Als ich aufwachte spürte ich eine weiche Matratze unter mir, doch das konnte nicht sein, immerhin war ich auf der Wiese unter Dugals Baum eingeschlafen und hatte den Demiguisen auf dem Schoß gehabt. Und doch lag ich in einem Bett, den Kopf auf einem Kissen und mit einer Decke zugedeckt. Verwirrt richte ich mich auf und stoße mir prompt den Kopf mit einem lauten klonk an der Decke über mir an. Mit einem schmerzvollen Stöhnen sinke ich wieder in die Kissen zurück. Vorsichtig öffne ich die Augen und sehe die Kabinendecke über mir. Wie war ich in die Koje in Newts und meinem Zimmer gekommen?
Diesmal vorsichtiger richte ich mich wieder auf und stütze mich auf meinen Unterarmen ab, um über die Bettkante nach unten zu schauen. Das untere Bett ist leer und auch das restliche Abteil, sowie das Bad, erweisen sich nach einer kurzen Untersuchung als leer. Wo also ist Newt?
Bevor ich weiter nach dem Engländer suche ziehe ich mir ein Kleid mit einer Strumpfhose und Stiefeln an, wasche mich und mache die beiden Betten.
Mein Blick fällt auf den braunen Koffer, der offen auf dem Boden liegt. Noch einmal schaue ich mich in dem kleinen Zimmer um, bevor ich langsam die Treppe nach unten in den Koffer gehe und durch den Schuppen zu den Gehegen gehe. Vorsichtig laufe ich durch die Gehege, bevor ich Newt bei den Occamys finde. Lächelnd schaue ich ihm dabei zu, wie er die Kleinen füttert und immer wieder "Mummy ist ja da" vor sich hin murmelt. Ihn noch immer beobachtend hocke ich mich unter den Baum von Dugal, der nach einigen Minuten des misstrauischen Beobachtens zu mir nach unten kommt und sich an mich kuschelt. Als ich an meinem silbernen Ring, der sich an meinem linken Mittelfinger befindet, drehe fängt der darin eingearbeitete Stein an zu funkeln. Hinter mir höre ich ein klirren und plötzlich sitzt ein kleines, schwarzes Tier, ähnlich einem Schnabeltier, auf meinem Schoss und zerrt an meinem Ring. Ein entrüstetes "Hey!", kommt mir über die Lippen und ich bin froh, dass der Ring sich nicht so leicht von meinem Finger löst. Durch meinen Ausruf auf mich aufmerksam geworden, dreht sich Newt zu mir um und kommt im nächsten Moment auf mich zu gehechtet, um den kleinen Kerl von meinem Finger zu pflücken. "Tut mir leid, sobald er was glänzendes sieht, muss er es einfach haben", entschuldigt Newt sich und bringt das Kerlchen wieder zu einer kleinen Höhle, in der es nur so von Gold und Edelsteinen funkelt. Fasziniert beobachte ich ihn, wie er mit dem schwarzen Wesen schimpft und ihn schließlich böse anfunkelt, bevor er zu mir zurück kommt und sich auf den Boden fallen lässt. "Das war mein Niffler, eigentlich ist er ganz brav, aber er hat schon länger nichts neues bekommen, weswegen er anfälliger ist, als sonst." Unsicher lächelt mich der Engländer an, bevor er seinen Kopf schnell wieder weg dreht. Fasziniert beobachte ich die Sommersprossen auf seiner Nase, die im Licht hier drinnen zu tanzen scheinen.
Als würde er meinen Blick auf sich spüren, dreht Newt seinen Kopf in meine Richtung und ertappt schaue ich auf den Boden, merke aber, wie meine Wangen warm werden. Bestimmt bin ich jetzt knallrot im Gesicht. Bei Merlin, wie peinlich, was er jetzt wohl von mir denkt? Und gerade als ich denke, dass es nicht noch peinlicher werden kann, knurrt mein Magen laut und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass sich der Boden unter mir auftut und mich verschlingt, doch natürlich wird mir dieser Gefallen nicht gemacht und ich höre Newt neben mir lachen. Aufgrund der beiden ungewohnten Geräusche zuckt der Demiguise auf meinem Schoss zusammen und wirrt innerhalb Sekunden unsichtbar. Ich spüre sein Gewicht auf meiner Schulter, als er über diese zurück in seine Höhle flüchtet.
Nun ist mein ganzes Gesicht heiß und ich weiß, dass ich die Farbe einer überreifen Tomate habe, als Newt plötzlich verstummt und ein leises "Entschuldigung" murmelt. Beide schauen wir auf das Nest vor uns und beobachten die kleinen Occamys, die eingerollt schlafen. Nach einer Weile erhebt sich Newt und hält mir seine Hand hin: "Vielleicht sollten wir zum Frühstücken gehen." Er hilft mir hoch und läuft mir voran zu dem kleinen Holzschuppen. Die Treppe nach oben und aus dem Zimmer hinaus zum Frühstückssalon. Während dieser ganzen Zeit schaut er mich kein einziges mal an und betrübt muss ich feststellen, dass mir das gar nicht passt.
In der Gegenwart meiner Schwestern war ich oft aufgeschlossen und vorlaut, doch wenn ich in der Nähe des Briten war, wusste ich einfach nicht, wie ich mich verhalten sollte. Immer hin hatte ich keinen erneuten Ausbruch und ich hege die Hoffnung, dass Newt vielleicht doch falsch lag und ich einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Doch ich erzählte ihm nicht von meinen Zweifeln, genoss ich seine Anwesenheit und die der Tierwesen doch viel zu sehr.
Und so vergingen die Tage. Noch vor dem Frühstück gingen Newt und ich in den Koffer hinunter und fütterten die Tiere. Dann gab es Frühstück und während der Engländer meistens schnell wieder in unsere Kajüte verschwindet mache ich Spaziergänge über das Deck oder beobachte die anderen Passagiere, während ich an der Reling stehe. Zum Mittagessen treffen wir uns dann meistens wieder und kümmern uns danach noch einmal um die magischen Tiere. Wir blieben meistens bis kurz vor dem Abendessen bei ihnen und Newt erzählte mir unglaublich viel über die unterschiedlichen Tierarten und wie er sie zu sich geholt hatte. Doch am meisten wuchs mir in dieser Zeit der Demiguise Dugal ans Herz. Nach einigen Tagen wartete er sogar immer vor dem kleinen Schuppe auf mich und Newt erklärte mir, dass er die wahrscheinlichste Zukunft vorhersehen konnte und so immer genau wusste, wann wir kommen würden. Doch auch die Occamy wuchsen mir immer mehr ans Herz und schließlich meinte Newt sogar, dass sie mich soweit akzeptieren würden, dass sie sich von mir füttern lassen würden.
Vorsichtig nehme ich die kleinen Raupen zwischen Zeigefinger und Daumen und halte sie dem ersten Küken hin. Misstrauisch beobachtet das kleine das Futter, bevor sein Kopf mit einer schnellen Bewegung nach vorne schießt und das Insekt verschlingt. Nacheinander bekommen auch die anderen etwas von der Leckerei und fasziniert beobachte ich die blauen, schlangenähnlichen Tiere, die doch so gar nichts mit den Reptilien gemein haben.
Als Newt an mir vorbei läuft, um zu den Bowtruckles zu gehen, stellt er den Eimer mit dem Futter der Mondkälber neben mir ab und seufzend komme ich seiner unausgesprochenen Bite nach, auch wenn ich lieber bei Dugal und den Occamys geblieben wäre. Am Felsen der Mondkälber angekommen pfeife ich einmal leise und die Tiere wuseln um mich herum. Eines der Weibchen scheint ein junges bekommen zu haben, denn sie liegt etwas abseits der Gruppe und hat ihren Körper schützend um ein kleines Wesen gelegt. Schnell sorge ich dafür, dass die mich umringenden Tiere genug zu fressen haben, bevor ich mich vorsichtig dem Muttertier nähere und ihr aus einiger Entfernung etwas zu Essen zuwerfe.
Dann endlich ist es so weit, England wird am Horizont sichtbar und noch immer kann ich nicht glauben, was ich bisher alles erlebt habe.
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Ein Obscurus unter Zauberern
FanfictionAls Newt sich in Amerika befindet, begegnet er der amerikanischen Hexe Porpentina Goldstein, genannt Tina...// Soweit kennen wir alle die Geschichte, doch wie würde sich die Geschichte verändern wenn Tina und Queenie eine jüngere Schwester hätten, d...
