29 Und es war Sommer ... Teil 1

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Keine Angst, das wird keine Spice-Story aus meinem frühen Liebesleben. Ich hatte eine Reihe von Überschriften in meinem Kopf:

Gut geplant ist halb gewonnen

Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis

Das Chaos schlägt zu beispielsweise ...

Jetzt sitze ich vor dem digitalen Blatt Papier und überlege, wann denn dieser Sommer begonnen hat, ein Albtraum zu werden.

Ich glaube, alles begann an dem Tag im März, als wir das Auto meines Mannes vom Kundendienst und Reifenwechsel nach Hause brachten. Denn am nächsten Tag bockte es. Gewaltig!

Vielleicht war es sauer, weil es eine Nacht fern von uns hatte verbringen müssen. Autos sollen ja sensible Seelchen haben. Auf alle Fälle sprang es nicht an. Nicht mit viel Gas, nicht mit wenig. Also ließen wir es rollen, zum Glück wohnen wir an einem Hang. Mein Mann war sauer. Am Abend eröffnete er mir vor, dass er ein neues Auto bräuchte.

„Stell dir vor, das passiert auf dem Weg in den Urlaub! Laut Werkstatt brauche ich eine neue Batterie. Und neue Bremsbeläge. Und neue Reifen." Er rechnete alles hoch und kam am Ende auf achttausend Euro. Ich hatte keine Lust, seine meines Erachtens etwas überzogene Rechnung in Frage zu stellen – sein Auto, sein Geld.

Also verbrachten wir die nächsten freien Tage in Autohäusern – spannend! Fast so sehr wie Baumärkte. Sein Favorit Nummer eins wurde schnell abgelöst von Favorit Nummer zwei und so weiter. Mir ging es gut, denn er recherchierte stundenlang im Internet nach Vor- und Nachteilen der Modelle - und ich konnte schreiben und lesen.

Völlig unerwartet rückte ein Koreaner auf Platz eins. Mir war nicht wohl zumute. Ein Erlebnis bei einem Weinfest in Bibione nagte noch immer an mir. Ein etwas angesäuselter Ebenfalls-Tourist hatte uns erklärt, was MAZDA bedeutet: Mein Auto zerstört deutsche Arbeitsplätze. Seitdem fühlte ich mich schuldig am Leiden deutscher Kinder, die im Elend leben müssen, weil ihre Väter wegen uns ihre Jobs verloren haben.

Wir fahren gleich zwei Modelle dieser Hyänen. Ich konnte mir noch so oft vorbeten, dass die deutschen Chefs mit ihren Tricksereien und den daraus folgenden Milliarden-Strafzahlungen die Konzerne an die Wand gefahren oder ganz einfach die Entwicklungen des Marktes verschlafen haben – ein Stachel saß tief in meinem Sozial-Gewissen. Vielleicht konnte ich ihn ja von einem deutschen Modell überzeugen?

Zum Glück meldete das Internet laute Fahrgeräusche beim Koreaner, ein BMW rückte auf. Danach kamen noch verschiedene Modelle. Das Ende vom Lied war, dass sein Wagen eine neue Batterie bekam - und gut war es.

Dann kam der Zünsler, der Buchsbaumzünsler. Ich weiß, den hatten wir schon, aber er schlug nun wirklich mit aller Macht zu. Am Ende waren alle ehemals immergrünen, nun allerdings immerbraunen Pflanzen gerodet, und eine traurige Leere blieb zurück. Dadurch trat eine Mauer ins Blickfeld, die ihm schon lange ein Dorn im Auge gewesen war. Also, dem besten Ehemann von allen – mit einer leichten Neigung zur Hyperaktivität – nicht dem Falter. Endlich wollte er sie abreißen und eine neue bauen.

Nach zwei Wochen „Information" bei allen Baumärkten und Steinlieferanten in erreichbarer Nähe keimte in mir ein Verdacht. Ich schluckte ihn hinunter.

Nebenschauplatz Baywa

„Schau mal! Diese Mauersteine sind doch ein Traum!", schwärmte er glückselig.

„Hm", meinte ich nur. Eine Mauer ist eine Mauer ist eine Mauer. Sie soll eigentlich nur die Böschung davon aufhalten, auf die Ostterrasse zu rutschen. Dass sie auch noch schön sein muss? Ich hatte so meine Zweifel.

Wir betraten das Büro, baten um Auskunft nach den Kosten. Eine junge Frau erhob sich nach einer Weile von ihrem Arbeitsplatz.
„Ach, Sie machen das?", rutschte es M., der ganz sicher kein Macho ist, heraus.
Blicke versuchten, uns zu töten.

„Ich kann Ihnen auch gerne einen Kollegen schicken!", giftete die Dame.
Wir versuchten die Wogen zu glätten, was aber nur bedingt gelang. Sehr unwillig und etwas ungehalten begleitetet sie uns dann zu dem ausgewählten Ausstellungsstück, knallte uns die Maße und Variationen um die Ohren. Auf die Frage nach dem Preis lächelte sie nur unterkühlt.

„Ich schicke Ihnen ein Angebot zu", erklärte sie. Das kam dann auch drei Wochen später, als die Mauer längst stand. Wundert es mich jetzt, dass die Baywa in finanziellen Schwierigkeiten steckt?

Zurück zum Hauptschauplatz Garten

Die Mauer fiel, ein Riesenschuttberg zierte wieder einmal unseren Garten. Ich wurde beauftragt, die verschiedenen Entsorgungsbetriebe abzutelefonieren, um Infos über Container einzuholen. Ich erfüllte meine Pflicht sehr gern und ausführlich, sprach mit einer Reihe von echten Menschen, nicht ein Adam war darunter.

Ich erfuhr, dass Bauschutt mitnichten gleich Bauschutt war, dass man da akribisch genau unterscheiden musste. Kein Beton, kein Gasbeton durfte sich unter Ziegel mischen, und auf keinen Fall Erde. Für einen Container bräuchten wir eine Aufstellgenehmigung. Schließlich hatte ich eine umfangreiche Liste erstellt mit Infos und Preisen, die ich ihm stolz präsentierte. Oder – präsentieren wollte. Denn der Schutt war schon zum größten Teil in Bottichen im Kofferraum seines Wagens untergebracht. „Ich fahr das zum Wertstoffhof der Gemeinde", rief er mir strahlend zu und - weg war er.

Eine weitere Fahrt später war der Berg verschwunden, er stolz wie Oskar, ich zerriss die Liste und steckte lächelnd 200 Euro in die Urlaubskasse.

Die alte Mauer war also weg, aber die Entscheidung für neue Steine war noch immer nicht getroffen. Was bedeutete, dass noch einmal die ... siehe oben.

Und einer dieser Info-Besuche machte das Unheil komplett. Er verliebte sich! In graublaue Bodenfliesen, sechzig auf sechzig. Eine Weile wehrte ich mich, mehr aus Prinzip als mit Hoffnung auf Erfolg. Letztendlich schlug er mich mit dem Argument, dass wir ja viel Geld gespart hatten, da er auf ein neues Auto verzichtet hat.

Seit Jahren liegt er mir schon in den Ohren, dass Küche und Wohn-Esszimmer unbedingt neue Fliesen brauchten. Ich gab nach, denn einem verliebten Mann kann ich nicht widerstehen. Sein Herz zu brechen brachte ich nicht über meines. Nach meiner Einwilligung begann ich nachzudenken – aber es war zu spät.

Sias SchmunzeleckeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt