Lillyth
Wir standen uns gegenüber, unter der Trauerweide, die wir zusammen gepflanzt hatten. Oder? Ich hatte sie mit Blue gepflanzt. Ich war mir nicht sicher, ob der Mann der vor mir stand, noch Blue war.
Er war es nicht. Es war Wilbur. Wilbur in einem sehr alt und abgenutzt aussehendem braunen Trenchcoat und einer weißen Strähne in den Haaren.
„Und wer zum Teufel bist du jetzt genau?"
Ich konnte mein Herz brechen hören, und obwohl ich mich dagegen wehrte, füllten sich meine Augen mit Tränen.
„Du erinnerst dich nicht..."
Meine Stimme brach und ich schluchzte. Er hob eine Augenbraue.
„Offensichtlich. Ich nehme mal an du und Ghostbur wart ganz dicke?"
„Blue."
„Was?"
Ich musste lächeln.
„Ghostbur war mir zu lang, also habe ich dich Blue genannt."
„Hör zu, ich will dir die Illusion nicht nehmen, aber Ghostbur und ich sind nicht die selbe Person. Ich habe Erinnerungsfetzen, aber mehr auch nicht."
Ich konnte nicht mehr. Langsam lies ich mich zu Boden sinken und lehnte mich an den Stamm des Baumes. Lange schwiegen wir und blickten einfach nur auf das Meer hinaus.
„Siehst du diesen Stern da? Den blauen? Das war deiner. Dein Stern, der dir immer geholfen hat."
Er regte sich nicht.
„Vielleicht...vielleicht kann ich dir erzählen, wie wir uns getroffen haben. Vielleicht würde das die Erinnerung wieder an die Oberfläche schwemmen."
„Aber ich bin nicht mehr Ghostbur, verstehst du? Er ist eine komplett andere Person!"
Ich stand auf und stellte mich neben ihn.
„Du warst relativ weit draußen. Auf einer Insel, irgendwo Richtung dort. Auf meiner Insel. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, ich weiß nur noch, dass ich schreie gehört habe. Du bist in eine meiner Fallen getappt, mit denen ich mir die Monster vom Hals halte."
Ich schnaubte.
„Ich war schon immer miserabel im Nahkampf. Die einzige Waffe, die ich mehr oder sehnigerer beherrsche, ist der Bogen. Jedenfalls, du warst am ertrinken. Um ehrlich zu sein habe ich komplett vergessen, dass diese Falle noch stand. Es war merkwürdig. Fast so, als würdest du schmelzen. Ich bin damals über eine halb fertige Brücke gesprungen, um zu dir zu kommen."
Erneut sah ich ihn an. Er drehte ein Streichholz zwischen seinen Fingern.
„Ich hab dich mit einem Seil rausgezogen."
„Nichts."
„Was?"
„Ich erinnere mich an nichts davon."
Wir sahen uns an. Seine Augen waren blutrot. Vorsichtig streckte ich die Hand aus und legte sie ihm an die Wange.
„Blue..."
Er schlug sie weg.
„Ich sollte gehen."
Und mit diesen Worten drehte er sich um und wanderte in den Regen davon.
Es half, die Gefühle komplett auszublenden. Wenigstens teilweise. Ich stand da. Leere. Und dann kämpfte sich etwas aus der Tiefen meines Bewusstseins hervor. Ein Lied.
Look at the stars
Look how they shine for you
And everything you do
Yeah, they were all blue
Uhrsprünglich hieß es in dem Lied Yellow.
I swam across
I jumped across for you
What a thing to do
'Cause you were all blue
Ich hatte diesen Song mal irgendwo aufgeschnappt.
I came along
I wrote a song for you
And all the things you do
And it was called Blue
Und ihn immer für Blue gesungen.
So, then I took my turn
What a thing to've done
And it was all blue
Ich hatte nachgeforscht. Mich umgehört. Die ungefähre Geschichte erfahren. Anscheinend hatten Wilbur und Blue Plätze getauscht. Und Blue war jetzt im Limbo. Eine U-Bahnstation, wenn man Wilbur Glauben konnte.
Your skin
Oh yeah, your skin and bones
Turn in to something beautiful
Do you know
For you, I'd bleed myself dry
For you, I'd bleed myself dry
Ich fühlte eine merkwürdige Taubheit in meinem Arm. Mein Blich wanderte träge nach unten. Warum war da so viel Blut? Warum hielt ich einen Dolch in der Hand?
„Du sagtest doch, du würdest dich für ihn ausbluten. Ich helfe dir nur, ihn wiederzusehen."
Ich schloss die Augen. Ein einfaches lächelndes Gesicht, zwei Punkte als Augen und ein gebogener Strich als Mund, schienen in meine Augenlider eingebrannt zu sein.
„Was..."
„Auf bald."
Ich konnte spüren, wie das warme Blut mir den Arm herunterrann. Ich konnte nicht mehr...
Das nächste woran ich mich erinnere, war ein Zug. Eine leere U-Bahn, von rotem Licht durchflutet. Ich bin mir nicht sicher, wie lange wir fuhren. Es hätten Minuten sein können und genauso gut Jahre. Aber irgendwann hielten wir an. Die Türen öffneten sich und ich trat hinaus.
Eine U-Bahnstation, wie Wilbur sie beschrieben hatte. Nach einem Moment der Orientierungslosigkeit hörte ich ein Schluchzen. Blue. Er saß dort, zusammengekauert, seine Tränen verätzten seine Wangen. Ohne zu zögern rannte ich zu ihm hinüber und umarmte ihn.
„Lillyth?"
Er blickte auf.
„Was machst du hier? Was ist passiert?"
„Nichts. Alles ist gut. Ich bin jetzt hier bei dir. So lange, bis sie uns beide wieder zurückholen."
Er zögerte kurz, schloss dann aber seine Arme um mich.
„Ich habe dich vermisst."
Die letzten Tränen, die ich noch übrig hatte, kämpften sich hervor. Verwirrt sah Blue mich an. Dann kramte er in der braunen Umhängetasche, die er immer noch trug, und hielt mir ein paar Brocken der durchweichten Kreide hin.
„Hier."
Dankbar nahm ich das Geschenk und drückte es an mich. Es würde eine Ewigkeit, werden, aber wenigstens eine schöne.
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Ich weiß nicht. Es ist 00:46. Ich bin nicht müde. Aber ja. Ein DSMP-Oneshot. Wie immer ist es eure Schuld, wenn ihr euch das antut.
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Oneshots & stuff
Krótkie OpowiadaniaHier sind ein Paar Szenen aus meinem Buch Widerstand und den beiden Folgenden, die es nicht ins Buch geschafft haben. Alternative Kapitel, einfach nur random Alltagssituationen und vielleicht irgendwann auch Fanart von mir.
