Kapitel 7

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Kaum, dass wir von Bord waren, zog mich Newt ach schon in eine dunkle Gasse und apparierte mit mir. Auch wenn meine Schwestern mich hin und wieder auf dem magischen Transportweg mitgenommen hatten, so konnte ich mich doch nicht an das Gefühl gewöhnen. Und diese Reise scheint auch noch länger zu sein, als die kurzen Strecken, die meine Schwestern immer zurücklegen So kommt es wie es kommen muss, kaum das wir landen, reiße ich mich von dem Engländer los und stürze auf die Büsche zu, um mich geräuschvoll in diese zu übergeben.

Als mein Magen endlich leer ist schäme ich mich geradezu dafür, dass ich mich über geben musste, doch Newt reicht mir lediglich eine Flasche Wasser zum Mund ausspülen und tut dann so, als wäre nichts passiert. Erleichtert folge ich ihm einen Kiesweg entlang, bis wir schließlich vor einem schmiedeeisernen Tor innehalten, das links und rechts von Steinsäulen gehalten wird. Auf jeder der Säulen sitzt ein geflügelter Eber und fasziniert beobachte ich die Details, die in den Stein eigearbeitet wurden. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.

Und dann sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben Hogwarts. Imposant und einschüchternd ragt es in den Nachmittagshimmel und doch hat es durch all die Türme etwas von einem Märchenschloss. Vor dem Schloss tummeln sich Schüler und Schülerinnen alles Altersgruppen und fasziniert versuche ich sie bei ihren Übungen zu beobachten. Doch dann reist mich Newt aus meiner Starre und erinnert mich an den Grund, weswegen wir hier sind.

"Sieh nur, da kommt Professor Dumbledore. er wird uns hineinlassen und uns dann helfen", Ehrfurcht und Freude liegt in seiner Stimme und er zeigt mit dem Finger den Kiesweg entlang, der sich hinter dem Tor fortsetzt. Mit den Augen folge ich seinem Finger und sehe schließlich einen großen Mann mit langen, braunen Haaren und einem fast genauso langen, ebenfalls braunem Bart. Blaue Augen funkeln hinter Brillengläsern hervor und lassen die Gewitztheit und die Klugheit die sich dahinter verbirgt nur erahnen. Gekleidet ist der Zauberer in eine mitternachtsblaue, bodenlange Robe, die über und über mit silbernen Sternen verziert ist und dem ganzen einen leicht komischen Auftritt verpasst.

Kurz vor dem Tor angekommen, schwingt der Zauberer seinen Stab und geräuschlos schwingt das Eisentor auf. Ehrfürchtig betrete ich das Gelände der Zaubererschule. Freundlich begrüßt uns der Professor, bevor er und Newt den Weg zum Schloss vorauslaufen. Langsam folge ich den beiden Männern, immer darauf bedacht nicht zu weit zurück zu fallen, während ich mich auf dem riesigen Schlossgelände umsehe.

Überall liegt Magie in der Luft. Ich kann sie schon fast riechen und je näher wir dem Schloss kommen, desto mehr spüre ich es auch am Körper. Die Härchen an meinen Armen richten sich auf, während die Magie die Luft zum knistern bringt. Immer mehr werde ich in diesen Strudel der Magie hineingezogen, spüre, wie sie nach mir ruf, mich in sich aufnehmen möchte, bereit ist mit mir ihr wissen zu teilen. Und dann plötzlich ist das Gefühl vorbei und ein Schmerz durchzuckt meine linke Wange, während mein Kopf nach rechts geschleudert wird. Im ersten Moment sehe ich nichts, außer schwarze Schatten, die mich um wirbeln. Nach und nach lösen sich die Fetzen auf und entgeistert stelle ich fest, dass sie in mich hineingezogen werden.

Meine schmerzende Wange haltend, sehe ich erschrocken in die funkelnden Augen von Professor Dumbledore, bevor mein Blick auf die ängstlichen Blicke der umstehenden Schüler fällt. "Nun Mister Scamander, ich fürchte, sie sind gerade noch rechtzeitig gekommen", wendet sich der Lehrer wieder an Newt und niedergeschlagen folge ich den beiden. Ich weiß was passiert ist. Ich hätte fast wieder die Kontrolle verloren und am Ende noch unschuldige verletzt.

Wütend auf mich selbst stiere ich auf den Rücken des älteren Zaubrers und eile den beiden hinterher. Wie konnte das passieren? Wie konnte ich zu einem Obscurus werden? Zu einem Wesen, dass von der ganzen Magierwelt gefürchtet wurde? Leise laufen mir due Tränen über die Wangen, unbemerkt von meiner Umgebung.

Wir betreten das Schloss durch ein großes Portal und gehen die ersten Treppen nach oben. Im 1. Stock biegen wir in eines der ersten Büros ein. Unsicher betrete ich den karg eingerichteten Raum. Schreibtisch, Stühle, Bücherregale und ein extra Tisch sind die einzigen Einrichtungsgegenstände und dennoch sieht der Raum gemütlich aus.

Vor dem Fenster steht der wuchtige Schreibtisch, über und über mit Pergamenten beladen. Dahinter ein gemütlich aussehender Stuhl mit hoher Rückenlehne und davor zwei normale Stühle mit niedriger Lehne. Unsicher setze ich mich neben Newt und sehe in die blauen Augen des Professors, der hinter dem Schreibtisch platz genommen hat.

Doch bevor er sich um mich kümmert, wendet sich Albus Dumbledore erst einmal seinem ehemaligen Schüler zu und respektvoll höre ich weg. Was die beiden zu besprechen hatten ging mich nichts an und war mir auch egal. Ich gehörte hier nicht hin. Ich wollte zurück nach Hause, zu meinen Schwestern, nach Amerika. Was sollte ich in diesem verregneten Land, in dem mich genauso jeder fürchtete und in dem ich eine Fremde war? In Amerika hatte ich wenigstens meine Schwestern...

Ein räuspern reißt mich aus meinen Gedanken und zusammenzuckend schaue ich in die blauen Augen vor mir. Freundlich schauen mich die Iriden an und das erste mal erkenne ich keine Angst in meinem Gegenüber. Unsicher schaue ich zu dem älteren Zauberer auf. Und dann erklärt er mir, was er für eine Idee hat.

"Nun, soweit uns bisher bekannt ist, entsteht ein Obsucurus nur, wenn eine Hexe oder ein Zauberer seine naturgegebene Magie unterdrückt. Der Fall in Amerika ist der erste ältere Obscurial, normalerweise sterben sie in sehr jungen Jahren. Das du so alt geworden bist, kann unter anderem daran liegen, dass du in einer magischen Familie aufgewachsen bist und in den letzten Jahren bei deinen Schwestern gelebt hast. Wahrscheinlich hast du ungeahnt ein wenig Magie gewirkt und den Obscurus so unter Kontrolle gehalten", forschend schaut mir der Professor in die Augen, fast so, als wollte er sehen, ich auch alles verstanden habe.

Mit einem Nicken meinerseits bringe ich ihn zum fortfahren. "Nun, da die Magie immer noch in deinem Körper ist, hatte ich die Idee, dass wir versuchen werden sie nach außen zu bringen. Das heißt wir werden dir einen Zauberstab besorgen und ich werde dich in Zauberei unterrichten Hoffen wir, dass wir die angestaute Magie kontrollieren können."

Freundlich lächelnd schaut der Zauberer mir in die Augen und streckt mir seine Hand entgegen. Hoffnung steigt wieder in mir auf und mit Tränen in den Augen schlage ich in die Hand ein. Endlich glaubte jemand an mich und endlich gab es für mich einen Lichtblick.


Ein Obscurus unter ZauberernWo Geschichten leben. Entdecke jetzt