Asahi PoV
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Noya den Anruf entgegen nahm. Ich hatte mein Handy schon von meinem Ohr entfernt, als ich hörte, wie er laut ins Telefon rief: „Asahi?"
Schnell brachte ich den Hörer wieder an mein Ohr und erwiderte erleichtert: „Noya? Ich dachte schon du bist beschäftigt." - "Nein, nein, ich war nur gerade im... Gespräch mit meinem Projektleiter", antwortete er und mir fiel direkt auf, dass er irgendetwas nicht stimmte, denn er betonte das Wort "Gespräch" nicht wirklich glaubhaft.
Ich zögerte kurz, doch gab dann meiner Neugier nach und hakte nach: "Ist alles okay, Noya?" Kurz blieb es still am anderen Ende der Leitung, dann seufzte Noya tief: "Ehm... naja, mein Projektleiter hat mich gefragt, ob ich nicht doch noch länger hier bleiben will. Aber das ist ja nichts Neues..." Ich schloss kurz die Augen und wollte gerade etwas sagen, als Noya mir jedoch direkt ins Wort fiel: "Ich weiß, was du jetzt sagen willst! Ich solle doch die Chance nutzen. Aber das will ich nicht! Ich komme zurück, werde die Ausbildung online absolvieren und damit basta!"
Ich musste schmunzeln und schaute auf die große Anzeigetafel, die sich direkt über mir befand. "Das wollte ich gar nicht sagen... na gut... vielleicht doch... aber ich bin ehrlich, ich freue mich, wenn ich dich wieder bei mir habe", grinste ich und folgte der Beschilderung durch eine große Menge an Menschen. "Ich freue mich auch! Kannst du dir vorstellen, dass es nur noch eine Woche ist? Die zwei Monate vergingen wie im Flug!", lachte er und ich war froh, dass er mein Gesicht nicht sehen konnte. Wenn er wüsste...
"Was machst du heute noch?", fragte ich deshalb unverfänglich, während ich hin und her schaute, wo mein Ziel lag. „Nichts weiter... ich glaube ich mach gleich Feierabend und gehe noch eine Runde joggen", antwortete er und in diesem Moment fand ich mich vor einem großen Bürogebäude wieder. Ich warf einen kurzen Blick auf das Schild mit der Auflistung aller Firmen und grinste, als ich die richtige fand.
„Hast du Lust, etwas essen zu gehen?", fragte ich ihn und würde jetzt zu gern sein Gesicht sehen. Es blieb kurz still, dann sagte er: „Wie meinst du das?" Ich schaute das Gebäude nach oben und sagte: „Naja, wenn ich schon einmal in Amerika bin, würde ich schon gern mal einen Burger essen."
„Du verarschst mich gerade, oder?", fragte mich Noya perplex und ich hörte, wie er losstürzte und anscheinend eine Treppe hinab rannte. „Ich weiß nicht was du meinst", lachte ich und blickte in Richtung des Haupteingangs. „Das kann nicht sein, das kann nicht sein...", hörte ich ihn vor Anstrengung keuchen. Ich hörte laute Stimmen um ihn herum, als ob er gerade aus dem Treppenhaus in das überfüllte Foyer hinein gerannt wäre, und Sekunden später stürzte er aus der Tür heraus und schaute aufgeregt umher, bis sich unsere Blicke trafen.
„Asahi??", rief er perplex und blinzelte ungläubig. Ich kam ihm breit grinsend entgegen und nahm ihn fest in die Arme. „Schönen Valentinstag, Noya", erwiderte ich. Er schaute mich an wie ein Mond. „Ich... Valen... WAS?", stotterte er und wurde rot. „Sag bloß du wusstest nicht, dass heute Valentinstag ist?", fragte ich perplex zurück. „Nein! Wieso sollte ich? Ich meine...", er schluckte und schaute mir ungläubig in die Augen. „Du bist hier", flüsterte dann und ich strich ihm eine wirre Strähne aus seinem Gesicht.
„Ich bin hier", nickte ich und in diesem Moment zog er mich zu sich herunter um mir einen kurzen Kuss aufzudrücken. Ich erschrak kurz, doch es machte mir nichts aus und so war ich sogar etwas traurig, dass der Kuss nur kurz anhielt und Noya mich direkt wieder auf Abstand brachte. „Entschuldige, ich musste nur sichergehen, dass das kein Traum ist", murmelte er und der Griff um meinen Kragen blieb fest.
Ich lachte auf. „Glaub mir doch! Ich bin hier um dich zu überraschen. Ich dachte mir, ich leiste dir in deiner letzten Woche hier Gesellschaft... findest du das blöd?", fragte ich unsicher, denn plötzlich kamen mir doch Zweifel, ob das wirklich okay für Noya war.
Das ganze war Daichis Idee gewesen, nachdem ich „neidisch herum gejammert" (seine Worte) habe, dass Noya und ich den Valentinstag nicht miteinander verbringen konnten. Und da ich diese Woche nur eine Vorlesung hatte, die ich verpassen würde buchte ich mir kurzerhand ein Ticket hierher. Dass Noya das ganze vielleicht nicht so toll finden würde, kam mir gar nicht in den Sinn, doch jetzt wo ich drüber nachdachte könnte ich mich ohrfeigen, dass ich nicht mehr drüber nachgedacht hatte.
Doch Noya nahm mir alle meine Sorgen indem er fest meine Hand nahm und mich in das Gebäude zog. „Bist du irre? Das ist die schönste Überraschung, die du mir machen konntest! Warte kurz, lass mich meine Sachen holen und dann können wir los!", rief er und mir blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.
„Ist das denn wirklich okay, wenn du jetzt schon Schluss machst? Es ist doch gerade mal vier Uhr nachmittags", sagte ich zweifelnd und schaute auf die große Uhr im Foyer. Noya grinste mich über die Schulter an. „Hier läuft das alles ein wenig anders. Stell dir vor, die arbeiten hier wirklich nur, wie sie bezahlt werden! Und da ich nur einen Teilzeitvertrag habe, hab ich meist freie Abende", erwiderte er und steuerte auf einen Aufzug zu.
Während wir warteten hüpfte Noya aufgeregt von einem Bein auf das andere. „Oh! Ich muss dich Joe vorstellen, meinem Projektleiter. Dann kann ich ihm gleich das ganze In-Amerika-bleiben-Thema ausreden", rief er, als der Fahrstuhl ankam und bingte. Ich lächelte glücklich zu ihm hinab. Meine Überraschung schien wirklich gelungen zu sein. Während der Fahrstuhl nach oben fuhr, stupste Noya mich an.
„Burger also?", grinste er und ich lachte zurück. „Wenn es dir nichts ausmacht?" Er schüttelte den Kopf und sein Blick verhakte sich in meinem, als ob er nicht wirklich glauben konnte, dass ich da bin. „Nach der Überraschung sollst du alles bekommen, was du willst, Asahi!"
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No Distance || Asahi x Nishinoya
FanficInhalt: Asahi ist traurig und glücklich zugleich. Während er seinen Traum von Modedesign verwirklicht und damit auf den Ratschlag seinen besten Freundes gehört hat, kann er nichts gegen das Verlangen zu tun, diesen fest in seinen Armen zu halten...