Wir hatten die Nase voll.
Drei Monate lang Chaos im Haus, dann seit acht Wochen alle drei Tage nach Plauen zum Krankenhausbesuch des Verwandten – einfache Strecke 200 Kilometer - , der geplatzte Urlaub – letztes Jahr waren wir gar nicht weg.
Es war genug.
Wir hauen ab.
Wenigstens für zehn Tage.
Adria und Riviera sind zu weit, also Gardasee.
Ist ja schließlich immerhin Italien – und das ist für den besten aller Ehemänner nun mal alternativlos.
Am Sonntag also meine Frage: „Fahren wir jetzt eigentlich noch weg?"
Seine Antwort: „Dann suchen wir mal ein Haus."
Eine Stunde später waren wir tatsächlich erfolgreich. Unser bevorzugter Onlineanbieter ist am Gardasee leider nicht sehr stark vertreten, also versuchten wir es auf einer anderen Plattform.
Schnell hatten wir uns für ein alleinstehendes Haus auf irgendeinem Hügel am Ostufer entschieden. Allerdings zeigte uns die Kartenvergrößerung, dass die Anfahrt ausgesprochen kurvig und umständlich war.
Was heißt, dass wir - einmal nach einem Ausflug wieder an Ort und Stelle – kaum noch einmal losfahren wollen würden.
Das hatten wir schon zur Genüge gehabt in der Vergangenheit, kein Glas Wein im Sonnenuntergang, kein Bummel an irgendeiner Promenade. Das war öde.
Also, weitersuchen – und ich habe es entdeckt: Das Traumhaus schlechthin, fußläufig zum See gelegen.
Gebucht, Kredikartendaten eingegeben, auf Bestätigung wartend.
Wartend, wartend, wartend.
Es kam nichts.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich auch noch diese Gmail-Adresse hatte, die ich eigentlich nie nutzte. Doch aus unerfindlichen Gründen war dort die Bestätigung eingetroffen.
Tata!
Eine Weile später kam die Aufforderung, den Zahlungsvorgang abzuschließen – von einem Absender, der mir nicht bekannt war. Na! Nicht mit mir! Kann ja sonst jemand sein!
Also rufe ich beim der Buchungs-Plattform an, mein Liebster lacht nur. „Am Sonntag! Da wird sicher jemand zu erreichen sein!"
Ich lächle zurück, weiß, dass die da 24/7 jemanden im Servicebüro haben.
Und es meldet sich ... Mohammed.
Es kribbelt ein wenig in meinem Nacken. Wer mich kennt, weiß, dass ich nichts gegen Menschen mit Migrationshintergrund habe – im Gegenteil.
Aber am Telefon – wenn es doch um eine größere Summe geht - und um einen dringend nötigen Urlaub?
Doch der junge Mann – seiner Stimmer nach ist er jung – überrascht mich. Kompetent und freundlich erklärt er, dass es sich um eine Firma handelt, die seiner angeschlossen ist. Ich könnte ganz unbesorgt sein und mich mit Fragen jederzeit an ihn wenden.
Zwei Rückrufe später, bei denen er mir erklärte, dass er wirklich bemüht sei, alle meine Fragen zu beantworten, drei Mails später, in denen er mir dasselbe versicherte und mich um eine positive Bewertung bat – was ich ja gerne getan hätte, wenn er mir Zeit dafür gegeben hatte – kam ich endlich dazu, die Zahlung abzuschließen und ihm ein paar Sternchen mit freundlichen Worten zu senden.
Ein weiterer Anruf, bei dem er sich bedankte, eine weitere Mail, in der er mir versicherte, immer für meine Probleme da zu sein – mein Mann und ich beschlossen, ihn zu adoptieren. Nach dem Urlaub vielleicht.
M., der bei einem Wettbewerb der Schwarzseher ganz sicher den ersten Platz belegen würde, wenn es den denn gäbe, hegte noch Bedenken wegen der Schlüsselübergabe.
Am nächsten Morgen konnte ich ihn – vollkommen übernächtigt – beruhigen. Denn um zwei Uhr nachts hatte ich den Fehler gemacht, noch einmal WhatsApp zu öffnen und war auf die Nachricht mit der Bitte um Online-check-in gestoßen. Wie zum Teufel ...?
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Sias Schmunzelecke
Ficção GeralHier werde ich in unregelmäßigen Zeitabständen Geschichten veröffentlichen, die euch hoffentlich zum Schmunzeln, vielleicht auch mal zum Lachen bringen. Manchmal entsprechen sie der Wahrheit, manchmal sind sie etwas überspitzt. Was zutrifft, könnt...
