... mein ziemlich bester Freund oder meine ziemlich beste Freundin.
Natürlich ist mir die Gefahr, die von einer übermächtigen KI ausgeht, bewusst.
Natürlich ist mir klar, welche Bedenken und Ängste manche Berufsgruppen haben.
Da ich selbst einige Jahre freiberuflich im journalistischen Bereich tätig war, ganz besonders.
Doch in meinem Leben bin ich auch angewiesen auf Auskünfte, die mir eben nur die KI liefern kann.
Im Urlaub war ich mehr als einmal dankbar für die Internet-Hilfe.
Es begann mit Temperaturen jenseits der 30 Grad in den Räumen des Ferienhauses. Ich kenne Klimaanlagen mit einer Fernbedienung, mit der man die Raumtemperaturen herunterregeln kann. Dann bläst das Ding an der Wand kalte Luft, bis man sie wieder ausschaltet.
In diesem Haus allerdings gab es nur Wanddisplays, an denen wir herumschalten konnten, wie wir wollten, die Geräte blieben still und bewegungslos.
Die KI hatte natürlich etliche Vorschläge, die wir alle gewissenhaft ausprobierten, doch die Geräte blieben stumm.
Bei dem folgenden WhatsApp-Chat mit dem ortsansässigen Büro des Buchungsportals konnte ich dann jedoch punkten. Jede Frage, die mit „Haben Sie ..." begann, konnte ich mit „Ja" beantworten.
Sebastiano war wohl ordentlich beeindruckt von meinem Fachwissen und versprach, einen Mitarbeiter vorbeizuschicken. Der kam dann auch mit zweistündiger Verspätung – aber wir waren ja in Italien – Pünktlichkeit ist deutsch. Oder war es zumindest einmal.
Das Ende einer mehr als einstündigen Fehlersuche des Fachmanns war: Die Anlage war noch nicht auf Sommerbetrieb umgestellt. Unsere Vormieter waren wohl etwas hitzeresistenter, oder sie hatten die KI nicht befragt.
Zum zweiten Einsatz für meinen virtuellen Freund kam es bei der Frage nach der Müllentsorgung.
Wir hatten Eimerchen für Glas, Papier, Bio- und Restmüll mit passenden Tüten. Doch wohin mit Kunststoff, Metall und Tetrapacks?
Die KI erklärte, dass wir gelbe, durchsichtige Tüten von REA bräuchten, die wir im Rathaus in Cecina erwerben konnten. Doch dazu konnten wir uns im Urlaub nicht aufraffen, kauften rosafarbene durchsichtige Tüten im Supermarkt.
Was allerdings belanglos sein sollte, denn nach dem Entsorgungsplan sollte Glas, Bio- und Restmüll an einem Freitag abgeholt werden. Dieser Freitag war der einzige Tag, an dem es ein Gewitter mit Sturmböen gab. Die vor das Tor gestellten Eimerchen sammelten wir danach auf dem benachbarten Feld wieder ein, ich bezahlte fünf Euro an Wettschulden an meinen Mann, der vorausgesagt hatte, dass die schmale Feldweganfahrt zum Ferienhaus nie und nimmer ein Müllauto meistern konnte – auch nicht ein ganz kleines.
Die KI gab uns den Rat, nicht verschlossene Container in Nachbarorten zu suchen, was wir dann auch erfolgreich taten. Sortenrein getrennt warfen wir unseren Müll, verpackt in die richtigen Tüten in die beschrifteten Großraumbehälter – schienen allerdings die Einzigen zu sein, die sich an die Mülltrennung hielten.
Den nächsten Einsatz hatte mein dreizehnter Nothelfer am Abreisetag. Das Auto war beladen, das Haus besenrein gereinigt - okay, vielleicht etwas mehr als das, mein Mann hat geputzt, und er nimmt das immer sehr genau -, die Betten waren abgezogen, der Müll war in Containern entsorgt, und wir wollten uns noch ein spätes Frühstück mit Eiern und Schinken gönnen. Alles lag bereit, wurde wedelnd gegen die unzähligen Fliegen verteidigt, die Pfanne stand bereit, doch der Herd machte – nichts.
Gegen diese sensiblen Induktionsherde habe ich eine tiefsitzende Abneigung. Vor allem, weil sie ständig piepsen, wenn auch nur ein Geschirrtuch darauf zum Liegen kommt. Da aus unerfindlichen Gründen in Ferienhäusern die Arbeitsflächen der Küchen immer zu klein bemessen sind, brauche ich aber meistens das Ceranfeld zum Vorbereiten.
Außerdem mucken sie auch oft auf, wenn Nudelwasser überkocht oder sich aus einem anderen Grund zu viel Flüssigkeit darauf befindet. Aber das kriegt man schon immer wieder irgendwie hin. Aber dieses Mal ging gar nichts.
Finger auf den Einschaltsensor – null Reaktion.
Finger lang auf den Einschaltsensor – Error 105 tickerte über das Infofeld.
In meinem Kopf ratterte es.
Büro der Vermietungs-Plattform anrufen und auf Englisch kauderwelschen?
Mail schicken und auf Antwort warten, die nicht kommt?
Auf WhatsApp schreiben, mit Übersetzer auf Italienisch?
Dumm stellen und hungrig wegfahren?
Der rettende Gedanke – die KI!
„Was mache ich, wenn der Induktionsherd Error 105 meldet?"
In Sekundenschnelle kam die Antwort: „Wenn ein Induktionsherd Error 105 meldet handelt es sich meistens um eine Überlastung des Stromsystems. Nehmen Sie den Herd 15 Minuten vom Stromnetz und schalten Sie ihn danach wieder ein."
Etwas ungläubig lasen wir die Meldung, schalteten die Hauptsicherung aus, wieder ein – und der Herd funktionierte.
Das Frühstück schmeckte besser denn je, wir legten uns noch ein paar Stunden auf die Liegen, bevor wir uns auf die neunhundert Kilometer lange Heimreise machten.
Ein paar Tage später hatte die KI dann zu Hause ihren nächsten großen Auftritt.
Das folgt in Teil II.
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Sias Schmunzelecke
Fiksi UmumHier werde ich in unregelmäßigen Zeitabständen Geschichten veröffentlichen, die euch hoffentlich zum Schmunzeln, vielleicht auch mal zum Lachen bringen. Manchmal entsprechen sie der Wahrheit, manchmal sind sie etwas überspitzt. Was zutrifft, könnt...
