Yoongi POV
Wie von der Tarantel gestochen springe ich auf und suche hinter der Theke nach der Fernbedienung für den Fernseher.
Normalerweise mache ich ihn immer lauter und schalte auf Musikkanäle um, wenn niemand da ist, deshalb liegt sie immer irgendwo griffbereit.
Jetzt allerdings mache ich ihn nur lauter.
Wegen Insomnia.
Und damit meine ich nicht die Schlaflosigkeit als Krankheit - oder zumindest nicht nur.
Genauso wenig wie ich einen Club in unserer Stadt meine.
Ich meine die Organisation "Insomnia", die Ansammlung von Menschen, die es alle zusammen geschafft haben, mir und Jungkook das Leben zur Hölle zu machen.
Sie haben mich dazu getrieben, das Feuer zu legen.
Sie haben unsere Mutter getötet.
Sie wollten Jungkook töten, um mich zu brechen.
Und ich habe mir vorgenommen, niemals wieder jemanden so nah an mich heranzulassen, damit sie niemals wieder jemanden haben, mit dem sie mich so in der Hand haben.
Jetzt habe ich Hoseok.
Aber darum geht es jetzt überhaupt nicht.
Jetzt gerade bin ich darauf fokussiert, den Fernseher lauter zu machen, um der Frau beim Nachrichtensender zuzuhören.
"Augenzeugen zufolge soll die berühmt-berüchtigte Truppe namens 'Insomnia' in letzter Zeit wieder aktiv werden. Berichten nach habe es mehr Nachrichten von ihnen gegeben als in den letzten Jahren zusammen. Auch lassen sich in den Großstädten des Landes vermehrt Graffiti-Zeichnungen mit ihrem Logo finden. Ob das Ganze wahr oder doch nur ein weiteres Gerücht ist, ist nicht sicher. Wir werden Sie wie immer auf dem Laufenden halten, aber bitte geben Sie trotzdem auf sich Acht. Sollte dies kein Scherz, sondern bittere Wahrheit sein, könnten Sie in großer Gefahr schweben. Und nun zum Wetter."
Ich mache den Fernseher wieder leiser und gehe langsam, mit stolpernden Schritten, zurück zu Hoseok.
Er will gerade ansetzen, zu sprechen, als eines der Walrösser sich lautstark zu Wort meldet und seine nicht besonders intelligente Meinung kundtut.
"Das ist doch eh nur Panikmache.
Dieses ganze Herumgerede von wegen Insomnia ist doch Schwachsinn.
Der Staat will uns nur Geld aus den Taschen ziehen!
Wir sollen uns schön brav Pfefferspray und neue Alarmanlagen kaufen und damit der Regierung Geld in den Hintern schieben.
Wahrscheinlich ist diese gesamte Organisation sowieso nur eine Erfindung unseres Staatsapparates und will uns so in Schach halten."
Ich gehe an Hoseok vorbei, rüber zu dem Tisch, an dem die beiden sitzen.
Das zweite Walross - dasjenige, das nicht gesprochen hat und somit um einiges intelligenter wirkt - sieht skeptisch aus, sowohl was das angeht, was sein Begleiter gesagt hat, als auch, weil ich mich vor dem Tisch der beiden aufbaue.
Und obwohl ich ziemlich klein bin, kann ich Eindruck machen, wenn ich das möchte.
"Jetzt hört ihr mir mal zu", beginne ich, noch ruhig, aber ich weiß ganz genau, dass ich am Ende dieses Monologes schreien werde, "wenn ihr denkt, dass Insomnia nur eine Einbildung ist und überhaupt nicht echt, dann handhabt es doch so wie die letzten Teenager, die sie sich geholt haben.
Posaunt auf allen Social-Media-Plattformen herum, dass ihr keine Angst vor Insomnia habt und es sie sowieso nicht gibt, und in ein paar Tagen seid ihr tot.
Wenn ihr wirklich denkt, es gibt Insomnia nicht, dann habt ihr absolut gar keine Ahnung.
Wenn ihr denkt, sie wären harmlos, habt ihr keine Ahnung.
Wenn ihr denkt, ihr wärt schlauer, stärker, schneller als sie, dann habt. Ihr. Keine. Ahnung!"
Bei den letzten Worten schlage ich mit der flachen Innenseite von beiden meiner Hände auf den Tisch, stoße mich dann ab, drehe mich um und gehe zurück zu Hoseok, der mich mit großen Augen ansieht.
"Was hast du denn erl-"
"Und du denkst also, du könntest uns damit Angst einjagen, ja?"
Langsam drehe ich mich um und schaue dem viel zu fetten, dummen Jungen ins Gesicht.
"Wenn du keine Angst hast", antworte ich, "dann bist du noch dümmer als ich dachte."
"Wovor soll ich denn bitte Angst haben?
Dass sie mir ein rotes X an die Hauswand malen?
Ich sag dir mal was: Dann übermale ich es einfach."
"Geh."
Er schaut mich verwirrt an.
"Was?"
"Du sollst gehen.
Raus hier, und komm nicht wieder."
"Ich bin hier Stammkunde."
"Jetzt nicht mehr."
"Ich verlange nach dem Geschäftsführer."
"Ich bin der Geschäftsführer!
Und jetzt: RAUS!"
Damit zeige ich auf die Tür und tatsächlich machen die beiden sich aus dem Staub.
Dann drehe ich mich um und setze mich zurück zu Hoseok.
"Was ist denn passiert?", fragt er mich vorsichtig, aber ich antworte ihm nicht, sondern starre nur ins Leere.
Nach ein paar Minuten frage ich: "Kann ich schnell mal dein Handy benutzen?"
Jungkook POV
Ich habe gerade einen Kunden bei sich zu Hause abgesetzt, als ich eine Nachricht bekomme.
Sie sind aktiv
- Yoongi (von Hoseoks Handy aus)
Und da ist er wieder.
Der altbekannte, leider nur zu gut begründete Verfolgungswahn.
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Taxi Driver (JiKook/KookMin)
Fanfiction„Wo ist Jungkook?" - „Ich weiß es nicht. Nach dieser behinderten ‚Versammlung' hat ihn niemand mehr gesehen." --- Jimin ist Student. Seine Noten sind verhältnismäßig gut, obwohl er sehr oft trinken geht und auch schon oft mit sehr viel Restalkohol z...
