Prolog - Teil 2

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Am Haus angekommen klopfte ich an die Holztür und eine Frau, namens Elisabeth alias Erstazmutter, öffnete sie lächelnd und ließ mich rein.

Drinnen ging ich den schmalen Flur entlang, der mich zur Küche führte. Am Esstisch saß mein Erstatzvater Frank. Ich kann es bis heute nicht verstehen warum ich eine Ersatzfamilie brauche. Ich kann mich gut Selbstversorgen. Bis auf das Essen. Das wäre schwierig zu bekommen ohne Geld, aber es würde schon irgendwie klappen!

Ein Geschirrklappern holte mich aus meinen Überlegungen. Elisabeth hatte eine Schüssel mit einer Brühe, was wahrscheinlich Suppe sein sollte, auf den Tisch gestellt und eher wiederwillig ging ich schleppend zu meinem Tisch und begann die Suppe zu essen, obwohl ich keinen Hunger hatte. Die beiden unterhielten sich über etwas, aber ich hörte nicht zu. Wahrscheinlich redeten sie mal wieder darüber, was für ein liebes Kind ich auch sei. Tz. Ja, klar.

Ich bin alles andere als lieb oder süß, aber dafür interessieren sie sich nicht. Ich könnte sie jetzt theoretisch beschimpfen und sie würden das einfach ignorieren und weiter reden. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie denken, ich bin nur so unfreundlich wegen den Tod meiner Eltern. Ihre Vermutung ist falsch, aber das wollen sie nicht wahr haben, denn die Wahrheit und die Realität würde ihre kleine Traumwelt zerstören, wo alles schön und bunt ist. Aber so ist die Welt nicht. Man mag glauben, dass ich pessimistisch bin, aber ich bin nur ein Realist. Plötzlich bemerkte ich Franks fragenden Blick und Elisabeths Kichern. Sie haben mich anscheinend was gefragt.

"Was ist?", fragte ich in einem schlecht gelaunten Ton.

"Ich habe gefragt, wie dein Tag bis jetzt war.", widerholte er.

"Gut.", antwortete ich knapp.

"Das ist schön."

Die beiden fingen wieder an sich zu unterhalten. Ich seufzte und stocherte angewiedert in der schleimigen Brühe herum, sie schmeckte nach nichts. Nach kurzer Zeit hatte ich keine Lust mehr mir die Suppe reinzuzwingen und ich schob sie von mir weg. Ich sprang vom Stuhl auf und ging wortlos in einen Nebenraum, schloss hinter mir die Tür und ließ mich zu Boden gleiten.

Jede Menge große Regale standen an den Wänden und verdeckten die schimmelige Tapete, die sich dahinter verbarg. Durch die Holzlatten der Jalousie am Fenster fielen wenige Sonnenstrahlen in den dunklen und kühlen Raum. Staub tanzte im Licht wie Schneeflocken im Winter. Die alten Einbände der Bücher in den Regalen, auf die das restliche Licht fiel, leuchteten in warmen Farben. Frank ist ein Büchersammler. Er liebt die Geschichten von alten Zeiten und die lehrreichen Sachtexte, aber sobald er ein Buch gelesen hatte, stellte er sie an einen freien Platz im Regal und holte sie nie wieder hervor. Deswegen hatte sich eine dicke Staubschicht auf den Büchern und auch auf den Regalen angesammelt.

Ich hatte hier mal ein besonderes Buch gefunden, welches über die Außenwelt berichtete, aber bevor ich es mir genauer ansehen konnte, wurde es mir aus der Hand gerissen und in den einzigen Schrank hier im Zimmer gesperrt. Von diesem Buch hatte ich eben gesprochen auf der Hauptstraße gesprochen. *Ich will es unbedingt haben*

Ich nahm mir meine Haarnadel aus meinem Haar. Mein Pony plumpste sofort runter und verdeckte mir die halbe Sicht. Ich stand auf, ging zum Schrank, hockte mich vor das Schlüsselloch und strich mir meine braunen Haare hinters Ohr. Vorsichtig bog ich meine Haarnadel auf, brach sie auseinander, formte sie zu einem Dietrich und steckte sie präzise ins Schloss.

Plötzlich hörte ich wie das Quietschen der Türklinke, wie sie hinuntergedrückt wurde. Ich erstarrte vor Schreck. Verdammt.

Survival is not enough (Attack on Titan)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt