Habe ich mir das Zischen bloss eingebildet?
"Töte sie!"
Das Blut gefriert in meinen Adern, erschrocken halte ich inne. Seine Stimme ist schrecklich nahe!
"J-ja Meis-ssster", zischt sie.
Ich muss hier weg!
So leise wie möglich drehe ich mich um. Gegen das feine Gehör einer Schlange bin ich eh chancenlos. Wie in Zeitlupe hebe ich meinen Fuss und setze ihn sanft ab. Als ich plötzlich ein leises Weinen höre, hämmert mein Herz schmerzhaft gegen meine Brust. Ich warte darauf, dass mein Herzschlag mich verrät und die Schlange sich auf mich stürzt.
"Bringt ihn zum Schweigen!", knurrt er wütend.
"Natürlich Meister", haucht eine Piepsstimme eifrig.
"Wo ist Lucius?" Seine Stimme ist kaum hörbar, doch selbst in der Ferne spüre ich ihre hypnotische Kraft.
"W-wir w-wissen es nicht", stottert einer.
"Habe ich das richtig verstanden Doyle? Ihr seid dabei gescheitert, ein kleines Mädchen gefangen zu nehmen und jetzt habt ihr auch noch Lucius verloren?", säuselt die Stimme. Meine Nackenhaare stellen sich auf, ich spüre deutlich die Gefahr. "Doyle?", ermuntert er ihn gekünstelt freundlich zu einer Antwort.
"D-das stimmt." Die Angst in seiner Stimme ist unüberhörbar.
"Weisst du, was ich mit Versagern mache, Doyle?"
"N-nein", ächzt er. Plötzlich flammt ein helles Licht auf und unmenschliche Schreie erklingen. Ich schliesse meine Augen und presse meine Hände gegen die Ohren, doch ich kann den unmenschlichen Schreien nicht entrinnen!
"Guten Appetit, meine Schöne."
Ich höre ein seltsames Knacken. Seine Knochen. Mir wird schrecklich übel, meine Beine drohen nachzugeben.
Nach einer qualvoll langen Zeit kehrt endlich Ruhe ein. Die Stille hat sich den Wald wieder zurückgeholt. Ich wage es nicht, mich zu bewegen und verharre deshalb in meiner unbequemen Position. Eine einzelne Träne kullert in Zeitlupe über meine Wange.
Noch nie in meinem Leben habe ich eine solche Angst verspürt! Ihre eisigen Klauen graben sich unerbittlich in mein Herz, der Schmerz raubt mir den Atem."H-herr?" Ich kann die Angst des Mannes beinahe spüren. "S-sollten wir sie nicht s-suchen?"
Er meint mich.
Mein Herz beginnt wieder zu rasen. Die Welt um mich beginnt zu flimmern, schwarze Flecken schieben sich vor meine Linse. Verzweifelt versuche ich ein Zittern zu unterdrücken. "Vertraust du deinem Meister nicht, Wurmschwanz?" Sofort lege ich meine Hände wieder auf meine Ohrmuscheln, Fürchterliches erwartend.
"D-doch-h, n-nat-türlic-ch", winselt er.
"Lass mein Bein los!", zischt er wütend.
"A-aber M-meiste-er", heult er. Mir wird übel angesichts seiner Unterwürfigkeit! Eher würde ich sterben, als mich jemandem so vor die Füsse zu werfen!
"Du solltest deinem Meister vertrauen." Sein angsterfülltes Fiepen droht mich zu zerreissen. "Wir müssen sie nicht suchen. Sie wird freiwillig zu uns kommen!"
Spöttisch schüttle ich meinen Kopf. Nie im Leben!
"Die Liebe", angewidert spuckt er das Wort aus, "macht sie alle verletzlich und schwach."
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Zauberfeder - Draco FF 🖌
Fiksi PenggemarLily hat eine besondere Gabe: Sie kann ihre Zeichnungen zum Leben erwecken. Um sie vor dem Zauberei-Ministerium und dem Dunklen Lord zu schützen, erzieht sie ihre Mutter in einem kleinen Fischerdorf in Portugal. Mit 13 Jahren erhält sie einen Brief...