"Du musst schon ein Stück näher kommen und dich an mir festhalten." Mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen, bei dem sein Grübchen schwach zu erkennen war, drehte er seinen Kopf zu mir um.
Wieder setzte mein Herz einen Schlag aus, um dann doppelt so schnell weiterzuschlagen. Sollte ich wegen Herzrhythmusstörungen mal zum Arzt gehen? Elians Arm schlang sich um meine Taille und zog mich mit einem Ruck näher an seinen stahlharten Körper. Dann griff er nach meinen Händen und legte sie sich an den Bauch. Ein Kribbeln durchfuhr meinen Körper, als er meine Hände berührte. Noch nie war ich einem Mann so nah wie ihm in diesem Moment. Es fühlte sich gut an.
"Gut festhalten, Honey." Mit diesen Worten gab er Gas und wir entfernten uns von der Bar.
Die Fahrt zu Holzhütte verging wie im Flug. Es war unfassbar berauschend. Ich war mir sicher, dass sich Elian nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielt. Der Wind wehte durch meine Haare, die unter meinem Helm hervorschauten. Mit jedem Atemzug atmete ich seinen Duft tiefer in mir ein. Ich konnte deutlich den Duft von Tannennadeln erkennen, den ich auch schon im Wald wahrgenommen hatte. Außerdem war da eine angenehme erdige Note und der unverkennbare Duft nach ihm selbst und Seife. Ich konnte das Spiel seiner Bauchmuskeln bei jeder Kurve unter meinen Fingern durch sein Shirt spüren. Er war trainiert, und seine Muskeln stahlhart, aber dennoch wirkte er nicht wie ein aufgeblasener Fitnessstudio-Typ, wie ich sie aus Jacksonville kannte. Seine Muskeln schienen von harter, schweißtreibender Arbeit zu kommen, waren aber fast unmenschlich hart.
Viel zu schnell für meinen Geschmack hielten wir vor meinem neuen Zuhause. Langsam nahm ich meine Arme von seinem Körper und rutschte wieder ein Stück von ihm weg, bevor ich von dem Motorrad abstieg. Dann nahm ich den Helm ab und stand unsicher was ich jetzt tun sollte neben ihm. Es vergingen einige Sekunden, in denen wir uns nur in die Augen sahen. Wieder einmal musste ich meinen Blick abwenden, um mich nicht in dem intensiven grün zu verlieren. Mit einem schüchternen Lächeln hielt ich ihm den Helm entgegen. Elian nahm ihn mit einem dankenden Lächeln an, machte aber keine Anstalten wieder loszufahren.
"Danke fürs nach Hause bringen." brachte ich schließlich leise hervor. Ich hielt meinen Blick auf meine vor dem Körper ineinander verschränkten Hände gesenkt.
"Kein Problem, hab ich gerne gemacht."
Danach brach wieder eine Stille über uns ein. Es war das erste Mal, dass Elian mich nach Hause gebracht hatte und die erste richtige Verabschiedung. Das alles war so neu für mich. Mich hatte noch nie ein Junge nach Hause gebracht. Mal davon abgesehen, dass ich mich noch nie privat mit einem Jungen getroffen hatte. Ich war noch nie auf einem Date. In Jacksonville hatte ich auch nie das Bedürfnis verspürt einem Jungen nah zu sein. Näher als angebracht war. Aber jetzt mit Elian zusammen, verspürte ich diesen Drang. Ich wollte ihm nah sein, so wie auf seinem Motorrad und noch näher. Ich wollte ihn wiedersehen. Mit ihm auf ein Date gehen. Ihn kennenlernen. Ich wollte all die Dinge tun, für die ich mich in Jacksonville noch nicht bereitgefühlt habe. Und langsam fragte ich mich was in den wenigen vergangenen Tagen, die ich hier war, passiert war, dass ich so empfand.
"Ich denke du solltest langsam reingehen." Dieses Mal war es Elian, der die Stille durchbrach. Mein Blick schoss zu ihm und sofort wurde mein Herz ganz warm. Er schenkte mir ein so aufrichtiges Lächeln, dass alles in mir zum Kribbeln brachte.
Ohne weiter darüber nachzudenken, begann ich zu nicken und steuerte den Weg zur Veranda an. Erst als ich sicher im Haus angekommen war, hörte ich den lauten Motor angehen und Elian davonfahren. In meinem Bett angekommen fühlte ich mich unfassbar gut. Ich hatte das Gefühl, dass tausend Schmetterlinge in mir lebten. In dem Moment als mir klar wurde, dass ich ihn unbedingt wiedersehen wollte, wurde mir bewusst, dass ich eigentlich nichts über ihn wusste. Ich wusste nicht wo er wohnte, arbeitete, was seine Hobbys waren und seine Telefonnummer, um ihn anzurufen und all die Dinge herauszufinden, hatte ich auch nicht. Frustriert ließ ich mich tiefer in die Kissen sinken und zog die Decke ein Stück höher.
+++
Am nächsten Morgen wurde ich von Stimmen, die aus dem Untergeschoss kamen, geweckt. Ich zwang mich also aufzustehen und nachdem ich angezogen war und meine Morgenroutine im Bad erledigt hatte, zu schauen wer unser Besuch war. Leise ging ich die Treppe nach unten und folgte den Stimmen in die Küche. Sam saß mit einer Kaffeetasse und einem Marmeladenbrötchen vor sich am Tisch. Ihm gegenüber entdeckte ich Jackson, dessen Blick sofort zu mir huschte.
"Oh Gottseidank bist du hier. Wir haben uns unfassbare Sorgen um dich gemacht. Wieso hast du gestern nicht auf mich gewartet oder mir bescheid gesagt, dass du schon gehst? Ich habe die ganze Bar nach dir abgesucht, aber du warst wie vom Erdboden verschluckt." Perplex starrte ich Jackson an, nachdem er seine Sorgen rausgelassen hatte.
Bevor ich darauf reagieren konnte, ergriff Sam das Wort. "Beruhig dich Jackson. Es ist ja schön wie du dich um meine Enkelin sorgst, aber ich habe dir schon gesagt, dass ich gestern die Motorengeräusche gehört hab und wusste, dass sie sicher nach Hause gekommen ist."
"Ja, aber nicht mit mir!" Erkannte ich da etwa Enttäuschung in seiner Wasserblauen Augen?
"Jackson, du warst gestern sehr beschäftigt, da habe ich mir eine andere Möglichkeit gesucht, um hierher zu kommen." erklärte ich mich. Dem bedeutungsvollen Blick, den ich ihm schenkte wich er aus. Hätte er nicht die ganze Zeit mit diesem Mädchen rumgemacht, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass ich die ganze Zeit alleine war. Zumindest bis Elian kam und mich rettete. Mal wieder. Auch wenn es definitiv andere Umstände waren.
"Wer hat dich denn gestern hergefahren?" fragte Sam und tat dabei uninteressiert, während er einen Schluck von seinem Kaffee nahm.
Ich unterdrückte ein Augenrollen und überlegte stattdessen fieberhaft, was ich sagen sollte. Konnte ich ihnen von Elian erzählen? Wie würde Jackson reagieren, wenn er herausfand, dass ein anderer Mann mich hier abgesetzt hatte? Schließlich entschied ich mich einfach für die Wahrheit. Früher oder später würde es wahrscheinlich sowieso rauskommen, wobei mir später eigentlich lieber war.
"Elian hat mich hergefahren." Nachdem ich es ausgesprochen hatte, wurde es so still, dass man eine Stecknadel auf den Boden fallen gehört hätte. Ich traute mich nicht von meiner Teetasse aufzusehen und fuhr kleine Kreise mit meinem Finger über das Porzellan.
"Ich kenne keinen Elian. Kommt er von hier?" Sam war es, der die unangenehme Stille durchbrach. Dabei spürte ich durchgehend Jacksons stechenden Blick auf mir.
Mir war die ganze Situation so unangenehm. Ich konnte ja noch nicht einmal auf Sams einfache Frage antworten, weil ich einfach nichts über Elian wusste. Ich spürte wie mir die röte in die Wangen stieg. Meine Unwissenheit war mir einfach nur verdammt peinlich.
"Nein" beschloss ich zu sagen. Ich wusste nicht, ob es der Wahrheit entsprach, aber mit seinem Auftreten und Erscheinungsbild schien mir Elian nicht jemand zu sein, der aus Silver Falls kam. "Können wir dann bitte das Thema wechseln? Ich bin sicher und gesund hier angekommen." beeilte ich mich hinterherzuschieben. Ich wünschte mir, ich wäre im Bett geblieben.
Sam schien kein Problem mit meinem Wunsch zu haben und wandte sich wieder seinem Frühstück zu. Jackson allerdings starrte mich immer noch nicht begeistert an. Ich versuchte seinen stechenden Blick so gut es ging auszuweichen.
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Fall in Love
FantezieSeit Ivy dem gutaussehenden Elian im Wald begegnet ist, gehen ihr die grünen Augen des jungen Mannes nicht mehr aus dem Kopf. Sie sollte Angst vor ihm haben, doch je öfter sie ihm begegnet, umso mehr trifft das Gegenteil ein. Sie fühlt sich sicher u...
