(PoV Jako)
Langsam öffneten sich meine Augen, um mir zu signalisieren, dass ich langsam wach wurde. Mein Nacken war steif und schmerzte als ich wieder voll und ganz bei mir war. Ich realisierte, dass ich wohl die ganze Nacht in dieser Position geschlafen haben musste. Kein Wunder, dass es schmerzte. Doch ich vernahm eine Decke auf mir liegen.
>>Man wollte mich wohl nicht wecken... Oh... Und was ist das denn für ein Geruch?<<
''Klappe!'' zischte ich leise fluchend in mich hinein. Ich hasste es, wenn mein Kopf mal wieder auf scheinheilig tat, aber dieser Geruch war wirklich äußert sonderbar und unbekannt.
,Immer der Nase nach' war nun die Devise, bis ich in einen Raum mit verschiedenen Gerätschaften und Kästen, in welchen man etwas hinein stellen konnte, vernahm. Leicht verdutzt, aber auch neugierig, setzte ich mich auf eine, ich denke es war eine Art langgezogener Stuhl und betrachtete den Raum, in welchem ich mich befand. Dieser Frodo drehte sich nach mir um. "Kaffee?" fragte er müde. Fragend blickte ich in sein Gesicht. Ich kannte dieses Kaffee nicht. Was war es? War es giftig? Warum trinkt man hier giftiges Gebräu? "Was ist Kaffee?" fragte ich neugierig und hoffte auf eine leicht verständliche Antwort. Stattdessen kassierte ich erneut komische Blicke von Frodo. So langsam fragte ich mich echt, was ich falsch machte. Man sagte mir, hier seien alle Menschen so nett, zuvorkommend, höflich und freundlich, aber alles, was ich bisher mitbekommen habe, war das komplette Gegenteil. Stumm saß ich da, wusste nicht so recht, was ich nun machen sollte. Etwas auszuprobieren traute ich mich auch nicht. Ich hatte Angst, etwas kaputt zu machen, also blieb ich starr sitzen, starrte alles an, was dort so herumstand. Wenig später stapfte ein weiterer Mensch in dieses, doch recht kleine Zimmer. Soweit ich es bei zerzausten Haaren und verknautschtem Gesicht erkennen konnte, war es wohl Niklas der hereinkam und sich zu uns setzte. Mein Blick wanderte wieder neugierig durch die Küche, bis ich durch Niklas unterbrochen wurde. ''Hast du noch nie eine Küche gesehen?'' richtete er lachend die Frage an mich.
Man musste mir wohl ansehen, wie ertappt ich mich fühlte. Leise wollte er es mit einer erneuten Frage bestätigt haben. ''Hast du wirklich noch nie eine Küche gesehen?''
Vorsichtig sah ich auf den Boden, ich fühlte mich in diesem Moment so unfassbar dumm und unbrauchbar. Auch bereute ich es, vom Stamm gegangen zu sein. Andererseits konnte ich die Schmerzen und deren brutalen Bräuche nicht mehr aushalten. Egal wo ich war, war es falsch. Zumindest fühlte ich mich so.
''Oh...'' kam es verdutzt wieder von Niklas, welcher mich dadurch aus meinen Gedanken riss.
Und nun blickten mich gleich zwei Menschen komisch an. ''Woher kommst du eigentlich?'', kam es harrsch von Frodo. Es fiel mir deutlich schwer zu antworten, auch machten es mir die wartenden Blicke auf mir nicht wirklich leichter. Ich fasste mir ein Herz und begann zögerlich zu erzählen, doch ließ ich vieles weg. Sich daran zu erinnern, ist schon schmerzhaft genug, aber davon zu erzählen, ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Ich begann von dem Stamm zu erzählen, von meinem Vater. Ich blühte förmlich dabei auf, doch die Skepsis riss mich sofort wieder auf den Boden der Tatsachen. Stille füllte den Raum und schien mich zu erdrücken. ''Und ihr glaubt... dass... naja... dass es eure Götter da wirklich gibt, oder was?'', fragte mich Frodo nach einiger Zeit hämisch. Ich nickte zustimmend, wodurch wieder eine erdrückende Stille eintraf.
(PoV Frodo)
Wow. Ich habe ja schon vieles erlebt. Aber so einen völlig durchgeknallten noch nie. Der war ja völlig von seinem Glauben, oder wohl eher von seiner Sekte, besessen! Er wollte mir doch wirklich weis machen, dass er in seinem gesamten Leben noch nie eine Küche gesehen hat. Oder einen Fernseher. Oder gar eine Couch. Das war doch kompletter Bullshit! Leicht genervt lehnte ich mich gegen die Wand. Er schien zumindest glaubwürdig. Doch es war viel zu übertrieben! Und was sagte er noch gleich? Witness? Woher hatte er denn diesen Humbug! Als ob er aus einem Märchenwald entsprungen sei! Wenig später sah ich, wie Niklas und dieser Jako aus dem Raum ging. Ich ließ mir das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen. Kopfschüttelnd nahm ich meinen Kaffee und mein Frühstück und versuchte es einfach zu verdrängen.
(PoV Niklas)
>>Was redet er da? Das klingt alles viel zu surreal! Ich wette, das ist keine Glaubensrichtung sondern viel mehr eine Sekte!<<, sprach ich in meinem Kopf, während sich dieser langsam zu Jako drehte. Leise bat ich Jako um ein Gespräch unter vier Augen. Ruhig nickte dieser und machte augenblicklich darauf Anstalten aufzustehen. Ich bevorzugte es, es in mein eigenes Zimmer zu verlegen. Wieso genau ich mit ihm reden wollte, wusste ich selbst nicht, aber irgendwas in mir konnte nicht glauben, was er sagte. Als ich die Tür zu dem Zimmer schloss, drehte ich mich zu Jako, welcher mich fragend ansah. ''Woher kommst du wirklich? Sag es mir!'', fing ich an zu fragen und bemerkte erst viel zu spät, wie grob ich doch klang. ''Es stimmt doch! Vater war ein herzensguter Mensch und...'' Ich ertrug es nicht länger und wurde mit der Zeit wütender! ''Hör auf zu lügen! Wer bist du eigentlich?''
(PoV Jako)
>>Wer bist du eigentlich?<<, hallte es in meinen Ohren wieder. Immer und immer wieder. Ich wusste nicht, was ich noch tun sollte, um ihn davon zu überzeugen. Es schien, als wäre die ganze Situation aussichtslos. Niklas ging zum Fenster und starrte verkrampft aus diesem. Ich traute mich nicht recht weiter zu erzählen, wie es im Stamm ist und vorallem nicht, wie Levi war. Ich vermisste ihn wirklich. Langsam begann ich zu verstummen, als ich an ihn dachte und merkte, mir würde hier sowieso keiner glauben. In deren Augen war ich nur ein durchgeknallter Typ, in einer, wahrscheinlich für sie gefährlichen, Sekte. Einerseits war es okay für mich, denn nur so konnte ich wirklich ein neues Leben in einer für mich unbekannten, neuen Welt beginnen. Seufzend ging ich zurück, in das Zimmer, in welchem ich schlief, ließ mich seufzend auf diese Couch sinken und begann mit mir selbst zu reden, während ich aus dem Fenster starrte. "Ich wäre so gerne unabhängig. Auf mich alleine gestellt. Doch wie, ohne Hilfe? Ich kenne doch nichts!''
Ein Sturm zog auf, während mich die Erinnerungen, ausgelöst durch die Tropfen, die gegen das durchsichtige Etwas prasselten, an den gestrigen Abend erinnerten. >>Wäre ich doch nur dort draußen geblieben. Es hätte mir so vieles erspart...<< Ich wusste absolut nicht was ich tun sollte. Sollte ich alles verheimlichen und auf warum reagierte Niklas so allergisch darauf? Er benahm sich ja fast schon so, als würde er nicht aushalten, was ich sagte. Aber wieso? Wie ein normales Stammesmitglied, sah er ja nun wirklich nicht aus. Egal wie sehr ich auch nachdachte, eine nachvollziehbare Lösung fand ich trotzdem nicht. Langsam artete der Sturm in ein heftiges Gewitter aus. Einzelne Blitze hellten im Sekundentakt den Himmel auf.
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Jar's Scars
Fanfiction*Das was wir wissen, ist nicht das, was wir sind.* Jako wächst fernab jeglicher Zivilation im Wald auf. Nur in Geschichten hört er von der ungläubigen und von Hass genährten Welt da draußen. Schon immer war ihm klar gewesen, das er anders war. Doch...
