Ich rannte zurück ins Lager. Stolperte immer wieder über Stämme und meine Beine waren schon blutig, da ich immer durch Dornengestrüpp gerannt war, doch es war mir egal. In meinem Kopf war nur sein Name. Cassiel, Cassiel, Cassiel, Cassiel. Mein Herz raste und ich rannte schneller. Das Eis, das sich wieder auf meinen Fingerkuppen bildete ignorierte ich ebenfalls und war einfach nur noch darauf bedacht, so schnell wie möglich das Lager zu erreichen, sicher zu gehen, dass Cassiel am Leben war. Ich wich Ästen aus und als ich stolperte, fiel ich in ein kleines Dornengewächs und riss mir die Wange auf, doch ich richtete mich wieder auf und bewegte mich immer schneller zu dem Ort, an dem ich vor ein paar Tagen aufgewacht war. Dann erreichte ich endlich die Lichtung. Er saß gelassen auf einem Baumstamm und schnitzte, er sah erschöpft und verletzt aus. Ich brachte es nicht zu Stande, etwas zu sagen, doch trotzdem blikte er auf und schaute mich an. Wie ich so da stand, komplett erleichtert ihn zu sehen, den Tränen nahe, unfähig mich zu bewegen.
"Melian, was ist los?" Er ließ sein Messer und den Stock fallen. Das löste meine Starre und ich rannte zu ihm, schlang meine Arme so fest um ihn, wie es ging. Er taumelte zwei Schritte nach hinten, erwiderte dann aber die Umarmung.
Mittlerweile weinend, nuschelte ich gegen seine Schulter: "Du lebst, du lebst, du lebst, Cassiel, ich dachte du wärst tot!"
"Shh, was ist denn passiert? Was ist mit deiner Backe?" Etwas perplex drückte er mich an sich.
"Du lebst!"
"Melian, beruhig dich."
"Du lebst! Du wurdest nicht von diesen idiotischen Jägern erschossen. Du bist nicht tot!" Schluchzend umarmte ich ihn noch fester, als würde mir das zeigen, dass er wirklich am Leben war.
"Melian." Er schob mich ein wenig von sich, doch ich quasselte immer weiter.
"Melian!" Langsam blickte ich ihn an.
"Du leb-" Seine Lippen streiften meine und ich hielt inne. Ich war unfähig mich zu bewegen und wollte einfach nur seine Berührung spüren, denn diese sandte Millionen von wohligen Schauern über meinen Körper. Dann löste er sich, blickte in meine Augen und strich sanft über meine unverletzte Wange. Mein Körper schrie nach mehr, meine Lippen wollten wieder seine auf meinen spüren. Mein Herz wollte wieder einen Satz machen und mein Gehirn wollte die restliche Welt ausblenden, nur Cassiel und mich existieren lassen.
"Ich lebe", flüsterte er.
"Du lebst", flüsterte ich, abwechselnd seine Augen und seinen Mund anschauend. Dann küsste ich ihn wieder und kein Blut floss mehr in meinen Adern, sondern Glück.
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Runner
FantasiIch war Thronfolgerin, ich hatte Macht. Ich war wunderschön, ich hatte Macht. Ich war schlau, ich hatte Macht. Ich wurde verstoßen, ich war alleine. Ich wachte auf, ich fror. Ich bin Melian, ich lebe. - Danke an @Federkie...
