Weil du mir irgendwas bedeutest

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Sie
Ich liebte meine Heimat schon immer. Ich wuch hier auf, erlebte gute Zeiten und schlechte Zeiten.
Das Wellenrauschen hier am Strand, die Sonne und diese Bar hier hinter mir.
Meine Sonnenbrille war zwar nicht verspiegelt, aber man konnte meine Augen trotzdem nicht durch erkennen.
Ich musste lachen, als sich meine Freunde im Wasser gegenseitig nass spritzten.
Ich hatte sie so lieb gewonnen, alle vier.
Durch eine unglaublich blöde Schicht bei einer Schulparty letzten Jahres haben wir uns alle kennengelernt. Ich war zuvor zwar nie ein Außenseiter, aber ich könnte mich niergens reinfinden. Hier schon.

Ich liebte das Wasser. Nichts machte mich glücklicher, als nach einem langen Tag in der Highschool eine Runde zu schwimmen, wenn auch im heimischen Pool, dass immerhin süß ist.

Heute ist Samstag und gefühlte 35 C° im Schatten, also hatten wir beschlossen an unser heimisches Meer zu fahren.
Ich übernahm gerade die 'Auf-unsere-Sachen-aufpassen Schicht' und lag demnach auf der Liege.

Meine Position wurde unangenehm und ich drehte mich einmal. Ich habe normalerweise kein Problem mit meiner üppigen Oberweite und meinen etwas kräftigeren Oberschenkel, aber in diesem Moment fühlte ich mich angreifbar, wenn ich meine Augen schließen wollte.
(So viel zum Thema 'Auf-unsere-Sachen-aufpassen Schicht')
Also legte ich meine Arme so, dass sie meine Oberweite verdeckten und stellte meine Beine so hin, dass man meine Cellulite nicht sah.
Ich wollte mich verstecken, vor dem Gerede anderer Leute, gegen dass ich vorne herum kein Problem hatte.
Vorne rum gelingt es mir immer gut zu dem zu stehen was ich bin und habe, aber ich habe oft auch Momente in denen ich mich verkriechen möchte, da ich diesem Druck nicht ewig stand halte.

Es war also nicht die bequemste Position, aber in diesem Falle für mich genug tuend.

Er
Ich lief auf sie zu.
Meine Jungs waren im Wasser, was sollte man den auch bei 30 C° im Schatten machen?
Schon von weitem bemerkte ich, dass irgendetwas anders war.
Sie sah nicht so selbstsicher aus, als in der Schule oder auf den Partys abens.
Sie lag auf der linken Hüfte. Ihre Oberärme überdeckten ihr fülliges und wunderschönes Dekolteè und ihre Beine standen in einem nicht bequem aussehenden Winkel auf der Liege.
Ich fragte mich, ob sie es extra tat, damit die Touristen die an unserem Stand entlang liefen nicht über ihre große Oberweite zu reden begannen, denn diese Position sah nicht gerade sehr bequem aus.
Aber das konnte ich mir nicht vorstellen. Sie ist die selbstbewussteste Person die ich kenne, das würde alles andere als zu ihr passen.

Ich verhielt mich ihr gegenüber vielleicht wie das letzte Arschloch die letzten Wochen, seit dem wir hin und wieder etwas miteinander zu tun hatten, aber noch nie habe ich mich über ihren Körper lustig gemacht.
Sie faszinierte mich, schon ab dem Moment seit ich sie zum ersten Mal gesehen hatte.
Wie jetzt fielen ihr ihre Haare wellig über die Schulter und sie hatte die selbe Sonnenbrille auf wie jetzt.

Warum ich mich ihr gegenüber wie ein Arschloch verhielt? Weil sie etwas mit mir macht, das ich nicht erklären kann.
Sie ist so taff, ehrlich und so wunderschön, von innen und außen.

Ich hatte kein Recht mich neben sie auf die Liege zu setzen und trotzdem habe ich es getan.

Ich schaute sie von oben bis unten an und plötzlich kam mir ein Gedanke.
Auch ein Mensch wie sie kann nicht immer selbstbewusst sein. Oder taff. Sie kann nicht immer so tun, als ob blöde Blicke und das Gemurmel ihr nichts ausmachen würde. Jeder Mensch fühlt sich mal nicht von sich selbst überzeugt und auch sie war nur einer.

Ihre Position sah einfach mega unbequem aus und ich war mir sicher, dass sie es bemerkt hat, als ich mich neben sie gesessen habe, auch wenn sie sich kein Stückchen bewegt hat.
Aber ihr Atem war nicht regelmäßig.

Plötzlich konnte ich einfach nicht mehr anders:
,,Mach deine Arme da weg und lege dich so hin, wie es dir bequem ist. Wenn jemand redet oder komisch schaut, bekommt er es mit mir zu tun."

Sie atmete tief ein ohne sich zu bewegen und ließ dann doch nach fünf Sekunden sich auf den Rücken gleiten, ihre Arme über den Bauch und ihre Beine gerade auf die Liege gelegt.

,,Weshalb tust du das für mich?" fragte sie von mir abgewandt.

,,Weil kein Mensch in einem schwachen Moment alleine sein soll."
Gedanklich fügte ich hinzu:
...Und weil du mir irgendwas bedeutet.

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 30, 2018 ⏰

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