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FELIX POV.

Endlich ist Schulschluss! Ich hätte es keine Sekunde länger in diesem langweiligen Chemiesaal ausgehalten. Schnell schmeiße ich meinen Block und meine losen Stifte, natürlich ohne Federmappe, in meine Schultasche. Ehe das schrille Geräusch unserer Schulglocke ertönt, verlasse ich das Gebäude. Das sieht wahrscheinlich für andere so aus, als hätte ich gleich einen wichtigen Termin und würde mich deswegen so stressen, doch eigentlich habe ich es nur eilig, rechtzeitig zum Mittagessen nach Hause zu kommen. Sonderlich viel ist auf meinem Heimweg zum Glück noch nicht los, die meisten Schüler kommen erst aus den Türen herausgeströmt, wenn ich die Straße schon überquert habe und an der - normalerweise - überfüllten Bushaltestelle vorbei bin.


Weit nach Hause hab ich es auch nicht, also trete ich schon nach guten 5 Minuten in unsere Wohnung und besteige dort erst mal die gefühlt unendlichen Treppen. Vor unserer Wohnungstür ziehe ich meine Schuhe aus und stelle sie ordentlich zur Seite, sodass meine Mutter mir schon mal das nicht mehr gegen den Kopf werfen kann. Danach zücke ich meinen Schlüssel aus einem der vorderen Fächer meiner Tasche und betrete so die Wohnung. Wie gewöhnlich ziehe ich meine Jacke aus und hänge sie in die Garderobe. Als das alles erledigt ist, wollte ich erst mal in die Küche gehen, doch anscheinend war meine Mutter schon fertig damit, da die typischen Geräusche nicht aus der Küche sondern schon aus dem Esszimmer stammen. Also öffne ich die Tür und schlendere mit dem Blick auf meinem Handy in den Raum und begrüße sie mit einem ziemlich stumpfen "Hi mom". Doch ziemlich schnell merke ich; es kommt keine Antwort. Sobald ich das realisiere, wende ich meine Sicht zu ihr und sie sieht so aus, als würde sie mir etwas mitteilen wollen.

"Alles okay Mama?" frage ich etwas besorgt, sie sieht so ernst aus... Ihr Blick liegt noch immer auf ihr und nach kurzem zögern antwortet sie "Ich wurde das gerne besprechen, wenn dein Vater auch zu Hause ist". Ist das ihr ernst? Sie kann mich doch nicht so auf die Folter spannen, nachdem sie so aufgelöst einfach so dasitzt! Aber gut, da ich nicht weiß, wie schlimm die Lage ist, kann ich ihr das jetzt nicht vorwerfen. Schließlich stimme ich einfach mit einem nicken zu und setze mich zu ihr, wo wir auch schon beginnen zu essen. Nach dem Mittagessen mache ich wie gewohnt meine Schulaufgaben, womit ich auch versuche, nicht über diese Sache nachzudenken und mich etwas abzulenken. Es kann doch nur schlimm sein, wenn sie das nur mit der Anwesenheit meines Vaters ansprechen will! Was, wenn sie wütend auf mich ist? Sofort denke ich über alle Handlungen, die ich in letzter Zeit getätigt habe, nach. Doch ich brauche nicht lange, bis mir auffällt, dass zur Zeit alles gut läuft. Ich komme in der Schule mit, schreibe gute Noten und ordentlicher bin ich auch endlich geworden. Im Haushalt kann ich wegen der ganzen Prüfungen eher selten helfen, aber ich bin mir sicher, dass sie das nachvollziehen kann. Naja, herausfinden werde ich den Grund sowieso heute noch.

Nach gut 2 Stunden höre ich meinen Dad dann auch in die Wohnung spazieren, in diesem Moment springe ich sofort auf und räume schnell alles in meinen Rucksack. Ich stürme die Treppe hinunter, als würde mich irgendjemand verfolgen und setze mich an den Tisch in unserem Esszimmer. Meine Eltern schauen sich gegenseitig an und mein Vater scheint auch schon verstanden zu haben, welches Gespräch sie mir wohl angekündigt hat. Beide nehmen anschließend auch Platz und das mir gegenüber. "Also, was ist los?" ich starre sie nervös an, schon klar dass sie sich vielleicht unter Druck gesetzt fühlen. Mein Vater setzt nun für seinen ersten Satz an "Deine Mutter und ich haben einen besser bezahlten Job gefunden, der uns offenstehen würde". Das wars? Ist doch super! Für was hab ich mir all die Sorgen gemacht?

Gerade, als ich genau das aussprechen wollte, schritt meine Mutter dazwischen: "Allerdings müssten wir dafür wieder umziehen". Ich denke, man kann genau sehen, wie mir mein Gesicht in diesem Moment eingeschlafen ist. Umziehen ist für mich mit das schlimmste, was mir je passieren konnte. Mein alter Kindheitsfreund und ich haben dadurch komplett Kontakt verloren. Er war der einzige Freund, den ich je hatte. Mir fällt es sehr schwer, mich mit fremden Menschen auseinanderzusetzen, doch er war irgendwie von Anfang an da. Bei ihm musste ich mir nie Sorgen machen - Ich wünschte, ich könnte das alles nochmal erleben. "Wohin?" frage ich nach meiner kurzen Denkpause. Plötzlich fallen beide ernste Gesichtsausdrücke meiner Eltern in ein warmes lächeln. Welchen Grund gibt es denn hier bitteschön noch zu lächeln? Sie schauen sich noch einmal an und sagen darauf gemeinsam "nach Hause". Das wars, ich verstehe hier gar nichts mehr. Verstehe ich das gerade richtig? Das kann ich nicht glauben... Ich werde Hyunjin wiedersehen? "Nach Hause?" Freudentränen sammeln sich in meinen Augen. Sie stimmen erneut mit einem nicken zu und jetzt war ich mir zu Hundert Prozent sicher, dass ich es richtig verstanden habe. Endlich darf ich zurück zu ihm. Es fühlt sich so erlösend an. Mein Körper ist auf einmal so leicht - so leicht, dass ich in die Arme meiner Mama falle.

"Wann? Ich will sofort anfangen zu packen!" meine Stimme klingt verheult, aber das ist mir gerade so ziemlich egal. Mein Dad erwidert "Das musst du auch, denn nächste Woche geht's schon los!" Der Gedanke, ihn so bald wieder im Arm halten zu können, ist einfach so ein wunderschönes Gefühl - ich kann es immer noch nicht glauben. Ohne ihm noch eine Antwort zu geben, sprinte ich nun die Treppe noch schneller hoch, als ich sie vorhin schon nach unten gerannt bin. Dort angekommen, greife ich nach meinem Koffer, der sich auf meinem Schrank befindet. Ich komme gerade so mit den Fingerspitzen dort hin und kralle ihn damit nach unten. Geöffnet schmeiße ich ihn auf mein frisch gemachtes Bett und fange sofort an, meine Lieblings-Kleidungsstücke raus zu kramen und anschließend zu verstauen. Da gibt es nur ein Problem - der eine Koffer reicht natürlich nicht. Ich stürme zurück nach unten und gehe ihn die kleine enge Abstellkammer, in der irgendwo auf den großen Regalen noch zusammen gefaltete Umzugskartons liegen. Auf meinen Zehenspitzen komme ich da gerade noch so mit gestrecktem Arm hin - damit hätte sich mein Platzproblem auch schon behoben.


(1046 Words)

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