11-haunted

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 "David? Bist du das?"

"Der einzig wahre.

"Oh mein Gott, was suchst du hier?"

Der breitschultrige Junge trat auf die Lichtung, die Sonne ließ seine braunen Locken leicht golden erscheinen.

Ich sprang auf und nahm ihn in den Arm.

"Ich muss dir sagen, dass die Jäger unterwegs sind. In Averis ist komplettes Chaos ausgebrochen, seit gestern, seit dem Tag an dem du hättest gekrönt werden sollen."

Seit gestern waren auch die Eiskristalle und die Träume da..

"Du zerstörst den Moment, David."

"Das Volk will dich als rechtmäßige Herrscherin und die Jäger kommen, um dich zurückzuholen. Gehe nicht mit ihnen."

"Wieso nicht? Dann bin ich wieder zuhause!"

"Carlos ist unter ihnen." Mein Lächeln schwand gänzlich.

"Carlos? Der Carlos, der mich einst umbringen wollte?"

"Ganz recht. Er ist nun bei den Jägern und will dich mitnehmen, doch ich traue ihm nicht. Bitte, Melian. Du hast mich damals vor dem Tod bewahrt, nun verhindere ich deinen."

"Du wirst wohl richtig liegen.."

"Es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass du die Chance nicht hast, wieder zurückzukehren."

"Ich vermisse Mutter und Vater so sehr und dich, das ist alles. Ich vermisse weder das Schloss, noch die Lügen meiner Eltern und Lord Jamorae."

"Berater Jamorae oder Lord Jamorae, wie du ihn nennst, ist schon längst kein Berater oder Lord mehr. Nach deiner Verbannung wurde er des Amtes entzogen, da er versuchte den König zu töten."

"Er hat versucht meinen Vater zu töten? Ich wusste doch schon immer, dass mit diesem Irren etwas nicht stimmt."

"Ja, aber was meinst du mit Lügen?"

Ich gab alles so wieder, wie Cassiel es mir erzählt hatte und zündete die Äste kurz an, um es David zu beweisen, dass ich wirklich eine Hexe war.

"Das glaube ich nicht! Es gibt also tatsächlich Hexen und Magie!"

"Nicht nur. Cassiel, von dem ich dir erzählt habe ist zum Teil Fuchs."

"Wie konnte König Amos das nur vor uns geheim halten?"

"Ich weiß es nicht, David. Ich weiß nur, dass meine Eltern entweder nichts von den Zauberkräften hier draußen wussten, oder Vater selbst ein Zauberer war und es mir nur nicht hat mitteilen wollen."

"Melian, ich muss gehen. Ich war seit vier Tagen nicht zuhause. Meine Mutter wird vor Sorge schon sicher umgekommen sein."

"Ich verstehe.." Ich ging zu ihm und zog ihn in eine sanfte Umarmung. "Pass auf dich auf, David."

"Mache ich." Ich lehnte meine Kopf an ihn und erinnerte mich kurz an die Zeiten, in denen David und ich als kleine Kinder immer durchs Schloss gerannt waren und ich spürte diese alte Sicherheit, die ich immer gespürt hatte, wenn David in der Nähe war, diese kleine Aufgeregtheit die mich seit jeher überkam, wenn er in der Nähe war. Doch was mir nun auffiel, das Gefühl war schwächer geworden. Vielleicht hatte ich mich zu sehr verändert. Vielleicht hatte mich der Wald zu sehr verändert und vielleicht hatte mich Cassiel zu sehr verändert.

Ein Schuss fiel. 

"Die Jäger", flüsterte ich leise zu mir. Ich wusste, dass David mich vor ihnen gewarnt hatte, doch ich war zu neugierig. Ich stand auf und bahnte mir meinen Weg zu dem kleinen Trampelpfad, den Cassiel und ich immer gelaufen waren, wenn wir Holz gesammelt hatten.

 "Wo ist sie? Wir irren schon seit Stunden im Wald herum!", sagte Carlos, dessen Stimme mich mich übergeben lassen wollte. 

"Ich weiß es nicht, Carlos. Würde ich es wissen, hätten wir sie doch schon längst ins Schloss gebracht!" 

Fünf Männer bogen um und ich konnte nur vage einen Blick auf Carlos' Gesicht werfen, bevor ich mich schnell hinter einem mit Efeu bewachsenen Baum versteckte.

"Vielleicht ist sie schon tot, das kann auch sein. Immerhin war sie die Thronfolgerin, sie wird wohl kaum im Wald überleben!", hörte ich Francis sagen, welcher mit acht Jahren aus Frankreich geflohen war. Schallendes Lachen ertönte darauf. 

"Ich bin nicht tot." Ich trat hinter dem Baum hervor. 

 "Melian-"

"Carlos, sei still." 

 "Wir müssen dir eine Nachricht überbringen und dich mit ins Schloss nehmen."

"Ihr bringt mich nirgendwo hin!"

 "Wir sind zu fünft und stärker als du, vergessen?"

Ich brannte einen Kreis um mich herum.

"Ich bezweifle, dass ihr problemlos durch Feuer laufen könnt."

"Wie hast du das getan?"

 "Ich bin eine Hexe und stärker als ihr zusammen, noch nicht gewusst?"

Sie schüttelten den Kopf.

"Also, ich will nach Hause, ist klar. Ich vermisse Mutter, Vater und alle Freunde die ich je dort hatte, aber wisst ihr, dort wurden mir und euch allen Lügen aufgetischt. Ihr hört mir jetzt gut zu, ihr geht zurück ins Schloss und erzählt meinen Eltern, dass ich glücklich bin. Hier, im Wald und weder sie noch irgendwelche Kleider aus Seide und Macht über das ganze Land brauche."

Während ich meistens auf Carlos fixiert war, hatte ich gar nicht gemerkt, wie sich ein anderer umgedreht hatte. Ein Fuchs kam plötzlich aus dem etwas weiter entfernten Dickicht gesprungen. Ich konnte nicht erkennen, ob er es war, oder ein ganz normaler Fuchs, doch ich meinte trotzdem ausmachen zu können, dass sich dort kein weißer Streifen befand und ich hatte trotz dessen Angst. Ohne zu zögern schoss der schwarzhaarige, der sich von mir abgewandt hatte. Sobald der Fuchs kraftlos zu Boden sank, wurde mir klar, dass das wirklich Cassiel sein könnte und ich rannte. 

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