Kapitel 15

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Amber Sullivan hatte sich in amerikanischer Geschichte die ganze Zeit immer wieder zu mir umgedreht. Mit dem Vorwand sie würde den Schülern zuhören, wenn diese aufgerufen wurden, aber dabei starrte sie immer mir ins Gesicht. Mit einem düsteren Gesichtsausdruck funkelte Amber mich an. Fühlte sie sich angegriffen, weil ich sie vorher vor dem Schultor einfach stehen lassen hab oder warum war sie auf einmal so gereizt? Mittlerweile ging mir die Stiefschwester von Kimberly Stone wirklich auf die Nerven. Ich hatte keine Ahnung was Amber's scheiß Problem war. Ja, ein Mädchen in unserem Alter wurde in unserer Kleinstadt getötet. Klar, jeder drehte durch, obwohl niemand dieses Mädchen gekannt hatte - das gaben zumindest alle vor. Alles drehte sich nur um das Mädchen, das anscheinend eine Kopie von mir war - lächerlich! Das war aber noch immer kein Grund, dass Amber, Kimberly und die anderen sich irgendwelche Verschwörungstheorien gegen die Polizei zusammenreimten und das selber in die Hand nehmen wollten, was auch immer das bedeuten mochte. So oder so, ich hatte keine Wahl. Wenn ich nicht belästigt werden wollte, brauchte ich Amber's Schutz und so musste ich in dieser bescheuerten Gruppe aus Teenagern, denen einfach nur langweilig war und Aufmerksamkeit erlangen wollten, bleiben. Ich war in eine ganz schöne Zwickmühle geraten und ich fragte mich wann dieser Alptraum endlich sein Ende nehmen würde...

Amber's rötliche Haare stachen in meinen Augen. Sie saß direkt vor mir. Ihre Haare hatten nicht dieses Art von rot, das man beim Frisör bekam. Amber's Haare waren natürlich und nicht gefärbt. Es war eine Art kupferrot eines rötlichen Goldtons. Keine Ahnung, ich konnte es nicht beschreiben. Jedenfalls war diese Farbe besonders. Ich hatte eine solche Farbe noch nie gesehen. Selbst nicht auf einer Farbpalette, wo eigentlich alle Farben der Welt vorhanden waren. Dieser Rotton war einzigartig. Ein Geheimnis genau wie Amber selbst. Ich konnte es nicht lassen und habe im Internet nach Menschen mit roten Haaren gegoogelt. Wusstet ihr, dass nur etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Weltbevölkerung rote Haare haben? Das war echt krass. Meist hatten diese Menschen helle blasse Haut mit Sommersprossen. Das traf auf Amber zu, doch sie hatte nur winzig kleine Sommersprossen auf ihrer Stupsnase, die man fast nicht sah. Ihre Haut war aber ziemlich hell und sie sah ziemlich empfindlich aus. Laut der Wissenschaft hatten Rothaarige sogar genetische Superkräfte. Anscheinend brauchen sie weniger Vitamin D und haben eine höhere Schmerztoleranz. Sie sollen anscheinend 25 Prozent mehr Schmerz aushalten können, was ich mir bei Amber mehr als nur vorstellen konnte. Dieses Mädchen schien aus Eisen geschmiedet worden zu sein - unzerbrechlich und kalt. Ich las auch über Neid bei Römerinnen, die ihren nordeuropäischen Gefangenen mit roten Haaren die Haare abgeschnitten haben sollen - Raub der Schönheit nannte man das. Ein uraltes Klischee war, dass Rothaarige im Mittelalter als Hexen galten, weil man ihre Haarfarbe mit dem Teufel und mit Gefahr in Verbindung brachte. Irgendwann wurde es mir dann aber zu blöd und ich habe mein Handy weggelegt und mich selbst gefragt, was für einen Schwachsinn ich da eigentlich las.

Nach einer halben Stunde erwischte ich mich dann aber wieder und googelte ihr Sternzeichen. Ich hatte mal gehört, dass Amber Geburtstage hasste. Sie hatte noch nie einen gefeiert. Warum das so war, konnte ich nicht sagen. Sie war eine totale Pessimistin, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen warum sie Geburtstage hasste. Also konnte ich auch nicht ihr Sternzeichen herausfinden. Ich bin jedes der Merkmale durchgegangen, aber irgendwie passte keins. Amber war, blieb und wird auch für immer ein Geheimnis für sich bleiben.

Ich warf einen genervten Blick zu Tessa, meiner Sitznachberin. Sie wurde von meinem Lehrer zu mir in die hinterste Reihe gesetzt, weil sie zu viel redete und lachte und da mein Lehrer wusste, dass ich kaum meinen Mund aufmachte, hatte er Tessa prompt neben mich gesetzt. Ein Strafe, die mich mein ganzes Leben lang verfolgen würde. Tessa erinnerte mich nämlich ein bisschen an Jade ... Genau wie Jade redete Tessa unterbrochen ohne Punkt und Komma. Sie glaubte alles, egal von welcher Quelle. Der Begriff Fake-News war anscheinend ein Fremdwort für sie. Tessa war wie Jade ein Plappermaul, das alles in ihrem Mund zu ihrem Vorteil verdrehte, um damit die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Genau das hatte Jade genutzt, als sie mit Sam das tote Mädchen am Strand gefunden hatte. Sie hatte prompt ein Gerücht in die Welt gesetzt und war dabei so überzeugt, sodass jeder in dem Mädchen mich sah - außer ich. Nicht nur, weil ich es nicht einsehen wollte, sondern weil das einfach nicht stimmte.

Jedenfalls hat Tessa irgendwann bemerkt, dass mir nicht zum Reden zumute war und so begann sie jede Unterrichtsstunde in amerikanischer Geschichte bei Mr Parker Musik durch ihre AirPods zu hören. Sie drehte die Lautstärke so laut, sodass ich fast jedes einzelne Wort hören konnte. Dabei nicht aufzufallen, fiel ihr leicht. Tessa hatte langes blondes Haar, das ihre Ohren verdeckte - perfekt, um unbemerkt Musik hören zu können - aber eine Qual für mich.

Mr Parker laberte irgendetwas von amerikanischen Präsidenten, doch ich hörte ihm nicht zu. Ich versuchte Tessa's nervige Musik und Mr Parker's Stimme auszublenden. Ich starrte aus dem Fenster, wie so oft im Unterricht. Kanntet ihr dieses Gefühl, nicht hierher- oder dazuzugehören? So fühlte ich mich ständig. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich irgendwie anders war. Nicht dieses typische Highschoolgirl aus Netflixfilmen, die hier in der Young in Massen herumliefen.

Als ich das Wort „Präsentation in Partnerarbeit" hörte, lief ein kalter Schauer meinen Rücken hinab. Wie ich dieses Wort hasste. Erstens, weil ich nicht vor der Klasse sprechen konnte und zweitens, weil ich immer alleine dastand und dann irgendeinen komischen Menschen abbekam, der die ganze Arbeit auf mich lud. Also nein, ich habe schon schlimme Erfahrungen mit Partnerpräsentationen. Auf eine weitere hatte ich echt keine Lust.

Ich hörte wie unser Geschichtslehrer erklärte, dass er jedem Paar einen Präsidenten zuordnen würde und wir eine ganze Biografie über ihn erstellen mussten, inklusive unserer Stellungnahme zu deren Politik. Mr Parker holte eine Liste hervor und ratterte unsere Namen hinunter. Mich entspannte die Tatsache etwas, dass er die Teams bildete, doch dann wurde mir wieder klar, dass ich so jeden abbekommen könnte. Mein Blick wanderte zu Jade, Sam und Cohen, die ebenfalls in meinem Kurs waren. Mir wurde schlecht, wenn ich daran dachte an einem Projekt mit ihnen zu arbeiten. Mir waren meine Noten wichtig. Als mein Blick dann aber auf den Platz vor mir fiel, wurde mir noch übler. Und plötzlich schien das Schicksal mir eins auszuwischen, denn als ich auf Amber's Rücken starrte, fiel ihr und mein Name. „Amber Sullivan und Grace Morris - John F. Kennedy." Ich zuckte zusammen. Sollte das ein Scherz sein? Sie und ich? Wie sollte das funktionieren?

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Als wir in die Pausen liefen, fing Amber mich ab. „Ich komme nach der Highschool zu dir", beschloss sie, ohne mich gefragt zu haben.

Heute morgen konnte ich ihr noch die Stirn bieten, aber jetzt nickte ich nur wieder stumm. Was war verdammt nochmal los mit mir? Ich wusste, dass das von heute morgen nur eine Ausnahme war und weil ich meinen besten Freund Joe im Rücken hatte. Ich könnte niemals so selbstbewusst sein.

„Ich warte später vorne am Tor auf dich", entschied Amber.

Ich nickte und lief weiter, während ich mir ausmalte, was passieren würde, wenn Amber in meinem Haus war. Zum Glück waren Mom und Dad in der Klinik arbeiten. Bis jetzt waren eben nur Joe, Serena und früher eben Summer bei mir Zuhause. Ich bekam ein mulmiges Gefühl was Amber vielleicht alles anstellen konnte und ich bekam eine Gänsehaut bei diesem Gedanken.

Es waren bereits alle Schüler in den Pausen und Amber lief hinter mir nach draußen. Ich hasste es, wenn sie hinter mir war.

Aber plötzlich passierte es.

Ich lief in ihn... Damian Wayne...

Just The Way You AreGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt