3. Kapitel

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Lachend kam er ins Studio und wurde freudig in Empfang genommen. „Hey, Rok. Du siehst schon besser aus, als vor einigen Tagen", sagte AJ und klopfte Ihm auf die Schultern. „Danke. Mir geht es auch besser." Kevin betrat das Studio und umarmte Ihn zur Begrüßung. „Siehst gut aus. Alles gut?", fragte er leise. Brian lächelte. „Danke. Mir geht es gut." Kevin lächelte erleichtert. „Das freut mich."
Nick zupfte an Brians Shirt. „Rok, ich habe soviele tolle Ideen für uns. Das wird groß." Brians Lächeln wurde schmaler. „Jungs, wir müssen reden", sagte er ernst. Erschrocken sahen die anderen Ihn an. „Ist was passiert?", fragte AJ. „Wollen wir uns setzen?" Irritiert sah Nick zu Kevin. „Ich bekomme Angst", sagte er. „Los, setzt dich, Kleiner", sagte Kevin und schob Ihn zum Sofa. Alle sahen Brian erwartungsvoll und sichtlich verwirrt an. Brian räusperte sich. „Ich muss Euch etwas gestehen. Und es ist nicht einfach. Es macht mir Angst. Sehr große Angst." AJ sah zu Kevin der nur aufmunternd nickte. „Ihr habt ja mitbekommen, dass ich in den letzten Wochen stimmlich und physisch stark angeschlagen war. Ich habe es auf den ganzen Stress der letzten Jahre geschoben. Die Erkältungen die sich gehäuft haben. Seit einigen Wochen weiß ich, dass ich an einer Muskelverspannung der Stimmbänder leide." Er stoppte und sah in die erschrockenen Gesichter seiner Bandkollegen. „Und das heißt was?", fragte Howie. Brian holte tief Luft. „Das bedeutet das ich nicht mehr singen kann. Zumindest nicht mehr so wie früher. Die Muskeln verspannen und mir bleibt wortwörtlich die Stimme im Hals stecken." Nicks Finger fuhren zu seinem Mund. Geschockt biss er auf seinem Daumen herum. „Und jetzt!? Was machst du jetzt? Willst du etwa aussteigen?" „Ehrlich gesagt war das bis gestern Abend mein Plan", gestand er. „Ich habe Angst auf die Bühne zu gehen. Ich bekomme Panik, Schweißausbrüche und im schlimmsten Fall falle ich um." Nick sprang auf. „Bist du vollkommen bekloppt?", schrie er Brian an. „Das glaube ich dir nicht. Du kannst doch nicht einfach so plötzlich Angst bekommen. Du bist doch Brian. Du liebst es auf der Bühne zu stehen." Brian lächelte müde. „Ja, das tue ich. Aber im Moment kann ich es nicht. Und Ihr habt gehört wie ich klinge. Ich muss eine spezielle Therapie machen." AJ zog Nick am Hemd. „Los, setz dich." Dann sah er zu Brian. „Was können wir tun?" „Nicht viel. Ihr braucht ein bisschen Geduld mit mir, bis die Therapie und die Medikamente richtig anschlagen. Und ich muss daran glauben, dass ich es schaffen kann." Howie sah Ihn an. „Tust du das nicht?" „Nein", gestand er ehrlich. „Zumindest nicht so, wie ich sollte." Das Studio war plötzlich still. Keiner wagte etwas zu sagen. Nick biss wieder auf seinen Fingern herum. Er konnte nicht glauben, dass sein bester Freund nicht mehr in der Lage war zu singen. Brian hatte die beste Stimme von allen und hob Ihre Musik auf ein besseres Level. Und das sollte nun nicht mehr möglich sein? „Habt Ihr noch Fragen?", fragte Brian mutig in die Runde. Nick blickte auf. „Ich habe einen Haufen Fragen. Aber vielmehr möchte ich wissen, warum du nichts gesagt hast. Sind wir dir nicht mehr wichtig?" Ärger legte sich in seine Stimme und er hatte Mühe nicht komplett aus der Haut zu fahren. Brian sah Ihn an. „Doch Ihr seit mir sehr wichtig. Aber kannst du dir vorstellen, dass ich ziemlich geschockt war, als ich die Diagnose bekommen habe? Das hier mit Euch ist mein Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das so nicht mehr machen kann. Es lähmt mich total. Und ich wollte lieber flüchten und mich verstecken, als Euch die Wahrheit zu sagen. Ich bin eine totale Belastung für Euch. Dieses Gespräch hier kostet mich so dermaßen viel Überwindung, dass ich eigentlich schon wieder zusammengebrochen wäre. Doch ich habe gestern, dass erstmal so etwas wie Hoffnung erlebt. Und ich kann Euch nicht versprechen, ob das alles funktioniert. Ich kann Euch nur um Geduld und Verständnis bitten." Nick funkelte Ihn immer noch an. Er war enttäuscht von Brian. Sie waren doch Brüder. Alles erzählten sie sich. Doch dieses wichtige Detail behielt er für sich. AJ stupste Nick an und zog Ihn aufs Sofa zurück. „Beruhig dich mal. Wir können alles klären. Und wir finden eine Lösung." Er wandte sich an Brian. „Kannst du die Reise mit uns antreten?" Brian fuhr sich durch das Haar. „Ja. Ich bekomme Übungen von meinem Arzt an die Seite, die mich in der Therapie unterstützen." AJ nickte. „Gut. Dann fliegen wir Samstag nach London. Mit dir an Board", sagte er und grinste. Brian lächelte erleichtert. „Mit mir an Board." AJ sprang auf und nahm Brian stürmisch in den Arm. „Wir schaffen das", murmelte er Ihm ins Ohr. „Danke, Dude." Brian war sichtlich erleichtert, doch Nicks Verärgerung trübte das Gefühl merklich. Nick ignorierte Ihn den Rest des Tages im Studio und verschwand ohne ein weiteres Wort am Abend nach Hause. Kevin zog Brian in den Arm. „Das war gut. Und mutig." Brian nickte leicht. „Aber Nick ist mächtig sauer." „Der kriegt sich schon wieder ein. Gib Ihm ein bisschen. Samstag will er sicherlich schon wieder dein Zimmerpartner sein." Kevin lachte auf und verabschiedete sich von Brian und dieser machte sich nachdenklich auf den Weg nach Hause.

Dort warten bereits Leighanne und Baylee auf Ihn. Sie waren von Ihrer kleinen Casting Tour zurück. Er lächelte als er die Küche betrat. „Hi, Babe", sagte er und kam auf Leighanne zu. Überrascht gab er Ihr einen Kuss. „Hi", stammelte sie. Er war verändert. Fast schon wie früher. „Alles ok?", fragte sie vorsichtig. „Ja. Ich habe heute einen Termin mit meiner neuen Ärztin gehabt. Wir haben die Therapie besprochen. Und ich habe mit den Jungs gesprochen." Leighanne sah Ihn ungläubig an. „Wow", war das einzige was sie sagen konnte. Brian lachte bei Ihrem Gesichtsausdruck. Vorsichtig nahm er Ihre Hände in seine. „Es tut mir Leid, wie ich mich die letzten Wochen benommen habe. Es war unfair und egoistisch. Bitte verzeih mir." Leighanne lächelte leicht. „Ich bin dir nicht böse. Ich bin erleichtert, dass du endlich Hilfe annimmst." Erneut gab er Ihr einen Kuss. „Ich geh eben duschen", sagte er und ließ Leighanne in der Küche alleine. Sie wusste nicht was sie denken sollte. War er endlich auf dem
Weg der Besserung? Oder war das nur eine Phase und er würde wieder in alte Muster zurückfallen?


Am Samstag war es soweit. Alle flogen gemeinsam nach London. Die Stimmung war gut. Brians Motivation hielt an. Doch Nick sprach immer noch kein Wort mit Ihm. Er saß mehrere Reihen weg von Ihm und starrte den ganzen Flug auf sein IPad oder schlief. Auch im Haus angekommen ignorierte er Brian. Er zog sich in sein Zimmer zurück und spielte auf seiner Gitarre herum. Brian stand nachdenklich in der Küche des Hauses und rührte in seiner Teetasse herum. Howie kam zu um und lächelte. „Na, hast du dich schon eingelebt?" Brian lächelte leicht. „Nee. Das dauert noch ein bisschen. Magst du auch einen Tee?" Howie nickte und setzte sich an den Tisch. Brian goss den heißen, frisch aufgebrühten Tee in eine weitere Tasse und reichte sie Howie. „Danke. Hier schau mal. Ich habe gestern Abend schon mal angefangen was zu schreiben. Wie findest du es?" Er drehte den Laptop zu Brian. Dieser setzte sich neben Howie und bereits einige Minuten später saßen beide konzentriert und mit Spaß an dem Song. Diese Momente waren kostbar. Brian erlebte sie nicht nicht oft. Kaum hatte er das Haus am Vorabend betreten spürte er wieder die Angst und Unsicherheit in sich aufsteigen. Die Sorge den Ansprüchen der Anderen nicht gerecht zu werden. Doch in diesem
Moment war es wieder vergessen. „Ändere das hier mal. Das ist noch nicht harmonisch", sagte er als AJ und Kevin dazu kamen. „Was treibt Ihr zwei?", fragte AJ. „Wir arbeiten. Im Gegensatz zu Euch", kam es zwinkernd von Brian. „So soll das ja auch sein", lachte AJ. „Wo ist den der Knirps schon wieder? Schmollt er noch?" Kevin zuckte mit den Schultern. Brian nahm seine Tasse Tee und stand auf. „Ich seh mal nach Ihm", kam es und Kevin musterte Ihn. „Keinen Streit", mahnte er. „Ich bin nicht auf Streit aus, Kev.", versicherte Brian und trotte nach oben. Zaghaft klopfte er an Nicks Tür und schob den Kopf hindurch. „Hey", sagte er unsicher, doch Nick sah nicht auf. „Wir sitzen alle zusammen und Brainstormen. Magst du dazu kommen?" Er spürte wieder einen dicken Kloß im Hals. Diese Stresssituation war alles andere als hilfreich für sein Problem. Nick stoppte das Spielen der Gitarre und sah auf. „Ich möchte lieber alleine sein", sagte er so ruhig er konnte, auch wenn er immer noch sehr verärgert und enttäuscht war. „Ok. Wie du magst. Falls doch.. wir sind in der Küche." Er reichte Nick den Tee und ging aus dem Zimmer. „Danke", murmelte Nick leise, doch Brian war bereits wieder verschwunden. „Shit", fluchte Nick, der genau wusste, dass sein Verhalten mehr als Grenzwürdig war. Doch konnte einfach nicht so tun, als wäre nichts. Die Band würde nie wieder so harmonisch klingen wie früher. Und das machte Ihm Angst. Dies sollte etwas großes werden. Er ließ sich zurückfallen und starrte an die Decke.

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