Kapitel 3

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"Sie haben gesprochen und alles geklärt", ertönt plötzlich Queenies Stimme an meinem rechten Ohr. Vor Schreck zucke ich zusammen und schaue sie böse an, doch sie wispert, nur für mich hörbar:" Wenn du nicht so vertieft in das Betrachten einer gewissen Person gewesen wärst, hättest du mitbekommen, dass ich gekommen bin." Mit einem breiten Lächeln im Gesicht, das ihre perlweißen Zähne offenbart, wendet sie sich Teenie zu. Ein kurzes Blickduell entsteht, das die Blonde anscheinend haushoch gewinnt, denn meine älteste Schwester seufzt ergeben. Was geht hier vor?

"Weist du noch von den Schlagzeilen, als du weg warst?", fragt mich Teenie mit erstem Blick. "Welche genau meinst du? Die mit den Rissen in Häusern, dem Boden und so? Dieser Obscu-irgendwas?", erkundige ich mich verwirrt. Was hat denn das hiermit bitte zu tun???

"Obscurial oder Obscurus", höre ich Newt Scamander murmeln, während die Aurorin bedrückt nickt:"Es ist ein neuer aufgetaucht, aus dem Grund haben wir auch Newt hergeholt, wir wissen nichts darüber, während er sie studiert." Jetzt bin ich vollkommen verwirrt. Warum erzählen sie mir das?? Ich habe doch überhaupt nichts damit zu tun. Ich bin eine Squib, eine Schande, eine Versagerin. Wieso also erzählt sie mir das? Normalerweise dürfte sie das doch gar nicht, oder?

Und genau das frage ich sie auch, doch diesmal ist es Queenie, die mir antwortet:"Weist du, was du gemacht hast bevor wir dich gefunden haben?" "Natürlich", sage ich entrüstet, "Ich bin doch nicht doof. Ich bin durch New York gelaufen und irgendwann im Central Park gelandet, dort wo ihr mich gefunden habt. Wieso fragst du? Ich bin gerade total verwirrt. Was ist denn los?"

Panik macht sich in mir breit, was war hier los? Warum fragten sie mich so komische Dinge? Hatte ich etwas falsch gemacht?

"Hey beruhig dich!", reist mich ausgerechnet Mister Graves aus meinen, sich überschlagenden, Gedanken. Verwirrt tauche ich aus dem Strudel auf und blicke direkt in die entsetzten Gesichter meiner beiden Schwestern. Die Panik setzt wieder ein, während ich die Angst in ihren Augen leuchten sehe, vor mir und um mich. Als ich weiter durch den Raum sehe, entdecke ich Percival Graves, der vor der Couch steht, auf der er vor kurzem noch saß. Doch das ist es nicht, was mir Sorgen bereitet, sondern der erhobene Zauberstab in seiner Hand, dessen Spitze direkt auf mich zeigt.

Als ich eine Bewegung im Augenwinkel bemerke, drehe ich meinen Kopf und schaue in die sanften Augen von Newt Scamander, der sich langsam auf mich zu bewegt, die Hände mit den Handflächen zu mir gedreht, als wollte er mir zeigen: Ich tu dir nichts.

"Ganz ruhig, schau mich an. Alles ist gut", immer wieder wiederholt er diese Worte, während seine braunen Augen mich in ihren Bann ziehen. Und es scheint zu funktionieren. Während ich ihn wie hypnotisiert anstarre und es sein Mantra wiederholt werde ich ruhiger und vergesse schließlich sogar wo ich bin. Ich habe das Gefühl als würde ich in Trance versinken, während ich in seinen blauen Augen versinke.

Während ich vergesse was um mich ist und was er zu mir sagt, sehe ich die orangenen, fast schon goldenen Sprenkler in seiner blauen Iris. Fasziniert versuche ich sie zu zählen, doch sie scheinen sich zu bewegen und ihre Form und ihren Platz zu wechseln.

Er hat mich fast erreicht und steht nun, in gebückter Haltung direkt vor mir, um mir in die Augen schauen zu können. Vorsichtig, als wäre ich zerbrechlich, nimmt er meine linke Hand in seine, die so viel größer und so viel wärmer sind als meine. Leichte Schwielen sind zu spüren, die wahrscheinlich von seiner Arbeit mit den Tierwesen kommen, und dennoch sind sie unglaublich weich und umfassen die meinen auf eine beschützende Art, die mich zur Ruhe bringt. Zumindest für einen Moment. Denn dann setzt dieses unglaubliche Kribbeln ein, dass sich von meiner Hand ausbreitet und meinen ganzen Körper durchzieht. Es scheint direkt von der Hand des Briten zu kommen und fasziniert schaue ich seine schlanken Finger an. Als ich ihm in die Augen sehen will, sehe ich, dass er seinen Kopf gesenkt hält und ein roter Schimmer seine Wangen ziert.

Doch schließlich wird es mir zu viel und ich ziehe meine Hand wieder zurück. Kaum, dass meine seine Hand von meiner rutscht, hört das Kribbeln auf und ich fühle die Kälte in meine Hand kriechen. Und als wäre in meinem Kopf ein Schalter wieder zurück gelegt worden, fällt mir wieder das Thema an, über das wir gerade noch gesprochen hatten.

Unsicher schaue ich mich um und sehe Tina und Mister Graves wieder auf dem Sofa sitzen. Queenie werkelt in der Küche herum, was ich an den Geräuschen höre, die aus ebenjener in den Salon klingen. "Was habe ich mit diesem - Obsucrial - zu tun?", verwirrt schaue ich die drei verbliebenen Personen im Raum an. Teenie schaut von ihrem Freund zu Mister Scamander und dann unsicher zu mir. Der Mann neben ihr schaut mich aus ernsten Augen an und Newt Scamanders Augen schimmern voller Schmerz. "Ich weis nicht was deine Schwestern dir über den Obsucrus Credence erzählt haben, der vor einiger Zeit New York unsicher gemacht hat. Vor einiger Zeit ist wieder einer aufgetaucht, der jedoch niemanden verletzt und auch überraschend wenig zerstört. Er scheint genau die entgegengesetzte Wirkung und Kraft zu haben, als alle, die ich bisher gesehen habe. Dieser Obscurus heilt anstatt zu zerstören, beschützt anstatt zu verletzen und verhält sich sehr zurückhaltend", der braunhaarige Zauberer, mit den unglaublich vielen Sommersprossen. Unsicher schaue ich ihn an:" Aber dann ist das doch gar nicht schlecht oder? Ich meine, wenn der Obscurus nicht böse ist, dann ist das doch egal oder?" Traurig schauen mich die blauen Augen an:"Leider nein. Normalerweise sterben Menschen, die einen Obscurial in sich tragen sehr jung. Credence ist der älteste, bekannte Obscurus. Ich denke du weißt, warum wir mit dir reden, nicht wahr?" Die Trauer in seinen Augen ist nicht auszuhalten, weswegen ich den Blick senke. Ich weis genau, dass ich in Teenies Blick Trauer und Angst um mich sehen werde, genau so in Queenies. In Mister Graves Blick werde ich wahrscheinlich gar nichts lesen können, dafür ist er zu gut darin seine Gedanken zu verschließen.
Die Angst schwingt in meiner Stimme mit, als ich die alles entscheidende Frage stelle:" Was heißt das für mich?"

Ein Obscurus unter ZauberernWo Geschichten leben. Entdecke jetzt