ich zwei Gestalten erkennen. Ich lief jetzt schneller den Weg entlang und erkannte wer dort im Pavillon saß und sich küsste.
Elena und Ian.
Ich blieb abrupt stehen und zwang mich dazu den Blick abzuwenden.
Ich biss mir auf die Unterlippe und ging den Weg zurück. Mit jedem Schritt musste ich mich zwingen ruhig zu bleiben.
Ich atmete tief durch und ging zurück in die Halle.
Melanie hatte sich nicht von der Stelle bewegt, sie stand noch immer an der Bar.
"Ich muss mit dir reden. Aber hier ist nicht der passende Ort dafür", sagte ich leise. Melanie sah mich verwirrt an, nickte aber.
Wir gingen aus der Halle, auf einen abgelegenen Feldweg.
Sie sah mich fragend an.
"Es ist vorbei Melanie. Unsere Beziehung war für mich nie echt, ich habe nie etwas für dich empfunden. Es tut mir leid."
Meine Worte waren gegen das Gesetz. Es war mir nicht gestattet eine Beziehung zu beenden.
Doch es interessierte mich nicht was das System von mir verlangte.
Mein gesamtes Leben wurde mir vorgeschrieben. Meinen Wohnbezirk, meine Schule, meine Partnerin, meine Arbeit, meine Meinung. Aber ich würde mir nicht weiter etwas vorschreiben lassen.
Melanie sah mich fassungslos an.
"Meinst du das ernst?", fragte sie mit zitternder Stimme.
"Ja das ist mein Ernst"
Ohne ein weiteres Wort, drehte sie sich um und ging.
"Melanie!", rief ich ihr hinterher, doch sie drehte sich nicht um.
Mit wenigen Schritten hatte ich sie eingeholt und stellte mich ihr in den Weg.
"Lass mich dich wenigstens noch nach Hause bringen", bat ich und sah ihr in die Augen.
"Lass mich einfach in Ruhe Liam", sagte sie und lief weiter.
In einigen alten Büchern hatte ich gelesen, dass die Männer ihre Frauen immer nach Hause brachten um sicherzustellen, dass sie heil ankamen.
In unserer Gesellschaft war das nicht nötig. Alles wurde überwacht. Es gab keine Überfälle oder gar Morde. Trotzdem fühlte ich mich schlecht Melanie allein nach Hause gehen zu lassen.
Langsam ging ich zurück zur Halle. Ich wollte gerade wieder hinein gehen, da packte mich jemand unsanft an den Schultern und drehte mich herum.
Ein Schutzmann stand vor mir und sah mich prüfend an.
"Wo bist du gewesen?"
"Melanie ging es nicht gut, ich habe sie nach Hause gebracht", log ich.
Er betrachte mich nocheinmal von oben bis unten, dann nickte er und ließ mich los.
Ich ging zurück in die Halle und sah mich um.
Elena stand mit Ian an der Bar. Sie lachte und sah glücklich aus.
Ich betrachtete sie eine Weile. Ihre braunen Locken umrahmten ihr schönes Gesicht und ihre kastanienbraunen Augen funkelten im Licht.
Sechzehn Jahre lang hatte ich geglaubt sie sei meine Schwester und habe versucht meine Gefühle zu unterdrücken. Aber Elena war nicht meine Schwester.
Da sah sie auf und unsere Blicke trafen sich.
Sie lächelte als sie mich ansah und kam zu mir.
"Wo warst du denn?", fragte sie.
"Das erkläre ich dir später.", sagte ich und strich ihr durchs Haar.
"Ich habe dich gesucht. ich wollte unbedingt noch ein Foto von uns machen lassen.", sagte sie lächelnd.
Sie nahm meine Hand und führte mich zu dem Abschlussballfotografen, welcher von jedem Abschlusspäärchen ein Foto machte.
"Du solltest dieses Foto mit Ian machen", sagte ich leise an ihrem Ohr, als wir uns in die Reihe stellen.
"Ich kann auch später noch eins mit ihm machen", sagte sie lächelnd.
Als wir dran waren, traten wir vor die weiße Leinwand.
Ich legte meinen Arm um Elena und küsste sie aufs Haar. Da erleuchtete der Blitz den Raum und ich löste mich von ihr.
"Ihr seit ein wirklich schönes Paar", sagte der Fotograf lächelnd und deutete auf unser Bild. "Das ist das schönste Bild was ich am heutigen Abend geschossen habe. Es ist ungestellt und sie beide scheinen sehr vertraut miteinander. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend", sagte er freundlich und reichte uns das Bild.
Elena sah mich fragend an, aber ich schüttelte den Kopf. Wir waren nicht dazu verpflichtet ihm die Wahrheit zu sagen.
Da kam Ian mit den Getränken zu uns. Er reichte Elena ein Glas und sie bedankte sich.
"Ich werde mir auch mal was zu trinken holen. Sagst du mir bescheid wenn du nach Hause möchtest?", fragte ich Elena und strich ihr über die Wange.
"Du kannst ruhig schon nach Hause gehen Liam. Ich bringe Elena später sicher nach Hause", sagte Ian und lächelte mich an.
Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, Elena mit Ian allein zu lassen. Er gefiehl mir nicht. Irgendetwas an ihm wirkte falsch.
"Ich warte dann an der Bar auf dich", erklärte ich und küsste Elena auf die Stirn.
Ich war wirklich froh als ich am Ende des Abends endlich mit Elena wieder zu Hause war.
Ich wollte gerade in mein Zimmer gehen, da legte Elena eine Hand auf meine Schulter.
"Liam? Du bist mir noch eine Antwort schuldig" Ich drehte mich zu ihr um und sah sie an.
"Ich hab mit Melanie Schluss gemacht", erklärte ich.
Elena sah mich erstaunt an und wusste anscheinen nicht was sie sagen sollte. Sie zog mich näher zu sich und umarmte mich sanft. Ich drückte sie an mich und vergrub mein Gesicht in ihren Haaren.
Da ertönte ein schriller Schrei aus dem Schlafzimmer unserer Mutter.
DU LIEST GERADE
Die Bestimmung
Ficțiune adolescențiIn einer Welt die alles kontrolliert, wo jeder deiner Schritte vorbestimmt ist. Gibt es dort einen Sinn zu leben? Einen anderen als der Gesellschaft zu dienen? Ist es lebenswert ein Leben zu leben welches nicht in deiner Hand liegt? Die Welt im Jah...
