6. Kapitel

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Entschlossen auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu fliegen ließ sich Brian zurück in das angemietete Haus fahren. Wütend packte er seine Sachen zusammen. Er war fertig mit der Band. Er war fertig mit diesem Teil seines Lebens. Seine Wut auf Nick übertrug sich auf Leighanne, denn sie hatte Ihm den Ausstieg ausgeredet. Hätte Sie seinen Wunsch respektiert, wären all diese bösen Worte nie ausgesprochen worden. Während er seine letzten Sachen in den Koffer schmiss, spürte er erneut sein rasendes Herz. Es stolperte heftig in seiner Brust. Die Luft wurde dünn. Schnell nahm er eine seiner Tabletten, eilte in den Garten und japste nach Luft. Doch auch die frische, kühle Londoner Luft ließ Ihn nicht besser atmen. Er stützte sich auf den Tisch nah am Pool und versuchte seine Atmung zu beruhigen. Eine erneute Panikattacke verkraftete er heute nicht. Doch all die Worte die Nick Ihm heute an den Kopf geknallt hatte und sein verbitterter Blick, linderten die Attacke nicht. Sie bestärkten sie. Es bekam kaum noch Luft und Ihm wurde schwindelig. Er versuchte nicht den Halt zu verlieren, doch schon im nächsten Moment rutschte sein Arm weg, sein Kopf knallte auf die Tischplatte und er sackte zu Boden. Sein halber Körper hing im Pool und irgendwann rutschte er komplett in den Pool.

Zur selben Zeit waren AJ, Kevin und Howie auf dem Weg zurück zum Haus. Nick hatte sich geweigert mitzugehen.
Kevin war auffällig still. „Hey, Kev. Los, sag was", bettelte AJ schon fast. Er warf Howie einen besorgten Blick zu. „Nein, ich will nichts sagen. Sonst sage ich etwas was ich später bereue." AJ seufzte. „Wir hätten nicht nach London kommen sollen", sagte er frustriert. „Jetzt übertreib mal nicht", maulte nun auch Howie. „Du siehst doch wohin das geführt hat. Brian ist abgehauen. Nick auf dem Mega-Egotrip und wir zicken uns auch an, wie ein Haufen pubertierender Mädchen." Howie grinste leicht und auch AJ huschte ein leichtes Lächeln auf die Lippen. „Meint Ihr Brian ist schon weg?", fragte Howie nachdenklich. AJ seufzte. „Ich hoffe nicht. Ich hoffe, er und Nick reden nochmal miteinander." „Das ist kaputt. Für immer", sagte Kevin ohne die beiden anzusehen. „Ach komm schon. Wir haben uns doch auch oft schlimme Worte an den Kopf geworden", meinte AJ nachdenklich. „Das waren mehr als schlimme Worte. Jedes einzelne Wort war ernst gemeint. Von beiden." Kevin seufzte nun laut. „Brian hat jetzt das was er die ganze Zeit wollte, seit er von seiner Krankheit weiß. Er wird auf einer Seite erleichtert sein uns nicht zur Last zu fallen und auf der anderen Seite mächtig sauer auf Leigh sein, weil Sie seinen Wunsch nach dem Ausstieg nicht respektiert hatte. Jetzt hat er was er will." Kevin lehnte sich im Sitz zurück. „Aber was ist mit uns?", fragte AJ. „Was machen wir jetzt?" Kevin drehte den Kopf zu Ihm. „Wir beruhigen uns jetzt alle erstmal. Und dann sehen wir weiter."
In diesem Augenblick fuhr der Wagen in die Einfahrt des Mietshauses. Alle drei waren sehr nachdenklich und betraten das Haus. „Ich seh mal nach ob er noch da ist", sagte AJ, der immer noch nicht bereit war, dass alles so hinzunehmen. Sie waren Freunde. Brüder. Hatten soviel zusammen gemeistert. Er wollte nicht akzeptieren, das das einfach alles jetzt vorbei war. Sachte klopfte er an die Tür von Brians Zimmer. „Rok? Bist du da?", fragte er und schob die Tür weiter auf. Doch von Brian war nichts zu sehen. Sein Koffer lag auf dem Bett und AJ sah sich irritiert um. „AJ", schrie Kevin aufgebracht von unten und er eilte herunter. Er sah noch wie Kevin in den Pool sprang und mit schnellen Schritten eilte er auf die Terrasse. Geschockt sah er Brian leblos auf der Wasseroberfläche treiben. „Shit", murmelte er. Kevin packte nach Brian und zu dritt hievten sie Ihn aus dem Pool. „Ruft einen Notarzt", schrie Kevin und schob sich aus dem Pool nach oben. Er und AJ drehten Brian herum und Kevin versuchte einen Puls zu fühlen. „Ich ... ich kann Ihn nicht finden", sagte er leise und das Wasser tropfte von Ihm herab. Hektisch begann er mit der Herzdruckmassage. Er triefte vor Wasser und verzweifelt sah er zu Howie. Die nasse Kleidung ließ seine Arme schwer werden und er hatte den Drang danach einfach aufzuhören, da es sehr schmerzte. Aber es war sein geliebter Cousin. Er durfte nicht aufhören. „Ich kann nicht mehr", sagte er und die Tränen stiegen Ihm in die Augen. AJ trat neben Ihn und übernahm. „Fühlt Ihr einen Puls?", fragte er aufgeregt. Howie nahm Brians Arm und schüttelte leicht den Kopf. „Rok. Hör mir zu. Hier wird nicht gestorben. Damit das klar ist. Wir sind noch nicht fertig", schimpfte AJ und drückte heftig. In diesem Augenblick hörten sie die Sirene und Howie eilte vor die Tür, um den Sanitätern den Weg zu zeigen. „Was ist passiert?", fragte einer der beiden und kniete sich neben Brian. „Wir haben Ihn im Pool gefunden", antwortete Howie. Der Sanitäter nickte leicht und zusammen mit seinem Kollegen begann er mit der Versorgung. „Hier ist Blut", stellte einer der beiden fest und er sah sich Brians Kopf an. „Er wird sich den Kopf angeschlagen haben und in den Pool gefallen sein", mutmaßte er. „Wir intubieren und legen die Infusion. Dann schnell ins Krankenhaus." Mit geübten und schnellen Handgriffen wurde Brian intubiert und auf die Trage gehievt.


Auf dem Weg ins Krankenhaus versuchte AJ aufgebracht Nick zu erreichen. Doch dieser reagierte nicht. Er motzte Ihm einige Nachrichten auf die Mailbox und setzte sich schließlich zu Kevin und Howie. „Der Idiot geht nicht ran. Der kann was erleben", schnauzte AJ. Kevin legte seinen Arm auf AJ Schulter. „Beruhig dich. Wir müssen Leighanne anrufen." Er stand auf. „Ich mach das mal." Er trottete einige Schritte in eine Ecke und machte den wohl schwierigsten Anruf seines Lebens. AJ begann nervös an seinen Fingernägeln zu kauen. „Diese Warterei ist eine Qual", murmelte er. „Meinst du es war ein Unfall?", fragte Howie vorsichtig. AJ drehte sich zu Ihm und sah Ihn entgeistert hat. „So was würde Brian niemals tun. Ganz bestimmt nicht", sagte er und dachte erschrocken an den Moment in der Nacht zuvor. Hatte Brian vielleicht zur Beruhigung seine Tabletten genommen? Und vielleicht mehr als eine? Mit großen Augen starrte er auf den Boden, als endlich ein Arzt vor Ihnen auftauchte. „Sind Sie die Angehörigen von Mr. Littrell?" Kevin kam eilig dazu. „Ich bin sein Cousin." „Mr. Littrell hat sich schwer den Kopf angeschlagen. Wir können nicht genau sagen, wie lange er schon im Wasser gelegen hat. Wir haben einen schwachen Puls und einen einigermaßen normalen Herzschlag. Wir haben Ihn in eine künstliches Koma gelegt und überwachen Ihn streng. Wir können nicht sagen, ob er Hirnschäden davon tragen wird. Wir müssen abwarten." Kevin brauchte einen Moment, ehe er endlich die Worte fand. „Wird er wieder aufwachen?" „Das können wir noch nicht sagen. Uns fehlen noch Testergebnisse und auch die Einschätzung unseres Neurologen." „Danke, Doktor", sagte Kevin ruhig. „Sie können später zu Ihm. Wir verlegen Ihn noch auf die Intensivstation." Kevin nickte und ehe er auch was sagen konnte, hatte AJ Ihn in seine Arme gezogen und augenblicklich kullerten die Tränen seine Wangen herunter. „Ist er tot?", kam es plötzlich hinter Ihnen und Nick stand kreidebleich vor Ihnen. Kevin wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Nein. Aber wir wissen nicht ob er wieder aufwacht", erklärte er. Nick blickte die drei ungläubig an. „Das... das wollte ich nicht...", stammelte er. „Er ist doch .... Er ist doch mein .... mein bester Freund", stolperte es aus Ihm heraus und schließlich brachen alle Dämme. Er sackte zu Boden und Howie konnte Ihn gerade noch halten. Er zog Ihn in seine Arme und ließ Ihn einfach weinen. Niemand sprach ein Wort. Niemand war dafür verantwortlich. Das war ein schrecklicher Unfall gewesen, davon waren alle überzeugt. . Es dauerte eine ganze Weile ehe sich Nick beruhigte und alle sich schweigend in eine Ecke des Wartebereiches zurückgezogen hatten.Eine Stunde später stand der Arzt erneut vor Ihnen. Alle vier sprangen auf. „Sie können gleich zu Ihm. Allerdings habe ich eine Frage. Wir haben in seiner Tasche die Tabletten gefunden. Wissen Sie wofür er die bekommen hat?" Kevin räusperte sich. „Er hat Probleme mit seiner Stimme und dadurch schlimme Panikattacken. Dagegen wurde Ihm diese verschrieben." AJ schluckte schwer. „Hmm... merkwürdig. Das sind ganz starke Beruhigungsmittel. Wenn diese falsch dosiert werden..." Ernst sah der Arzt die vier an. „Glauben Sie er hat zu viele davon genommen?", fragte Nick erschrocken. „Ich glaube, dass kann uns nur Mr. Littrell sagen." AJ nahm all seinen Mut zusammen. „Er hat keine Überdosis", sagte er ernst. „Eine Tablette reicht aus Ihn vollkommen auszunocken. Ich hab Ihn letzte Nacht gefunden und habe das gleiche gedacht. Doch er hat mir versichert, dass er nur eine genommen hatte." Der Arzt nickte leicht und deutete auf den Gang. „Sie können jetzt zu Ihm." Nachdenklich folgten sie dem Arzt und betraten schließlich das Krankenzimmer.
Da lag er an diversen Geräten angeschlossen. Überall an seinem Körper waren Kabel und Schläuche. Viel war von Ihm nicht zu sehen. Sein Gesicht war verdeckt vom Beatmungsgerät. Es piepte in jeder Ecke des Raumes. Langsam trat Nick an sein Bett und tastet zögerlich nach Brians Hand. „Es tut mir so leid", flüsterte Nick und er starrte geschockt auf dieses schreckliche Bild. Es brannte sich in seinen Kopf. Nie wieder würde er dieses Bild vergessen. „Bitte komm zurück. Ich wollte das alles nicht." Bitterlich begann Nick nun zu weinen. Er sackte auf die Bandkante und umklammerte fest Brians Hand. Er war nie ein gläubiger Mensch gewesen, aber er hoffte inständig das Brian wieder zu sich kommen würde.

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