Lächelnd nehme ich die Kleidungspakete entgegen und lasse sie in meiner Tasche verschwinden. 2 Tage waren seit meinem Besuch in dem Bekleidungsladen vergangen und nun waren endlich alle Stücke umgenäht. Mit einem letzten Lächeln und einem erneuten "Danke" verlasse ich den Laden. Durch den Pub wechsle ich von der magischen in die Muggelwelt und mache mich auf den Weg Richtung Bahnhof.
Neben der erstandenen Kleidung hatte ich auch Bücher und Heiltränke in meiner Tasche, sowie Muggelgeld und einige Galleonen, Sickel und Knuts. Gestern hatte ich eine Zugkarte auf das Festland gekauft. Von dort würde dann ein Schnellzug nach Russland die nächste Etappe bedeuten. Wie es dann weitergehen würde wusste ich noch nicht. Vielleicht würde ich auch schon früher aussteigen. In Frankreich würde ich in den Zug einsteigen, der über Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien und die Ukraine nach Russland fahren würde.
Voller Vorfreude steige ich in den Zug ein und suche nach einem leeren Abteil. In diesem angekommen mache ich es mir auf dem Polster bequem und hole eines der vielen Bücher heraus. In die Lektüre vertieft bekomme ich gar nicht mit, wie sich der Zug in Bewegung setzt.
Es war dunkel, als ich das erste mal wieder aufblickte. Die Lichter im Abteil brannten, draußen rauschte die Tunnelwand am Fenster vorbei. Der Zug fuhr also unter dem Meer entlang. Ich hatte mir keine Zug Karte der Muggel gekauft, hätte ich doch vorher erst noch mit einem Schiff übersetzen müssen. Der magische Zug, der erst vor wenigen Monaten fertig gestellt worden war, fuhr durch einen magisch erschaffenen Tunnel unterhalb des Meeres entlang. An der Küste Frankreichs taucht der Zug dann wieder auf und fährt in einen der wenigen, magischen Bahnhöfe ein.
Nach einer kurzen Mahlzeit im Speisewagen verziehe ich mich wieder in mein Abteil. Dort liegt inzwischen jedoch ein brauner Koffer auf der gegenüberliegenden Bank. Von dem Besitzer ist weit und breit nichts zu sehen, weswegen ich mich wieder in mein Buch vertiefe und schnell alles andere wieder vergesse.
Ein Ruck reißt mich aus meinen wirren Träumen und lässt das Buch, welches noch aufgeschlagen auf meinen Beinen liegt, zu Boden rutschen. Während des Lesens muss ich eingenickt sein und die ganze Fahrt verschlafen haben, denn der Zug hielt in einem Bahnhof, der vor Magie nur so vibrierte. Eulen schwebten unter der Decke entlang, Katzen streiften um die Beine der Hexen und Zauberer und einige Magier und Magierinnen flogen mit Besen über die Menge, um schneller voran zu kommen. Es herrschte ein einziges Durcheinander und nur langsam kann ich mich von dem Geschehen außerhalb des Zuges losreißen und selber aussteigen.
Verunsichert schiebe ich mich durch die Menschenmenge, zumindest versuche ich es. Von hinten schieben die Leute um vorwärts zu kommen, von vorne kommen Leute, die in den Zug einsteigen wollen und auch von links und rechts schieben die Menschen. Meine Kehle zieht sich zu und ich bekomme immer weniger Luft. Schnappend versuche ich meine Lungen zu füllen, während ich meine Tasche an mich presse. Schweiß tritt mir auf die Stirn, während mein Atem immer schneller wird. Panik erfüllt meine Gedanken und schaltet alles rationale denken aus, während meine Lungen nach Sauerstoff gieren. Meine Seite fängt an zu stechen, meine Hände werden nass und noch immer bekomme ich keine Luft. Die Menschen drängen mich immer weiter, als würden sie gar nicht merken was mit mir geschieht. Als würden sie gar nicht merken, dass ich hier gerade zu ersticken drohe.
Es stimmt wohl, dass man in den letzten Minuten seines Lebens an die wichtigen und schönen Momente im Leben denkt. Denn vor meinem inneren Auge tauchen Bilder meiner Eltern und meiner Schwestern auf. Szenen, wie wir zusammen Geburtstage gefeiert haben, wie meine Schwestern mit mir um den Küchentisch rannten und keiner von uns mehr wusste wer eigentlich der Fänger war. Und schließlich tauchte ein Gesicht vor meinem inneren Auge auf, dass ich noch nicht sehr lang kannte.
Braune, sanfte Augen schauen mich aus einem hellen, von Sommersprossen überzogenem Gesicht an. Rot-braune Haare hängen wuschelig in das schmale Gesicht mit der ebenso schmalen Nase. Sanft geschwungene Lippen, die sich kaum merklich zu einem Grinsen verziehen und dennoch kleine Grübchen erscheinen lässt.
Newt.
Schwarze Punkte verdunkeln mein Lichtfeld und leise murmle ich den Namen des britischen Zauberers, bevor ich merke, wie meine Sinne schwinden und ich in mich zusammen sacke.
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Die ersten ängstlichen Schreie sind zu hören, als die junge Frau in sich zusammen sackt und sich in eine große, schwarze Rauchwolke zu verwandeln drohte. Schnell bildet sich ein großer Kreis um das am Boden liegende Mädchen, das sich immer mehr aufzulösen scheint. Sie ist bereits zu tief in ihrer Ohnmacht, um den auf sie zulaufenden jungen Mann zu sehen, der sie vorsichtig in seine Arme nimmt und ihr beruhigend ins Ohr murmelt. Nur leise zieht sich die Wolke in den Körper zurück, doch als es endlich soweit ist, erhebt sich der Zauberer mit dem Mädchen auf den Armen, seinem Zauberstab in der Hand. Seinen Koffer und die Tasche der jungen Frau vor sich herschweben lassend geht er auf den Ausgang zu. Bereitwillig macht ihm die Menge Platz. Das letzte was man von ihm sieht, ist sein hellblauer Mantel.
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Mein schmerzender Kopf ist das erste, das ich spüre, als ich wieder zu mir komme. Als ich versuche die Augen zu öffnen und von dem Licht geblendet werde, wird es noch schlimmer, weswegen ich vor Schmerz aufstöhne und die Augen schnell wieder schließe. Ein Rascheln links von mir lässt mich meinen Kopf zu Seite drehen, doch noch immer lasse ich meine Augen geschlossen und versuche das Hämmern in meinem Kopf zu bekämpfen.
"Lass die Augen geschlossen, es wird bald besser", höre ich ein Wispern neben mir, während eine Hand sanft über meinen linken Arm streicht. Einen Moment genieße ich dieses ungewöhnliche Gefühl, bevor mir in den Kopf schießt, dass ich in einem Land bin, in dem ich niemanden kenne und somit auch niemand das Recht hat mich so vertraulich zu berühren!
Panisch richte ich mich viel zu schnell im Bett auf, bevor ich meine Augen öffne und den Schwindel zurückdränge. Ängstlich drehe ich meinen Kopf nach links und blicke in sorgenvolle, braune Augen. Die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Newts' Augen.
"E-es tut mir l-leid", stottert der schüchterne Brite da auch schon, "ich wollte dich nicht erschrecken." Unsicher schaut der Zauberer auf den Boden und scheint am liebsten verschwinden zu wollen, so unwohl scheint er sich zu fühlen. "Newt", hauche ich ungläubig, bevor ich mit einem Stöhnen wieder zurück in die Kissen sinke. Sofort ist Newts sorgenvoller Blick auf mich gerichtet und er nimmt meine Hand in seine warme Hand. "Ich hole jemanden, der dir was gegen die Schmerzen gibt, in Ordnung?", und schon will er meine Hand wieder loslassen und durch die Tür auf den Gang eilen, doch das lasse ich nicht zu. Vorsichtig greife ich nach seiner rechten Hand und ziehe ihn zurück:" Was ist passiert?" Ängstlich schaue ich ihn an, habe ich irgendjemanden verletzt oder etwas zerstört? War ich zu dem Monster geworden, dass jeder in mir sieht?
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So, endlich geht es weiter. Ich entschuldige mich vielmals für die lange Wartezeit, ich wusste einfach nicht wie es weiter gehen soll und war ehrlich gesagt auch ziemlich unzufrieden, bin es immer noch... Doch ich möchte euch nicht länger warten lassen, vor allem, weil ich demnächst in den Urlaub fahre und leider keine Zeit haben werde weiter zu schreiben...
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Ein Obscurus unter Zauberern
FanfictionAls Newt sich in Amerika befindet, begegnet er der amerikanischen Hexe Porpentina Goldstein, genannt Tina...// Soweit kennen wir alle die Geschichte, doch wie würde sich die Geschichte verändern wenn Tina und Queenie eine jüngere Schwester hätten, d...
