Kapitel 6

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"Wieso bist du vor mir zurückgezuckt? Dachtest du echt, dass ich dich schlagen wollte?", fragte Luke immer noch etwas geschockt. Ich schwieg. Was sollte ich denn sagen? Hey, unser Vater schlägt mich, aber er droht mir, euch auch zu schlagen, deswegen hab ich euch nichts gesagt. Ich steh doch dann komplett als Versagerin da. "Wieso willst du uns nicht die Wahrheit erzählen?", fragte Liam irgendwann. "Es gibt nichts zu erzählen", murmelte ich. "Doch, das gibt es. Dir geht es schon lange nicht gut und wir respektieren es auch, wenn du etwas nicht erzählen willst, aber ich habe das Gefühl, dass es hier um mehr geht", meinte Noah. Sein Blick war ernst, jedoch konnte ich auch Sorge und Angst sehen. Angst davor, was er gleich erfahren würde. Jake setzte sich aufrecht auf und schaute mich ernst an. "Okay Amy, du musst mir versprechen, dass du mir die folgende Frage ehrlich beantwortest", fing er an. Ich zeigte keine Reaktion, aber er sprach schon weiter. "Schlägt dich jemand?", fragte er vorsichtig und sprach damit genau die Frage aus, vor der ich mich so gefürchtet hatte. Jetzt wäre die beste Chance ihnen die Wahrheit zu sagen. In diesem Moment traf ich eine Entscheidung. Ich wollte wieder ohne Angst leben, mit Freunden ins Schwimmbad gehen... Ich wollte wieder leben. Ich liebte meine Brüder und würde alles für sie tun, aber sie waren stärker als mein Vater. Vor allem weiß ich inzwischen, dass ich meinen neuen Brüdern vertrauen kann. In dem Raum war es totenstill. Die ganze Aufmerksamkeit meiner Brüder lagen auf meiner Reaktion. Fast unmerklich nickte ich und bemerkte wie Noahs Griff um mich fester wurde. Für sie war dies Antwort genug, denn in ihren Blicken erkannte ich Wut. "Wer?", brachte Mike zwischen zusammengebissenen Zähnen raus. Vincent atmet einmal tief durch, um sich selbst zu beruhigen. 

Es ist komisch. Ich bin noch nicht lange hier und mein Leben hat sich jetzt schon komplett geändert. Ich habe 6 neue Brüder, die mich inzwischen auch als kleine Schwester ansehen, aber das schlimmste ist, dass sie nun mein größtes Geheimnis wissen und ich nicht weiß, wie es weitergeht. "Wer?", wiederholte Vincent Mikes gestellte Frage. Ich wollte das meinen Brüdern nicht antun, aber was sollte ich tun? Sie hatten zwar, wie ich, kein gutes Verhältnis zu unserem Vater, aber es war immer noch ihr Vater. Unschlüssig, ob ich es ihnen sagen sollte, starrte ich auf den Boden. Plötzlich wurde mein Kinn sanft hochgedrückt und ich schaute in zwei blaue Augen, die mich sanft ansahen. Jake und Mike hatten sich vor mich hingekniet und schauten mich besorgt an. "Princess, bitte erzähl es uns. Wer war das?", sagte Mike mit leiser, verzweifelter Stimme. Ich atmete einmal durch bevor ich die 3 Buchstaben leise aussprach: "Dad" 

"Was?", flüsterte Mike geschockt. Ihm war  in den letzten Sekunden alle Farbe aus dem Gesicht und er starrte mich geschockt an. Auch Noah musste erstmal realisieren, was er gerade erfahren hat und ich bereute sofort es ihnen erzählt zu haben. "Es ist gut, dass du es uns erzählt hast", durchbrach Vincent die Stille. "W-wie kann es sein, dass wir nie was davon mitbekommen haben?", flüsterte Mike mehr zu sich selbst. "Ich wollte euch nicht in Gefahr bringen", antwortete ich leise. "Wieso in Gefahr bringen? Was wäre denn passiert, wenn wir es erfahren hätten?", findet Noah nun auch seine Sprache wieder. "Er wollte euch etwas antun", sagte ich mit zittriger Stimme. "Aber es wären dann 8 gegen einen. Er hätte keine Chance gehabt", versuchte mir Milo die Angst zu nehmen. "Ich hatte einfach Angst um euch", gab ich fast lautlos zu und wieder liefen mir die Tränen über die Wangen. Noah drückte mich noch etwas stärker an sich und ich zischte leise auf, als er auf meine noch immer geprellten Rippen drückte. Sofort war Luke bei mir. "Darf ich mir das mal anschauen?", fragte er besorgt. Jetzt ist es eh schon egal, also stand ich vorsichtig auf und zog langsam meinen Pulli aus. Ich hatte zwar noch ein Top an, allerdings sah man trotzdem den Großteil meiner Narben und Verletzungen. Die Jungs zogen scharf die Luft ein. "Leg dich mal bitte auf das Sofa", bittet Luke mich und mustert mich besorgt. Eigentlich hasste ich Untersuchungen, doch erstens hatte ich keine Kraft mehr zu diskutieren und zweitens vertraute ich Luke und den anderen inzwischen. Trotzdem zitterten meine Hände, als ich mich auf das Sofa legte. Mike und Noah setzten sich neben mich und Noah nahm meine zitternde Hand in seine. Alleine diese Geste beruhigte mich schon enorm. Luke wärmte kurz seine Hände auf, bevor er vorsichtig begann meine Rippen abzutasten. Dabei beobachtet er meine Reaktion genau. Als er auf eine schmerzende Stelle drückte, zuckte ich kurz zusammen und schloss meine Augen für einen Moment. Mir wurde schlecht und schwindelig zugleich. "Luke", flüsterte ich mit heiserer Stimme. "Ja? Hey Amy, hier bleiben. Mach die Augen auf", sagte er und schlägt mir leicht gegen die Wange. Stumpf hörte ich die Gespräche. "Was ist mit ihr?", fragte Mike panisch. "Ey Amy, mach keinen Scheiß", sagte Liam. Plötzlich bemerkte ich einen kurzen Stich an meinem Handgelenk und langsam wurden die Stimmen wieder klarer. "Ich glaube, sie ist wieder da. Hey Amy, mach mal die Augen auf", fordert mich Luke auf. Blinzelnd öffnete ich meine Augen und sah in viele erleichterte Gesichter. "Gott sei Dank", flüsterte Noah und gab mir einen erleichterten Kuss auf den Scheitel. Auch Vincent fuhr sich erleichtert durchs Haar. "Hier, trink mal was", meinte Mike und hielt mir ein Glas Wasser hin. Mit zitternden Händen nahm ich ein paar Schlucke. "Warum ist sie umgekippt?", fragte Mike, während er mir das Glas wieder abnahm. "Ich vermute wegen dem ganzen Stress und da ihr Körper durch die Verletzungen schon etwas geschwächt war", sprach Luke seine Vermutung aus und packte sein Arzt Zeug wieder ein. "Es sind übrigens keine Rippen gebrochen, sondern nur geprellt. Auch die restlichen Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich, aber sollten regelmäßig mit einer Salbe eingecremt werden", teilte er uns mit.

Inzwischen saß ich auf Mikes Schoss, welcher beschützend seine Arme um mich gelegt hatte. "Was passiert jetzt?", fragte ich und schaute die Jungs an. Noah fuhr sich gestresst durch die Haare und sagte: ...


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