-Milo POV-
Abwechselnd erzählten meine ältesten Brüder die Geschichte, die wir selbst erst vor wenigen Stunden erfahren haben. Ich bin immer noch geschockt, dass ein Vater seiner Tochter so etwas antun kann. In meinem Leben hat Familie schon immer eine große Rolle gespielt und ab dem ersten Moment, wo Amy vor mir stand, habe ich mir geschworen, dass ich sie mit meinem Leben beschützen werde. Umso schlimmer finde ich es, dass sie durch so eine Hölle gehen musste und ich nichts dagegen tun konnte. Ich meine ich kannte sie damals nicht, aber es fühlt sich trotzdem so an, als hätte ich versagt. Ich will nicht wissen, wie sich Noah und Mike fühlen. Gerade haben sie ihren gewohnten Blick aufgesetzt, aber man muss sie nicht lange kennen, um zu wissen, dass dahinter zu viele Emotionen stecken, als das man sie zeigen könnte. "Mum, du musst ihn rausschmeißen! Er ist gefährlich und ich will nicht mit einem Mann zusammenleben, der meine kleine Schwester seit Monaten misshandelt" sagt Luke mit einem scharfen Unterton und bringt mich somit wieder zurück ins hier und jetzt. Ich warte nur auf den geschockten Blick von meiner Mutter und dem Satz, dass Amys Vater nie wieder dieses Haus betreten wird, doch ich erstarre bei dem nächsten Satz von meiner Mutter: "Was ein Unsinn. Eurer Vater ist der liebenswürdigste und netteste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Amy ist einfach zu verwöhnt und kann es nicht ertragen, dass ich ihre neue Mutter bin. Auf das könnte ich übrigens auch gerne verzichten. Mutter von diesem nutzlosen Ding zu sein. Da habe ich definitiv besseres zu tun"
-3. Person POV-
Es herrschte Stille in dem sonst so belebten Haus. Die 3 jüngsten starrten ihre Mutter fassungslos an. Jake, Luke und Vincent schauten ihre Mutter mit einem kalten Blick an. Mike und Noah rasten vor Wut und konnten sich nur schwer beherrschen. Und Amy? Amy saß immer noch auf dem Sofa, allerdings war sie total bleich und atmete immer hektischer. Nach ein paar Sekunden, die sich wie mehrere Minuten anfühlten, brach Chaos aus. Alle redeten durcheinander und versuchten zu verstehen, wie sie sich so in ihrer Mutter täuschen konnten. Nur Milo bemerkte Amys kritischen Zustand. Ohne zu überlegen, hob er seine kleine Schwester hoch und brachte sie in sein Zimmer. Auch ihn plagten Schuldgefühle, denn er war derjenige, der die anderen überzeugt hat, ihre Mutter einzuschalten. Er war derjenige, der überzeugt war, dass seine Mutter die richtige Entscheidung treffen würde. Es ist seine Schuld! Schnell schob er die Selbstzweifel auf die Seite, denn er musste sich erstmal um seine Schwester kümmern. Vorsichtig setzte er sie auf sein Bett ab und setzte sich vor sie. Vorsichtig legte er seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie somit ihn anzusehen. "Hey,hey shh alles gut ich bin hier. Ich werde deine Hand nehmen. also nicht erschrecken", sprach ich mit sanfter Stimme auf sie ein. Vorsichtig nahm ich ihre Hand und legte sie auf meine Brust, sodass sie meinen Herzschlag spüren konnte. "Wir atmen jetzt mal zusammen, okay? Ein und aus. Kannst du das für mich machen?", fragte ich sie leise. Ein kurzes Nicken von ihr reichte mir und ich fing an mit ihr zu atmen. "6-7-8 und ausatmen 4-3-2-1" zählte ich mit sanfter Stimme und merkte wie sich ihr Atem verlangsamt. "Du machst das gut. Einfach weiteratmen", ermutigte ich sie. Nur wenige Minuten später hatte sie sich komplett beruhigt und hob langsam ihren Kopf, um mich anzusehen.
-Amys POV-
Vorsichtig hob ich meinen Kopf, um in Milos Gesicht sehen zu können, welcher vor mir auf dem Bett saß und mich leicht anlächelt. "There you go", flüstert er und zog mich vorsichtig in seine Arme. Bedacht darauf, meine Verletzungen nicht zu berühren. Ich entspannte mich etwas und vergrub mein Gesicht in seiner Brust. Eigentlich vertraue ich Leuten nicht so schnell, aber er ist mein Bruder und so langsam fange ich an, ihm und den anderen zu vertrauen. Plötzlich hörte ich, wie sich die Tür öffnete und spannte mich automatisch an. "Es sind nur die anderen. Alles gut", flüsterte mir Milo ins Ohr und wandte sich nun unseren Brüdern zu. Ich drehte meinen Kopf und sah wie sich meine Brüder im Zimmer verteilt hatten. Noah kam langsam zu mir und kniete sich vor mich. Vorsichtig strich er mir eine Strähne aus meinem verheulten Gesicht. "Ist alles gut bei dir?" "Geht schon", antwortete ich mit zittriger Stimme und vermied es, ihn anzusehen. Seufzend hob er mich vorsichtig von Milos Schoss runter und schloss seine starken Arme um mich. "Wie ist es ausgegangen?", fragte Milo und so sehr ich wissen wollte, wie es nun weitergeht, hat mich der ganze Tag so erschöpft, dass ich die Augen schloss. "Es wird dir nicht gefallen, denn..." und mehr bekam ich nicht mit, da ich in den sicheren Armen meines großen Bruders langsam in den Schlaf abdriftete.
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They will never know
Teen Fiction3 Monate... 3 Monate konnte sie es verstecken, doch dann änderte sich alles. Amy, 14 Jahre, zieht mit ihren zwei Brüdern und ihrem Vater zu einer neuen Familie. Wie sehr wird sich ihr gewohntes Leben ändern und wird sie es schaffen ihr Geheimnis vor...
