Kapitel 4

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Olivia's Sicht:

Es war ein Morgen wie jeder andere. Ich hörte das vertraute Klopfen an meiner Tür und wusste sofort, wer es war. Levi stand, wie jeden Tag, pünktlich vor meinem Zimmer. „Guten Morgen, Liv. Zeit für das Frühstück.“ sagte er in seiner üblichen ruhigen Art und Weise. Ich lächelte ihn verschlafen an und nickte. „Morgen, Levi.“ murmelte ich und folgte ihm aus dem Zimmer.

Gemeinsam gingen wir in Richtung Cafeteria und ich bemerkte, dass Levi sich seltsam verhielt. Er war ungewöhnlich schweigsam, seine Hände fest in den Taschen vergraben und ab und zu warf er mir einen kurzen Blick zu, als würde er etwas verbergen. Doch bevor ich ihn darauf ansprechen konnte, erreichten wir die Cafeteria.

„Was ist denn los mit dir? Du bist heute irgendwie...nervös?“ fragte ich ihn schließlich mit einem misstrauischen Seitenblick. Levi wich meinem Blick aus, öffnete jedoch die Tür zur Cafeteria. „Du wirst schon sehen.“ sagte er nur und hielt mir die Tür auf. Kaum trat ich über die Schwelle, ertönte plötzlich ein lauter Ruf: „Überraschung!“

Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die gesamte Cafeteria war mit bunten Bändern und Ballons geschmückt. Die Soldaten des Aufklärungstrupps standen dicht gedrängt zusammen, ein großes Lächeln auf ihren Gesichtern. Mein Herz machte einen Sprung, als ich realisierte, was hier gerade passierte. Sie hatten meinen Geburtstag geplant – und ich hatte ihn vollkommen vergessen.

„Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz.“ sagte meine Mutter Anila und zog mich in eine liebevolle Umarmung. „Alles Gute zum Geburtstag, meine Kleine.“ meinte auch mein Vater Erwin, der mich fest umarmte und mir über das Haar strich. Ich schloss kurz die Augen und ließ die Wärme dieses Moments auf mich wirken. „Ihr habt das alles für mich gemacht?“ fragte ich überwältigt, meine Stimme leise vor Rührung.

„Natürlich! Denkst du wirklich, wir würden deinen Geburtstag einfach vergessen?“ lachte Hanji und drückte mir ein Geschenk in die Hand. „Hier, das ist von mir. Ich hoffe, es gefällt dir!“ sagte sie begeistert. Ich öffnete das Päckchen und fand ein neues Notizbuch, vollgepackt mit kleinen Skizzen und Notizen von Hanji über all die Abenteuer und Forschungen, die wir zusammen erlebt hatten. „Danke, Tantchen.“ sagte ich mit einem breiten Lächeln.

„Das hier ist von allen Soldaten des Aufklärungstrupps.“ erklärte meine Mutter und stellte eine kleine Kiste vor mich. Ich öffnete sie vorsichtig und entdeckte ein wunderschönes Teeservice, fein verziert und offensichtlich mit viel Liebe ausgesucht. „Oh, das ist wunderschön!“ rief ich aus und sah mich um, während alle mir freudig zulächelten. „Danke euch allen. Das ist wirklich so lieb von euch.“ sagte ich und konnte einfach nicht aufhören zu lächeln.

„Und ich habe auch etwas für dich.“ sagte Levi plötzlich. Er trat vor und hielt mir ein schlicht verpacktes Geschenk entgegen. Sein Gesicht war, wie immer, ruhig, aber ich konnte den Funken von Aufregung in seinen Augen erkennen. Ich nahm das Geschenk entgegen und wickelte es vorsichtig aus. In meinen Händen lag ein wunderschöner Schal, aus weicher, dunkelgrauer Wolle. Ich strich mit den Fingern darüber und spürte die feine Qualität des Stoffes. „Levi...der ist wunderschön. Danke.“ sagte ich leise, meine Augen glänzten vor Freude. „Ich dachte mir, dass du ihn gebrauchen könntest. Es wird bald wieder kälter draußen.“ meinte Levi und seine Mundwinkeln zucken.

Ich legte den Schal sofort um meinen Hals und lächelte Levi dankbar an. „Er ist perfekt.“ flüsterte ich, meine Stimme sanft. Levi schien für einen Moment zu zögern, doch dann breitete er seine Arme aus. „Komm her.“ sagte er leise. Für einen Moment stockte mir der Atem. Levi hatte mich noch nie umarmt – es war immer ein respektvoller Abstand zwischen uns gewesen. Doch ohne zu zögern, trat ich einen Schritt nach vorne und ließ mich in seine Arme fallen.

Da wir beide gleich groß waren, legte ich meine Arme um seine Schultern und Levi schlang seine Arme fest um meine Taille. Es fühlte sich nicht unbeholfen an, sondern vertraut und warm, als würde diese Umarmung schon immer ein Teil von uns sein. Mein Herz schlug schneller und ich konnte den leichten Duft seines Tees wahrnehmen, der mir ein Lächeln entlockte. Man hörte nur ein lautes "Awwww" von den anderen.

Levi hielt mich für einen Moment fest und schloss die Augen. „Ich bin froh, dass es dir gefällt, Liv.“ sagte er leise und zog mich etwas fester an sich, bevor er mich langsam losließ. Unsere Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Seine grauen Augen hielten meinen Blick und ich spürte, dass er etwas sagen wollte, aber es schien ihm schwerzufallen. „Danke, Levi.“ flüsterte ich, meine Stimme von Emotionen getragen.

Als ich mich schließlich von ihm löste, bemerkte ich, wie Hanji uns mit einem breiten Grinsen beobachtete. „Ohhh, das war also eure erste Umarmung? Wie romantisch! Du hast dir wirklich Mühe gegeben, Levi. Ich bin beeindruckt.“ rief sie aus und klatschte begeistert in die Hände. „Hör auf, Vierauge.“ sagte Levi genervt, aber ich konnte das leichte Rot auf seinen Wangen sehen. Es war selten, dass Levi verlegen war und ich konnte nicht anders, als ihn liebevoll anzusehen.

„Danke, euch allen. Ihr habt mir den besten Geburtstag beschert. Ich werde diesen Tag nie vergessen.“ sagte ich schließlich laut genug, dass es jeder hören konnte. Die Feier ging weiter, Lachen und Gespräche erfüllten die Cafeteria, und ich fühlte mich von einer Welle der Zuneigung und Freude getragen. Ich wusste, dass dieser Tag ein besonderer Wendepunkt war – nicht nur für mich, sondern auch für die Beziehung zwischen Levi und mir. Denn obwohl wir es noch nicht aussprachen, wusste ich, dass wir beide das Gleiche fühlten: Etwas Besonderes war zwischen uns entstanden, etwas, das uns für immer verbinden würde.

Zwischen Schatten und Titanen || Attack On Titan Fanfiction Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt