10.Kapitel

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Lahmfuss hatte recht. Es war so Dunkel, dass Eispfote kaum seine eigenen Pfoten sehen konnte. Vorsichtig tappte er weiter durch die Schwärze. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie den Ausgang. Eispfote hatte keine Ahnung wo sie waren, er wusste nicht einmal, in welcher Richtung das Lager lag. Er schaute sich um und entdeckte vor sich einen Riesigen Berg, den er noch nie zuvor gesehen hatte. «Wir sind da!», rief Kaninchenpfote und hüpfte vor lauter Aufregung auf und ab. Eispfote staunte, das war das zweite Lager? «Wo müssen wir denn jetzt lang?», fragte er und blickte sich um. Knickohr deutete mit den Schwanz auf eine enge Öffnung im Felsen. «Dort rein, es ist etwas heller als der letzte Tunnel, da es viele Löcher in den Wänden hat.» Eispfote tappte voraus in den Gang. Die Finsternis verschluckte ihn, und er konnte kaum den Boden sehen, doch dann gab es tatsächlich ein kleines Loch im Felsen, durch das Licht hereinströmte. Schliesslich war es hell genug, um wenigstens ein bisschen was zu sehen. Die Katzen folgten dem Weg, der sich durch den Felsen schlängelte. Er führte sie immer weiter nach oben. Der Gang schien endlos, und Eispfote bezweifelte, dass er jemals aufhörte. Doch nach der nächsten Kurve wurde er von einem Grellen Licht geblendet, heller das der kleinen Luftlöchern. Er kniff die Augen zusammen und ging weiter, aus dem Tunnel hinaus. Sobald sich seine Augen an das Sonnenlicht gewöhnt hatten, erkannte Eispfote die Gegend um sich herum. Er stand auf einer grossen, einigermassen geraden Felsplatte, auf der es sich die anderen Clan-Katzen bereits bequem machten. Der Schüler lief sofort los, um den fremden Ort zu erkunden, und nebenbei eine gemütliche Stelle zum Ausruhen zu finden. Schliesslich wählte Eispfote einen flachen Felsen, der von der Sonne gewärmt wurde. «Kaninchenpfote, komm, ich hab eine gute Stelle gefunden!», rief er seiner Freundin zu. «Ich komme!» Die kleine Kätzin hüpfte auf ihn zu. «Das ist so aufregend!», maunzte sie, ihre Augen glänzten vor Freude. «Ich hätte nie gedacht, wie toll das Lager hier oben ist. Ich hab auch gehört, hier fällt auch in der Zeit des tauenden Wassers manchmal noch Schnee!» Sie legten sich nebeneinander auf den Sonnengewärmten Stein und Eispfote schloss für einen Moment die Augen, genoss die Sonnenstrahlen auf seinem Pelz. «Alle Katzen, die Alt genug sind, um den Fluss zu überqueren, sollen sich vor dem Himmelsfelsen versammeln!» Dämmersterns Ruf durchschnitt die Stille. Eispfote mühte sich auf die Pfoten - Die Reise war echt anstrengend gewesen - und folgte Kaninchenpfote zu einem Felsen in der Mitte der Steinebene. «Wir werden uns hier einrichten müssen!», begann Dämmerstern. «Die Schüler helfen Blaubeerglanz dabei, die Kräuter auszupacken und zu sortieren. Die Krieger», damit wandte er sich an seine Helfer, «werden den Königinnen und Ältesten Nester vorbereiten und Jagen gehen. Ausserdem möchte ich, dass immer mindestens zwei Katzen den Eingang bewachen.» Der Anführer sprang vom Felsen herab und beendete somit die Versammlung. Eispfote suchte die Heilerin, um mit den Kräutern zu helfen. Blätterpfote, Habichtpfote und Kaninchenpfote hatten sie bereits entdeckt und liefen auf die Kätzin zu. Eispfote beeilte sich, ebenfalls zu Blaubeerglanz zu kommen. «Den Seetang könnt ihr hier auf einen Haufen legen, die Blätter dort», erklärte die Heilerin. «Dann macht ihr von jedem Kraut einen Haufen.» Dann begann sie damit eines der Bündel auszuwickeln und die Blätter zu entfernen. Die gesäuberten Wurzeln, die darin zum Vorschein kamen, häufte sie auf den Boden. Eispfote fischte ein Bündel aus dem Haufen und wickelte die Kräuter daraus aus. Dann schob er sie mit den Pfoten zu einem Haufen zusammen. Die Schüler arbeiteten sich die Pfoten wund. Als Eispfote schliesslich keine Blatt-Seetang-Bündel mehr fand, war die Sonne schon fast untergegangen. Er lief zu einem Haufen Moos und nahm einen Teil davon mit, um ein Nest zu machen. Er breitete es auf dem Boden aus und legte sich hinein. Kurze Zeit später kam Kaninchenpfote mit zwei Mäusen im Maul zu ihm. «Hast du Hunger?», fragte sie und legte ihm eine Maus vor die Schnauze. «Die Jagdpatrouille ist gerade zurückgekommen.» «Danke!», miaute Eispfote und biss ein grosses Stück ab. «Hast du gesehen, wie heftig die Strömung im Fluss ist?», fragte ihn Kaninchenpfote mit vollem Mund. «Nein, aber ich frage mich, wie weit das Wasser steigen wird und wann wir wieder ins Lager zurückkönnen.» «Ja, ich auch.» Als sie mit ihrer Frischbeute fertig waren legten sie sich in ihre Nester und schliefen ein.

«Aufwachen! Wir gehen auf Jagdpatroullie!» Kaninchenpfote stupste Eispfote mit der Pfote an. «Hallo? Lebst du noch? Komm jetzt, wir müssen los!» «Ich komme ja!», antwortete Eispfote und bevor er aufstehen konnte, war sie schon wieder davongezischt. Seufzend trottete er zu seinem und Kaninchenpfotes Mentor. «Wo gehen wir hin?», fragte er Grasauge. Dieser antwortete knapp: «Flussufer!», und trabte voran in den Tunnel, der vom Plateau herunterführte. Als sie unten angekommen waren, führte sie sein Mentor weiter zum Fluss. «Leise!», warnte Grasauge, «Sonst verscheucht ihr die Beute!» Eispfote achtete darauf, nicht zu laute Geräusche zu machen und schlich weiter Richtung Fluss. «Kaninchenpfote fängt an!», sagte Adlerschwinge und nickte seiner Schülerin zu. Diese bewegte sich vorsichtig in Richtung Flussufer. Sie fixierte eine Maus, die in der Nähe des Ufers hockte und an einen Samen nagte. Kaninchenpfote schlich sich immer näher an die Beute heran, bis nur noch eine Schwanzlänge zwischen ihr und dem braunen Tier lag. Sie machte sich zum Sprung bereit und Sprang, die Maus bemerkte sie, liess den Samen fallen und flitzte in einen Spalt unter den Felsen. Kaninchenpfote verfehlte die Maus um Tasthaaresbreite und fauchte frustriert. «Das war Pech!», kommentierte Grasauge die Situation. Adlerschwinge schnippte mit der Schwanzspitze und miaute: «Versuch das nächste mal, zwischen die Maus und ihren Bau zu Springen, dann hat sie keine Möglichkeit zu entkommen!» «Jetzt bist du dran», wandte sich Grasauge an seinen Schüler. Eispfote nickte und liess seinen Blick über die Umgebung schweifen. Da! Ein Kaninchen hatte sich bis hierher verirrt und schnupperte nun zwischen ein paar Grasbüscheln umher. Eispfote schlich sich heran und erinnerte sich an Flammenschwinges Tipp: Deine Beine sind Stark, du kannst das ausnutzen, indem du weit springst. Eispfote sprang. Er flog durch die Luft, in Richtung der Beute und landete mitten auf dem Kaninchen. Er tötete es mit einem schnellen Biss in die Wirbelsäule. «Gut gemacht!», miaute Grasauge. Eispfote wollte das Kaninchen mit den Zähnen packen, doch er stutzte. Ein eigenartiger Geruch legte sich auf seine Zunge, aber er kam einfach nicht darauf, wo er ihn schon mal gerochen hatte. Schliesslich nahm er das Kaninchen ins Maul und presste die Kiefer zusammen. Er schleifte die Beute hinter seinem Mentor her. «Soll ich helfen?», fragte Kaninchenpfote und Eispfote nahm dankend an. Zusammen schafften sie es irgendwie, das Kaninchen auf das Felsplateau zu bringen. Eispfote zerrte es zum Frischbeutehaufen und legte es ab. Lahmfuss und Knickohr lagen in der Nähe, und beobachteten Eispfote. Knickohr stand auf und tappte zu ihm. «Was für ein grosses Kaninchen, wo hast du das denn gefunden?», fragte er den Schüler. «Beim Flussufer!», miaute er stolz. «Willst du es mit mir und Lahmfuss teilen? Ich habe eine gute Geschichte. Kaninchenpfote kann auch mithören», miaute der alte Kater und deutete zu dem Gestrüpp, wo sich die beiden Ältesten eingerichtet hatten. «Ja, gerne!», miaute Eispfote erfreut und rannte los, um Kaninchenpfote zu holen.

Die Geschichte war toll gewesen. Eispfote lag in seinem Nest und versuchte zu schlafen. Er musste an den seltsamen Geruch bei der Jagd denken. Woher kam er? Er dachte nach. Es roch nach Bergen, es war eine Katze. Aber was für eine. Plötzlich erkannte er den Geruch, er gehörte zu einem Kater, von dem er sich wünschte, ihn nie wiederzusehen. Feuer!

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 22, 2025 ⏰

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