Kapitel 14 (Die Wahrheit über Nathe Silver)

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Wie ich darauf komme? Weil du mich von dir stößt sobald ich einen Schritt auf dich zu mache. Du spielst mit mir, planst Intrigen in denen ich die Hauptrolle spiele ohne mir davon zu erzählen. Dein Gesicht gleicht einem Pokerface wie es im Buche steht aus dem man nicht schlau wird. Wenn du deine dicken Mauern hochziehst, kann man dich rein gar nicht mehr lesen. Alles was du tust, passiert aus Impuls Entscheidungen. Irgendwie scheine ich dich zu interessieren, aber nur dann, wenn du mich gebrauchen kannst. Dein Vater missbraucht dich seit Jahren und trotzdem lebst du noch mit ihm unter einem Dach.
„Hier steckt ihr also."
Bevor ich fähig bin meine Gedanken zu sortierten und ihm eine ehrliche Antwort zu geben, werden wir von einer blonden Schönheit unterbrochen die auf uns zu kommt. Von weitem betrachtet, sieht sie aus wie ein Engel in ihrem kurzen weißen Kleid. 
„Nessa", ruft Nathan überrascht und legt die Zigarette auf einen Aschenbecher ab um seine beste Freundin zu begrüßen. Die zierliche Cheerleaderin muss sich auf Zehenspitzen stellen um ihn zu umarmen.
„Hey Großer. Tut mir leid, ich wollte euch nicht stören."
„Hast du nicht", wirft Nathe schnell ein und bietet ihr seine Zigarette an.
„Sehr gut.", Vanessa nimmt sie dankend an und zieht einmal lange daran bevor ihr Blick sich auf mich richtet. „ Caitlin, ich wollte mit dir reden."
Mit mir? Über was denn? Bitte nicht über Nathe. Oder über mich. Oder über uns. Obwohl, es gibt kein uns. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass sie meinen Namen kennt. Man, warum sind meine Gedanken gerade so durcheinander, ich hab grad so viel Aufmerksamkeitsspanne wie ein Kängeru auf Drogen.
„Ich hol euch mal Drinks", verabschiedet sich Nathan als er spürt, dass er jetzt gerade nicht dabei sein sollte. „Schlagt euch nicht die Köpfe wegen mir ein."
„Nathe, pass in Erdkunde besser auf, die Erde dreht sich nicht um dich.", weise ich ihm zurecht.
„Auch nicht um dich Swany, auch wenn sie von der Masse denken könnte, du bist die Sonne."
Mit dem Kommentar über meine Figur verschwindet er in der Villa. Gott sei Dank hab ich ein gesundes Selbstbewusstsein sodass ich so etwas nicht persönlich nehme.
Vanessa setzt sich auf das Terassensofa und nimmt noch einmal einen langen Zug, bevor sie weiterspricht: „Nathe und seine Sprüche...Das war eine gute Rede da vorhin."
„Den Spott kannst du für dich behalten!", murmele ich und setzte mich auf den Sessel ihr gegenüber.
„Nein ernsthaft. Du hast viele Menschen berührt.", fährt die Blondine fort und raucht in Ruhe weiter. „Aber denk bitte nicht, dass du Nathan damit beeindrucken kannst, Süße."
„Vanessa!", sage ich leicht empört. „Ich muss und will Nathe nicht beeindrucken. Die ganze Situation sollte ein Realitätscheck für deinesgleichen und ein Hilferuf ausgesprochen für meine Mitmenschen sein. Ich erwarte nicht, dass du das verstehst!"
Ich weiß auch gar nicht, was sie das Leben von Nathe angeht. So weit ich von Feli weiß, kennen sich alle drei noch von früher, bevor Vanessa ein eskalierender Teenager wurde und Nathe mit sich gezogen hat. Seit dem, behauptet meine beste Freundin, schlängelt sie sich wie eine Schlange um Nathe und lässt keinen an ihn ran. In der Schule ist das auch zu beobachten, jede Pause verbringt sie bei den Footballern.
Die Blondine drückt die Zigarette aus, überschlägt die Beine und faltet ernstwirkend die Hände ineinander.
„Süße! Nathe ist unberechenbar. Er hat schon vielen Frauen das Herz gebrochen. Ich will dir nichts Böses, nur, dass du auf dich aufpasst und dich von ihm fernhälst. Er ist nicht der strahlende Ritter auf dem weißen Pferd."
Ich muss bei dieser Vorstellung schmunzeln.
„Er ist nicht für eine Beziehung zu haben.", betont sie nochmal mit strengem Unterton ihren Satz als sie mein Lächeln sieht.
„Hast du es schon mal ausprobiert?", frage ich provokant und mache ihre Sitzposition nach. Überschlagene Beine, aufrechter, angelehnter Rücken.
Auf meine Frage zieht sie ihre überschminkten Augenbrauen nach oben.
„Ich kenne Nathan besser als jeder andere. Ich weiß alles über ihn. Deswegen weiß ich auch, dass eine Beziehung mit ihm verschwendete Zeit ist. Und auf eine Freundschaft Plus..."
„Ihr lebt ja noch", unterbricht sie Nathe, der mit zwei Lillettgläsern und einer Cola sich zu uns gesellt. Seine beste Freundin nimmt ihm den Aperitif ab. „Wir hatten es gerade zufällig von dir."
Gespielt überrascht fliegt Nathes Blick auf mich.
Was denkt der denn, über was wir sonst reden? Über den nächsten gemeinsamen Urlaub sicher nicht.
Ich nicke schnell: „Ja, was für ein blöder Idiot du doch bist."
Das war nicht mal gelogen. Aber die eigentliche Idiotin ist die Augenbrauentussi mir gegenüber.
Nathe setzt sich neben seine Freundin aufs Sofa und schiebt mir den Lillett über den Tisch.
„Danke, ich trinke nicht."
Bevor er unsere Gemeinsamkeit unterstreichen kann, mischt sich Vanessa ein: „Lass uns ein Spiel spielen. Wahrheit oder Pflicht."
„Nessa, das ist für Kinder.", beschwert sich ihr bester Freund und zieht gelangweilt sein Handy aus der Hosentasche.
„Dann eben, ich - hab - noch - nie." Provokant schaut sie zu mir und lehnt sich entspannt auf das Sofa zurück, ihre Beine über Nathes Schoß gelegt.
„Kein Bock", murmelt Nathe etwas abwesend in sein Handy vertieft.
„Dann eben nur Caitlin und ich. Man muss trinken, wenn man es schon mal getan hat.", erklärt sie mir.
„Ich weiß wie das Spiel geht.", verteidige ich mich.
„Bei einer Einserschülerin und Antialkoholikerin war ich mir da nicht so sicher", kontert sie. Nathes Blick schwenkt zwischen mir und Vanessa her. Die Spannung zwischen uns ist beinahe greifbar.
„Ich fang an.", sagt sie schnell und ich weiß schon genau, dass sie dieses Spiel nicht ohne Grund gewählt hat. „Ich hab mich noch nie in eine Person verliebt, in die ich mich definitiv nicht verlieben sollte."
Mich beobachtend nimmt sie selber einen Schluck aus ihrem Glasstrohhalm. Okay, an sich könnte ich auch trinken, wegen Andi in der 6. Klasse. Mein frühere bester Freund, doch über diese Freundschaft wollte er nie drüber hinaus. Das hatte mir das Herz gebrochen damals. Damit war die Freundschaft auch dahin. Aber das war Vergangenheit.
Da ich keinen Grund sehe zu trinken, rühre ich das Glas nicht an. Vanessa erwartet, dass ich trinke und mich damit verrate, dass ich doch auf Nathe einen Crush habe. Wenn sie nur wüsste, wie weit entfernt ich von irgendwelchen freundlichen Gefühlen entfernt bin zu dem Mann, der mich heute vor allen bloßgestellt hat.
„Süße, man darf nicht lügen", provoziert sie mich weiter.
„Ich sollte mir Popkorn besorgen", murmelt Nathe belustigt und steckt sein Handy zurück in die Hosentasche, da er das  Spektakel nun Live vor sich hat. Wenigstens hat hier einer von uns Spaß.
„Ich bin dran.", fahre ich kühl fort. „Ich habe noch nie aus einer Affäre mir mehr erhofft."
Ha, nimm diese Frage du Schlange.
Aber Vanessa trinkt nicht.
„Man darf nicht lügen, Süße!", äffe ich sie nach.
„Das sagte ich bereits. Nächste Frage! Ich hatte noch nie Sex!"
Pff, denkt die, sie kann mich damit verletzen? Ich bin 17 und hatte noch nie einen Freund, aber, wo ist das Problem ? Ja, ich bin noch Jungfrau und stehe dazu. Ich verschenke meinen Körper nicht an jeden dahergelaufenen.
Entspannt nehme ich einen kleinen Schluck aus dem Lillettglas und verziehe mein Gesicht dank des bitteren Alkohols. Nathans zeigt darauf keine Reaktion, er hat sein Pokerface aufgesetzt.
„Na, wer hätte das gedacht?", murmelt Vanessa und nuckelt unschuldig an ihrem Strohhalm. „ Hab ich dir doch gesagt."
Haben Nathe und sie über mich geredet? Warum diskutieren sie darüber, ob ich schon mal Sex hatte!?! Wie absurd ist das denn!?
„Nathan, komm rein, es geht mit der Firma deiner Mutter weiter."
Ich war noch nie so froh Victor zu sehen, wie in diesem Moment. Schnell stehe ich auf, lasse den bitteren Lillett stehen und gehe rein um mich unter die Menschenmasse zu mischen. Genug Aufmerksamkeit für heute. Außerdem muss ich mich erst einmal abreagieren.
Wie mich dieses Mädchen aggressiv macht.
Da alle Gäste wieder bei der Bühne stehen gehe ich nach ganz hinten zum Büfett um meinen Frust wegzuessen.
„Kind, du warst großartig", lobt mich Berta, die mir einen Kuss auf die Wange gibt und mir anschließend ihre Muffins vor die Nase hält. Ich lächele ihr dankend zu, klaue mir einen ihrer berühmten Backwahren und lenke meine Aufmerksamkeit auf die Bühne.
Auf dem großen Bildschirm ist das Familienwappen der Silvers verschwunden und wurde durch das Logo von Ivonas Firma ersetzt. Ein goldener Stern mit einem geschwungenem M darin. Ich kenne das Logo. Es steht am Rande der Stadt, vor der Brücke, die zu den Slums führt.
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, nun darf ich mich auch zu Wort melden", erschallt Ivonas zarte Stimme über die Lautsprecheranlage. „ Wie sie alle wissen, ist >Modelstars< in den letzten Jahren von den Provisionen stark nach oben gestiegen. Dafür möchte ich persönlich Mr. Herry Jacob danken" sie deutet auf einen Mann in der Menschenmasse. Dank meinen Absatzschuhen kann ich einen kleineren Mann mit Glatze erkennen.
„Ein Viertel der Einnahmen von Modelstars geht, wie sie bestimmt wissen, an die Forschung für Krebspatienten. Innerhalb eines Jahres haben wir 20.000 $ gespendet."
Der tosende Applaus unterbricht die Rede.
Ich bin ja wirklich kein Mathegenie, aber sind 20.000 $ nicht wenig für ein Jahr? Das sind pro Monat 1.666 $. Für eine Vierteleinnahme einer berühmten Modelfirma ist das sehr wenig. Die würden im Monat ja dann nur 6.666$ verdienen.
„ Ich möchte ihnen nun gerne die erfolgreichsten Titelseiten von Modelstars präsentieren.", holt mich die Stimme aus meinen Rechnungen zurück. „Wir hatten es dieses Jahr mit namenswerten Models wie Helene Bryon, Marco Seivert und Catherin Devienne zu tun"
Der Bildschirm verschluckt das Logo und zum Vorschein kamen Magazintitelseiten. !
Auf ein paar davon ist Nathe zu sehen. Seine Magazine müssen sich gut verkaufen, wenn jedes Mädchen in der Schule eins kauft, nur weil sie auf ihn einen Crush haben, steigen die Kaufpreise automatisch wie auch drastisch nach oben. Da hat die Firma definitiv mehr als 6,666$ verdient.
Ich sehe Nessa auf mich zuschleichen. Ohne ein Wort stellt sie sich neben mich.
Was will die denn jetzt hier? Mit mir weiter ihr blödes Spiel spielen?
Mit fem letzten Poster bekommen Sie, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, inklusiven Einblick über das bereits in dieser Woche kommende Magazin mit den exklusiven Neuigkeiten der Stadt." 
Das letzte Bild der Diashow raubt mir den Atem. Um mich herum wird es still, nur die Kameras der Pressemitglieder sind hundertfach zu hören.
Das Bild ist, passend zur Veranstaltung, in schwarz weiß. Nur Nathes grüne Augen stechen farbig heraus. Doch das raubt mir nicht den Atem, sondern der Fakt , dass er komplett nackt ist. Um seinen Körper schlängelt sich eine große Schlange die den Intimbereich verdeckt und sich um seinen Rücken und Oberkörper schlängelt in From des Buchstaben S.
Nathe schenkt dem Betrachter keine Emotionen. Gewohntes Pokerface, arrogant und selbstbewusst. Sein Körper scheint makellos zu sein, keine dunklen Stellen oder Schrammen wie ich ihn neulich noch gesehen habe. Ich erinnere mich an gestern, als er mich beim Tagebuchlesen erwischt hat. Wie auch auf dem Bild waren seine Haare nass, die Schlange schlängelt sich um ihn wie das S um das N seiner Initialen. Oder die Schlange auf dem Wappen der Silvers. Das Zeichen, dass Victor auch für seine Anwaltskanzlei benutzt. Mit Großbuchstaben steht weiß gedruckt auf schwarzem Hintergrund: „Kanzlei bekommt Silbernachwuchs- Juniorchef."
In diesem Moment fällt es mir wie Schuppen von den Augen:
Beide Eltern nutzen Nathe auf diesem Magazin für die Werbung der eigenen Geschäfte. Ivona, weil sich Nathe gut verkaufen lässt. Er scheint das genauso professionell umzusetzen wie jedes vorher gezeigte Model. Und Victor nutzt ihn, um seine Kanzlei zu bewerben, weil es in aller Munde sein wird, das sein Sohn die berühmteste juristische Kanzlei des Landes einen Juniorchef bekommt.
„Oh nein... jetzt hat die ganze Stadt ihn schon so gut wie nackt gesehen", flüstert mir Vanessa zu, die annimmt, ich stehe deswegen regungslos da. „Wie unzüchtig!"
Das ist einfach nur traurig.  Ekelig. Herabwürdigend. Wie kann seine Stiefmutter ihren Sohn so abbilden lassen? Für mehr Geld? Mehr ansehen? Bessere Verkaufszahlen?
Nathe steht auf der Treppe zur Bühne und wirft ein Blick zu uns. Aus der Ferne kann ich nicht sagen, wie es ihm damit geht.
Aber was ich weiß ist, das ich mich an seiner Stelle benutzt fühlen würde.
Andererseits geht mit Nacktheit jeder anders um. Und mit der Verkündung seines Job bei seinem Vater wird er sich schon drauf eingestellt haben, das dies heute Abend offiziell wird. Zumindest macht er keine Anstalten zum Mikro zu rennen um eine Rede zu halten und sich über die Aussage des Titelblattes zu beschweren.
Ein Tippen an der Schulter reist mich aus meiner Gedankenwelt und ich nehme das aufgeregte Geflüster um mich herum war. Wenn ich auch noch vor 20 Minuten das Gesprächsthema Nummer 1 war, so hat mir Nathan nun vom Thron gestoßen.
Ich würde nur zu gerne wissen, wie freiwillig er diesen Platz neben seinem Vater einnimmt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die beiden sich in einem Büro aufhalten können ohne zu streiten.
„Verzeihung, Miss Swan", entschuldigt sich ein in schwarz gekleideter Mann mittleren Alters. „Meine Frau und ich wollten ihnen sagen, wie sehr wir von ihrer Rede berührt wurden."
Die Frau neben ihm strahlt mich mit einem herzlichen Lächeln an, so wie ich es nur von Ivona kenne, und reicht mir die Hand. „Es hat mich tief berührt."
Das ganze ist mir tatsächlich etwas unangenehm, obwohl ich geschmeichelt sein sollte. Wer hätte gedacht, dass meine Worte bei wohlhabenden Menschen mit großem Einfluss ankommen?
„Vielen Dank, Mrs..."
„ Greenhouse", hilft mir die freundliche Frau auf die Sprünge. „Schatz, gib doch Miss Swan unsere Karte."
Eine edelaussehende dunkelgrüne Karte wird mir entgegen gestreckt.
Anwaltskanzlei, Ruben und Lilly Greenhouse, 5th Side Evenu.
Ich nehme an, das ist die Konkurrentenkanzlei der Silvers. Dankend nehm ich die Karte an. Es ist nie schlecht, einen Anwalt auf seiner Seite zu haben, falls es mir hier mal zu bunt mit dieser Familie hier wird.

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