"Siare ... mir geht's nicht gut."
Du beginnst zu zittern und dir wird unglaublich heiß. Kalter Schweiß läuft dir die Stirn herunter.
Ich sehe dich kritisch an. "Du bist verdammt blass. Setz dich !" Du folgst meinem Befehl und als ich dir dabei helfe, spüre ich etwas nasses an deiner Seite. Ich sehe genauer hin und blicke in einen tiefen Kratzer.
"Verdammt ... Ohje ... ich glaube du wurdest getroffen." zische ich. Ein Gefühl von Angst breitet sich in dir aus. Ich lege dich auf die andere Seite und spüle die Wunde gut aus, um Vergiftungen und Entzündungen zu vermeiden. Es brennt höllisch, doch du beißt die Zähne fest zusammen. Dass ich die Wunde auch noch Nähe, bekommst du aber kaum mit. Mit einem Verband um deinen Oberkörper helfe ich dir, dich wieder aufzurichten. Ich halte dir ein Stück Brot entgegen und krame in meiner Tasche.
"Nein .... auch nicht .... ohje .... der erst recht nicht ... hmm.. nein.. schon besser ... doch nicht... AH ! Na endlich" murmele ich vor mich hin während ich die verschiedensten Fläschen in die Hand nehme. Die mit einer grünlichen Flüssigkeit behalte ich und ziehe den Korken heraus. Ein süßlicher Duft steigt dir in die Nase. Der angenehme Geschmack betäubt deine Zunge und schlagartig lasse die Schmerzen nach.
Ich lächele dich an und erkläre: " Das ist ein Heiltrank. Ich habe ihn mit Schmerzmitteln gemischt, damit sollte dein Kratzer schnell verheilen. Beweg dich trotzdem nicht zu schnell, ich will nicht, dass die Naht aufreißt."
"Okay. Und jetzt ? Wir haben kaum mehr Zeit. Wohin müssen wir?"
"Komm!" erwidere ich nach einem kurzen Blick auf die Karte.
Sie sind nicht mehr weit. Das kann man genauso gut sehen wie spüren. Die Blätter sind grau, fast schwarz. Es ist totenstill und kein Windlein weht. Wir gehen immer langsamer und schleichen fast, damit man uns nicht bemerkt. Du willst gerade etwas zu mir sagen, doch während du dich umdrehst, bemerkst du, dass ich verschwunden bin. Hektisch siehst du dich um, doch weit und breit ist nichts und niemand zu sehen.
"Verdammter Mist!" fluchst du. Jetzt bist du auch noch ganz auf dich alleine gestellt. Grübelnd lässt du dich hinter einem großen Stein nieder. Deine Hand streicht durch das Laub und auf einmal streifst du etwas hartes. Du hälst es für einen Stein und willst es gerade wegwerfen, doch ein rotes Glänzen hält dich ab. Es ist das Amulett. Behutsam packst du es in deine Seitentasche ein und lauschst der Stille. Stille ? Nein. Da spricht jemand. Nicht nur einer. Drei Frauenstimmen sind zu hören. Schlagartig kommt es dir in den Sinn: Du hast die Fasa-Schwestern gefunden.
Du folgst den Geräuschen und siehst ein kleines Lagerfeuer und drei junge Frauen darum herumstehen. Etwas abseits liege ich bewusstlos und gefesselt an der Felswand.
"Was machen wir mit ihr ?" fragt die Erste.
"Ich bin dafür, dass wir sie essen. Wir haben so lange kein so schönes zartes Fleisch gehabt." ergänzt die Zweite.
Doch die Dritte faucht:" Seid ihr wahnsinnig ? Wir müssen sie behalten, als Sklavin wenn es sein muss. Was, wenn sie die Eine kennt? Vielleicht kann sie uns noch nützlich sein. Hat sie das Amulett?"
"Das Amulett!" staunen die ersten beiden. "Lass und nachsehen!"
So fangen sie an, meine komplette Ausrüstung zu durchsuchen, und zwar alles andere als rücksichtsvoll.
"Nichts!" schreit die Dritte verärgert. "Nichts." wiederholen die anderen.
"Sie war nicht alleine! Wo ist das andere Mädchen?"
"Welches andere Mädchen ... ?"
"DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN! WAS KÖNNT IHR EIGENTLICH?" fährt die Dritte die anderen beiden an. "Ich hatte doch ganz genau gesagt, dass wir jeden mitnehmen, der uns über den Weg läuft! "
Beschämt sehen die beiden anderen Schwestern zu Boden.
"Sucht ihr mich ?" rufst du ihnen dann auf einmal entgegen. Erschreckt blicken dich die Geschwister an. Ihre schwarzen Augen lassen dich erschaudern, doch du wendest den Blick auf mich. Dein Hand umfasst das Amulett fest und du ziehst es langsam hervor.
"Das ist es, was ihr braucht, nicht wahr ?" rufst du etwas leiser, aber nicht minder überzeugt. "Ich gebe es euch unter einer Bedingung."
"JA,JA ! GIB ES UNS!" kreischen die Drei in einer unerträglichen, mehrstimmigen Tonlage.
"Lasst sie frei!" Du deutest auf mich.
"Nein. Wozu willst du sie bitte brauchen ?" fragt die Eine grinsend. Speichel, so rot wie Blut tropft aus ihrem Mund und über ihr Kinn. Erst jetzt fallen dir ihre rasiermesserscharfen Zähne auf.
"Gut, dann nicht!"Du täuscht eine Bewegung mit deinem Dolch an, die es so aussehen lässt als würdest du das Amulett zerstören.
"NEIIIN!" kreischten sie dazwischen. "Also gut: Du bekommst sie." Die Frauen binden mich los und werfen meinen fast leblosen Körper vor deine Füße. "Jetzt gib es uns!"
"Immer mit der Ruhe!" rufst du, während du einen kleinen Schnitt an deiner Handfläche setzt. Das Blut tropft und vermischt sich mit dem leuchtenden Rot des Steins. Du wirfst es ihnen zu.
"Försvinner, mörka krafter!" schreist du mit voller Kraft. In dem Moment, in dem der Stein die Hand der einen Schwester berührt, beginnen die drei, stark zu leuchten. Die Amulette setzen eine ungeheure Kraft frei und sie wenden sich zu dir um. Bevor du durch die Anstrengung dein Bewusstsein verlierst, hörst du noch das Dankeslied der Fasa-Schwestern ...
Wir danken dir, Gebieterin,
unsrer tapferen Retterin.
Wir wünschten dich jeher herbei,
seit diesem Tage,
und nun sind wir alle frei,
Dank deiner wundervollen Gabe.
Jahre durchlitten wir all die Qualen,
ohne jene Sonnenstrahlen,
die unsere Seelen nun funkeln lassen,
unser Verstand war so verschnürt,
es ist kaum zu fassen,
Wie man jetzt die ewige Freiheit verspürt.
Wir danken dir, Gebieterin,
unsrer tapferen Retterin.
Denn du hast unsere Herzen befreit,
du führtest uns aus der ewigen Dunkelheit.
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Unheilschwestern.
FantasíaMein Name ist Siare. Hier kannst du mich auf meinem kleinen Abenteuer begleiten. Allerdings musst du eins wissen: Ich bin nicht normal. Ich sehe Geister, Dämonen und andere Wesen, die sonst niemand bemerkt. Es könnte sehr furchteinflößend sein, also...
